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Michael Coney - Brontomek!.doc, page 9

 

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  Der schlimmste Augenblick jedoch kam, als er uns die Identitätskarten der Organisation aushändigte – doch selbst diese unangenehme Aufgabe erledigte er bestens.

  »Was, zum Teufel, soll denn das?« fragte Will Jackson und starrte mit tiefem Mißtrauen auf die kleine Plastikkarte, die seinen Namen und eine Nummer trug.

  Singleton lächelte und teilte weiter Karten aus. Er hatte sich unsere Namen bereits gemerkt. »Die Karten sollen uns allen vieles erleichtern«, sagte er. »Ich glaube, in einer nicht von der Organisation verwalteten Gesellschaft kommt ihr eine Kreditkar-

  te am nächsten. Wir alle werden sie von jetzt an anstelle von Bargeld benutzen. Das ist viel einfacher. Alle Geschäfte auf Arkadia werden mit elektronischen Kassen ausgestattet. Wenn man etwas kauft, steckt man nur seine Karte in einen Schlitz der Kasse, der Kassierer macht wie gewohnt eine Aufstellung der Einkäufe, man zieht die Karte wieder heraus und geht. Sämtliche Einwohner haben ein Konto bei der Zentrale der Universal Bank.

  Glaubt mir, das ist viel einfacher als ständig Bargeld mitschlep-pen zu müssen – und am Ende jedes Monats wird jedem von euch eine Gesamtaufstellung seiner Einkäufe zugestellt.«

  »Und auch der Organisation?« fragte Ralph Streng.

  Doch im großen und ganzen kam Singleton recht gut an, und die Kolonie war erleichtert. Wir nahmen an, daß er jetzt sozusagen der Boß der Kolonie war – obwohl er diese Tatsache nie zur Schau stellte.

  Es hatte den Anschein, als ob unsere Bezahlung ebenfalls durch die Universal Bank geregelt werden würde, und zwar in Form einer Gutschrift. Wir würden nie Bargeld in die Hand bekommen, wir würden überhaupt nie wieder einen Geldschein sehen, da alle Banknoten von der Universal Bank zurückgerufen und für ungültig erklärt worden waren.

  Am gleichen Tag erhielt Singleton Arbeitszuweisungen für uns alle. Er berief eine Versammlung ein und verlas sie auf seine nette, unformelle Art, beantwortete Zwischenfragen und gab Er-klärungen.

  »Kevin Moncrieff«, rief er auch meinen Namen auf. »Wie ich sehe, bist du als Bootsbauer eingeteilt worden, Kev. Du kannst also weitermachen wie bisher, wie auch die meisten anderen Menschen in dieser Kolonie. Ich habe der Organisation berichtet, daß du am Wochenende einen großen Stapellauf vorhast, und man hat sich damit einverstanden erklärt, daß du einen Monat lang die Profite behalten kannst – aber natürlich auch mögliche Verluste selbst abdecken mußt, bevor auch du auf Standard-Lohn gesetzt wirst. Ist doch sehr hübsch, wie?«

  Es war sogar besser, als ich zu hoffen gewagt hatte. Wenn der Stapellauf ein Erfolg wurde und Aufträge hereinkamen, konnte

  ich vielleicht eine hübsche Summe auf die Seite bringen, bevor die Organisation sich einschaltete. Auf jeden Fall aber wollte sie meinen Betrieb nicht übernehmen, soviel war klar. Es stand mir frei, ihn mit Hilfe von Überschüssen auszubauen, und in fünf Jahren würde ich dann die angesammelten Profite kassieren.

  Ich war besser weggekommen als viele andere. Um die zwanzig Kolonisten waren zu einem Arbeitskommando zusammenge-faßt worden, das eine große Landfläche östlich von Kli a’Pos Ranch roden sollte. Unser Alien blinzelte nervös, als er hörte, daß die Organisation direkt vor seiner Haustür Farmbetriebe aufbauen wollte, aber zumindest hatten sie ihn nicht enteignet –

  noch nicht…

  Ich briet Arkuh-Steaks mit Pilzen und Röstkartoffeln – was das Essen betrifft bin ich noch immer sehr ein Mann der Erde, und außerdem wollte ich nicht das Risiko eingehen, ein exotischeres Gericht zu verpatzen. Ich hörte den Hovercar parken, und das schwere, solide Geräusch der zuschlagenden Tür sagte mir, daß es Barker war. Ich schob die Pfanne mit den Steaks auf eine Warmhaltefläche, trat zum Fenster und nahm rasch einen Schluck Scotch. Unter mir sah ich die Köpfe von zwei Menschen, die auf die Treppe zuschritten. Einer der Köpfe gehörte Barker: Doppelkinn und ein fetter Hals, der vom Hemdkragen zusam-mengehalten wurde.

  Der andere gehörte einem Mädchen und war blond.

  Ich musterte mich rasch im Spiegel, fragte mich, warum ich immer so aussah, als ob ich eine Rasur und einen Drink brauchte, und öffnete die Tür.

  Ein unvorstellbar schönes Mädchen trat in mein bescheidenes Heim, gefolgt von der massigen Gestalt Barkers.

  »Susanna Lincoln – Kevin Moncrieff«, sagte Barker knapp. »Ist das Steak, was ich da rieche, Kev? Gut. Trinkst du eigentlich immer allein? Was ist mit uns?«

  »Hallo, Susanna«, sagte ich und versuchte, mich von meinem Herzstillstand zu erholen.

  »Hübsche Wohnung, Kev…«, sagte sie lächelnd. »Gemütlich

  und seemännisch.«

  Ich blickte nervös umher und entdeckte Dinge, die ich vorher nicht bemerkt hatte, Sachen aus der Bootswerkstatt, die ich vergessen hatte, hinunterzubringen: einen verölten Sack mit Schä-

  keln in einer Ecke, einen Motorkolben auf einem Regalbrett, einen Anker unter dem Tisch. »Oh, Gott«, murmelte ich. Dann zuckte ich die Achseln und blickte sie an.

  Ihre Augen waren unglaublich; tiefblaue Seen, in die ich hin-einblickte und sofort vergaß, was für ein Saustall meine Wohnung war – und auch alles andere vergaß und nichts anderes wollte, als für immer in diese Augen zu blicken…

  »Liebe auf den ersten Blick mag für manche Leute recht schön sein«, sagte Barker laut. »Aber ich brauche jetzt einen Drink.«

  Sie trug ein hellblaues Kleid mit irgendeinem hauchdünnen weißen Ding um den Hals. Ihr Haar hatte die Farbe von Gold und war schulterlang. Es war nicht leicht, sie genau zu beschreiben, weil sie von einem emotionellen Nebel umgeben war, der meinen Gesichtssinn trübte. Ein leichtes Lächeln lag um ihre Mundwinkel, als sie meinen Blick ruhig erwiderte.

  »Leck mich doch im Arsch«, sagte Barker, »dann hole ich ihn mir eben selbst.« Irgendwo hörte ich das leise Klirren von Glas.

  Susanna sagte: »Ich brauche auch einen, Mortimore.«

  Der Bann war gebrochen, und wir tranken und sprachen, und ich versuchte, so zu tun, als ob nichts geschehen wäre, daß wir drei ganz normale Menschen wären, die über ein Geschäft sprachen. Ich erzählte Susanna von meiner Bootswerft und der Kolonie und der Geschichte von Riverside, so weit ich sie kannte, und allmählich begann die Stimmung sich ein wenig zu normalisie-ren. Mortimore Barker verzog jedoch ab und zu das Gesicht, als ob er sich über etwas amüsierte, und Susanna wich meinem Blick aus.

  Nachdem wir gegessen hatten, sagte Barker: »Susanna kann sich in deinem Schlafzimmer umziehen. Okay?«

  Ich blickte sie an, und meine Augen wurden wieder von den ih-

  ren gefangengenommen. Schließlich sagte ich: »Ich habe dich schon einmal gesehen. Vor einer guten Woche, im Schienenbus nach Inchtown. Ich war auf dem Weg zur Konferenz.«

  »Ja, das ist möglich. Aber ich habe dich nicht gesehen.«

  »Ich habe hinter dir gesessen.« Es war ein ganz saublödes Gespräch.

  »Jesus!« Barker ging ungeduldig auf und ab. »Wir haben in einer Stunde einen Stapellauf hinter uns zu bringen. Wir müssen uns dafür vorbereiten. Susanna muß sich umziehen.« Er trat ans Fenster und blickte auf den Kai hinab. »Ein paar Leute sind schon da.« Er riß die Schlafzimmertür auf; glücklicherweise war das Bett gemacht. »Miß Lincoln – geh jetzt hinein und zieh dich um, ja?«

  Susanna nahm eine kleine Tasche auf und verschwand.

  Barker schenkte sich noch einen Drink ein und sagte: »Was hältst du von ihr, Kev?« Er sah mich an, ein irritierendes Lächeln auf seinen dicken Lippen.

  »Ich bin nicht sicher, ob sie das Richtige für diesen Job ist«, sagte ich.

  Er starrte mich ungläubig an. »Hast du den Verstand verloren?

  Verdammt, jeder Mann wird nach ihr sabbern! Und per Assozia-tion auch nach deinem verdammten Boot!«

  Ich versuchte, meine Bedenken in Worte zu kleiden. »Du hast gesagt, daß wir das Boot durch Sex verkaufen wollen. Ich bin nicht sicher, ob ich als erstes an Sex denken würde, wenn ich sie sehe. Es ist ein gewisses… etwas Liebes um sie. Du verstehst doch, was ich sagen will, Mort? Ich fürchte, wenn sie da ist, wird… ah… niemand das Boot sehen.«

  Barker wirkte erleichtert. »Das ist völlig in Ordnung. Verdammt, einen Moment lang habe ich mir wirklich Sorgen gemacht. Du hast in letzter Zeit nicht genug Frauen zu sehen gekriegt, Kev, das ist dein Problem. Du glaubst, du hast dich in dieses Mädchen verliebt. Vergiß es! Vertraue mir. Jeder wird dein Boot sehen, Mann.«

  Doch als Susanna kurz darauf aus meinem Schlafzimmer kam, in einem Bikini, der so sparsam ausgelegt war, daß er kaum ihre vollen Brüste im Zaum halten konnte, kamen mir sehr starke Zweifel. Der Anblick eines Mädchens, das in geschlossenen Räumen Strandbekleidung trägt, übt eine unwiderstehliche Wirkung auf mich aus; vielleicht hat es etwas mit dem exotischen Alfres-co Look zu tun, der so stark zu der alltäglichen Umgebung kontrastiert, oder es ist vielleicht irgendein häßlicher, verborgener Fetischismus, der in mir lauert, und den nur ein Tiefenheini er-klären könnte – aber was auch immer der Grund dafür sein mag, es ist ein sehr hübsches Gefühl. Ich starrte Susanna, die in der Schlafzimmertür stand, mehrere Sekunden lang an, bis ich merkte, daß sie dort stand, weil sie nicht an mir vorbei konnte…

  Später, auf der Helling, begannen die Kameras zu surren, von Mortimore Barker dirigiert. Ich stand eine Weile neben dem Boot, um auch ins Bild zu kommen, und Susanna machte sich mit dem Boot vertraut. Jane Swindon traf ein, die zeremonielle Champagnerflasche in der Hand, die sie, wie ich befürchtete, ineffektiv gegen den Bug des Bootes knallen würde.

  »Ich hatte noch keine Gelegenheit, es dir zu sagen, Kev.« Sie lächelte mich an. »Ich freue mich wirklich, daß du diese Ehre mir überlassen hast.«

  Ich grinste zurück. »Ich hatte die Wahl zwischen dir und Mrs.

  Earnshaw«, sagte ich. »Aber bei der war zu befürchten, daß sie auf Löwenzahn-Wein bestehen würde, also hast du den Job bekommen. Wo ist Mark, übrigens?«

  Ihr Lächeln erlosch. »Er versucht, die Organisation davon zu überzeugen, daß es falsch wäre, das Plankton abzuernten. Er macht sich wirklich große Sorgen deswegen, Kev.«

  »Wir wollen heute Nachmittag nicht daran denken, ja? Nach der Jungfernfahrt nehmen wir einen Drink an Bord. Ich habe für diese Gelegenheit ein paar Flaschen Scotch bereitgestellt.«

  Ihr Lächeln kehrte zurück. »Ich glaube kaum, daß du mich dabei brauchst.« Sie deutete zum Vordeck hinauf, wo Susanna für die Kameras posierte. »Wer ist sie? Sie ist das attraktivste Mädchen, das ich jemals gesehen habe. Ehrlich gesagt, ich bin froh,

  daß Mark nicht hier ist.«

  »Ich werde niemals verstehen, wie eine Frau eine andere Frau attraktiv finden kann. Was findest du so anziehend an ihr, Jane?

  Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Anblick von all dem Sex, der dort oben sitzt, in dir Lustgefühle wachruft, wie in mir.« Ich lachte leise.

  »Mach mir doch nichts vor, Kevin Moncrieff«, sagte sie ruhig.

  »Warum setzt du deine Gefühle so herab? Und auch das hübsche Mädchen dort oben. Sie ist kein dummes Betthäschen, und das weißt du sehr genau. Ich habe gesehen, wie du sie anblickst –

  und ich habe auch gesehen, wie sie dich anblickt. Also hör auf, dich wie ein geiler Bock zu benehmen und behandle sie, wie es sich gehört! Ich habe das Gefühl, es könnte sich lohnen.«

  Ich hatte schon bei früheren Gelegenheiten festgestellt, daß Jane eine ziemlich niedrige Reizschwelle hat, und jetzt stand ei-ne winzige Andeutung von Wut in ihren hübschen Augen. »Entschuldige«, sagte ich. Und dann machte ich ihr ein Geständnis.

  »Jane, ich kenne sie erst seit knapp zwei Stunden. Ich kann selbst nicht glauben, was ich für sie empfinde. Ich habe eine Heidenangst, mir alles zu vermasseln.«

  »Du bist für den größten Teil des Nachmittags mit ihr allein auf dem Boot«, sagte Jane. »Die Kameraleute werden zwar folgen, aber sie können nicht hören, was ihr sagt. Du brauchst dich doch nur so zu geben, wie du bist, Herrgott noch mal. Kein lüsternes Grinsen, keine blöden Redensarten. Sprich mit ihr, wie du mit mir sprichst.«

  Ein etwas ironischer Jubel erklang aus der skeptischen Menge, als Barker vortrat und ein paar Platitüden von sich gab. Dann reichte er Jane das Mikrophon, und die Zuschauer wurden etwas ruhiger. Sie ist in der Kolonie sehr beliebt; ich hätte keine bessere Wahl für diesen Job treffen können.

  Sie sprach sehr gut, sagte, daß ich ein netter Kerl sei und die Kolonie froh sein müßte, mich zu haben, ohne so dick aufzutra-gen, daß die Leute mich ausbuhten. Sie streifte kurz die derzeitige Situation der Kolonie, machte ein paar witzige Bemerkungen, die die Leute wirklich zum Lachen brachten, und dann kam sie

  zur Sache.

  »Ich taufe diese Yacht auf den Namen Easy Lady und wünsche allen, die mit ihr fahren, viel Glück.«

  Mit diesen Worten schwang sie die Flasche, und da sie Jane Swindon war, zertrümmerte sie sie am Bug, und ersparte uns den peinlichen Anblick eines zweiten Versuchs, und eines dritten… Ich küßte sie sanft auf die Wange und kletterte auf das Deck der Easy Lady, als das Boot von der Helling zu gleiten begann. Aus der Menge kamen ein paar Hochrufe. Die Fischerboote tuteten.

  Susanna schoß bereits die Taue auf, als wir langsam ins Wasser der Flußmündung glitten.

  Die hohen, bewaldeten Ufer zogen an uns vorbei, als wir durch den nachmittäglichen Sonnenschein seewärts fuhren. Ich sah Worrals in den Bäumen, die an die Äste geklammert schliefen.

  Wir passierten den Ankerteich, den tiefen Einschnitt in das Ufer, wo die Strömung wirbelnde Rückstaus hervorruft, und wo die ganze Kolonie einmal während des Relais-Effekts von einem Gehirn in Bann gehalten worden war. Hinter dem Ankerteich begann die Mündung sich zu verbreitern, und ich dachte daran, die Segel aufzuziehen. Wir tuckerten immer noch mit dem winzigen Hilfsmotor voran, der auch die Pumpe für die Druckluft im Dop-pelrumpf antrieb.

  Selbst bei dieser langsamen Fahrt machte sich der Effekt des Luftfilms am Bootsrumpf deutlich bemerkbar. Das Boot glitt sanfter durch das Wasser und ließ nur eine kleine Heckwelle hinter sich zurück.

  Ich fragte mich, ob Susanna Erfahrung mit Booten hatte, ob ich ihr die Ruderpinne überlassen konnte, während ich die Segel aufzog. Wir hatten seit dem Verlassen von Riverside nicht viel miteinander gesprochen, und einander auch nicht angesehen.

  Jetzt saß sie auf dem Kabinendach und blickte zum Ufer hinüber.

  Der Wind wehte von achtern. »Komm und übernimm für ein paar Minuten die Pinne, ja?« sagte ich in einem so normalen Tonfall wie möglich. »Es wird Zeit, daß wir ein bißchen segeln.«

  Sie erhob sich vorsichtig und kam auf mich zu, wobei sie sich bückte und an der niedrigen Reling festhielt, so daß ich einen herrlichen Einblick in ihr Bikini-Oberteil bekam, bis zu den Brustwarzen und darüber hinaus. Ich streckte ihr meine Hand entgegen und half ihr ins Cockpit hinab.

  Das Kamera-Boot folgte in unserem Kielwasser, Objektive blitzten im Sonnenlicht, und die riesige Gestalt von Mortimore Barker stand im Bug wie eine Galionsfigur. Ich blickte Susanna an.

  »Haben sie Richtmikrophone?« fragte ich.

  »Das glaube ich nicht. Wieso fragst du? Willst du mir einen un-sittlichen Antrag machen?«

  »Ich… ah… daran habe ich nicht gedacht.« Ich schluckte und wich ihrem Blick aus, weil ich nicht in diese tiefblauen Augen sehen konnte. Eine Schlechterpflanze am Ufer schlug mit ihren Tentakeln um sich und zog irgendein kleines Tier in ihre anemo-nenartige Magenöffnung. Meine Hände zitterten, als ich mit den Tauen herumhantierte. Schließlich hatte ich Großsegel und Fock aufgezogen, und Susanna, die sich als superkompetent erwies, brachte sie richtig in den Wind. In der Heckbrise machten wir gute Fahrt; ohne daß ich es ihr sagen mußte, kuppelte Susanna die Schraube aus.

  »Du hast so etwas schon früher gemacht«, sagte ich und stieg ins Cockpit, während sie das Großsegel festlaschte, um den Wind voll ausnutzen zu können.

  Plötzlich erlosch ihr Lächeln. »Es war nicht dasselbe«, sagte sie ruhig, und ich wußte, daß sie nicht von dem ungewöhnlichen Boot sprach. »Hast du nicht etwas von Whisky an Bord gesagt?«

  Ich übernahm die Pinne von ihr. »Wandschrank auf der Steuerbordseite. Für mich Scotch und Ginger. Einen großen.« Sie stieg die steile Treppe hinab in die Kabine und blinzelte mir dabei unerwartet zu.

  Die Easy Lady glitt die Flußmündung hinab, und die Pumpe, die den Luftdruck im Doppelschalenrumpf aufrechterhielt, surrte leise. Wir fuhren jetzt schnell – sehr schnell –, doch nicht ganz so schnell, wie ich gehofft hatte. Ich trimmte die Segel, fragte mich,

  ob ich den Spinnacker setzen sollte, entschied dann jedoch, daß es bei einer Jungfernfahrt zu riskant sei.

  Ich erkannte, daß das Problem in dem begrenzenden Faktor der Rumpfform liegen mußte. Ganz gleich, wie glatt das Boot sich durch das Wasser bewegte, es mußte immer sein eigenes Volumen an Wasser verdrängen. Bei einer Verdrängungsbauwei-se, wie sie die Easy Lady aufwies, gibt es eine Maximalgeschwin-digkeit, die nicht überschritten werden kann; das hatte ich vorher gewußt – doch dieses Maximum war etwas geringer, als ich gehofft hatte. Von diesem Problem gefangen, begannen meine Gedanken in die Zukunft zu wandern.

  Das nächste Boot mußte ein Katamaran werden.

  Die Zwillingsrümpfe eines Katamarans können lang und schmal ausgelegt sein und dadurch das Verdrängungsproblem beseitigen, ohne die Stabilität zu verringern. Die Pumpe würde sich in einer in der Mitte befindlichen Kabine befinden, und die Luft konnte durch biegsame Schläuche zu den beiden Rümpfen ge-führt werden. Einen Doppelschalenrumpf brauchte man nicht –

  was wieder Gewicht einsparen würde –, wenn die beiden Rümpfe luftdicht abgeschlossen waren; bis auf die zigtausende winziger Löcher unterhalb der Wasserlinie natürlich.

  Verdammt, das war ganz einfach! So ein Ding konnte ich innerhalb weniger Wochen bauen.

  Susanna kam mit den Drinks zurück.

  Ich warf einen Blick achteraus. Wir liefen dem Kamera-Boot davon. Ich sah, daß Barker eine seiner schinkengroßen Fäuste hob und dem Rudergänger ein Zeichen gab. Sein Boot schwang in weitem Bogen auf Gegenkurs und tuckerte in Richtung Riverside flußaufwärts. Die Filmerei war fürs erste abgeschlossen. Sie würden auf unsere Rückkehr warten, um weitere Aufnahmen zu machen, doch bis dahin konnten wir uns der viel wichtigeren Aufgabe zuwenden, das Verhalten des Bootes zu testen.

 

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