Michael Coney - Brontomek!.doc, page 20
Streng sprach in die Kamera: »… überhaupt kein Problem; nur ein kleines Geschwür am Bein. Ich werde mich morgen darum kümmern, denke ich. Und dieser verdammte Schwanenhals –
aber was kann man schon erwarten bei einem rasch zusammengeschusterten Boot und einem unerfahrenen Bootsbauer…«
Barker legte seine Riesenpranke auf meinen Arm. »Schön ruhig bleiben, Kev. Jede Publicity ist gute Publicity – und jeder Mensch weiß, daß Segler bei einer langen Reise immer über ihr Boot meckern.«
»… ein paar Schwarzfische«, fuhr Streng mit seiner widerwärtig kultivierten Stimme fort. »Aber um die brauche ich mir keine Sorgen zu machen, es sei denn, das Boot bricht unter mir in Stücke. Und ein paar Probleme mit der Mast-Kamera. Ich hoffe, sie funktioniert jetzt, denn das Bild müßte einmalig sein.« Er blickte auf. Ich sah zum anderen Alkoven hinüber, sah sein aufwärts gerichtetes Gesicht. Und auch die Rückenflossen von ein paar Schwarzfischen, die etwas seitlich vom Heck des Backbord-Schwimmers dem Boot folgten. Für einen kurzen Augenblick wünschte ich, der alte Bastard würde über Bord fallen, als ich den Ozean um das Pendel des Mastes wogen sah.
Die Katze lief durch das Bild, über das Kabinendach, und sprang mit einem eleganten Satz in die Kabine. Sie sah immer noch sehr wie eine Siamkatze aus. Ich fragte mich, ob Streng die Mitteilung gelesen hatte, oder ob sein Stolz es nicht zuließ, die Bibel zu öffnen.
Wir saßen im Studio, und Streng redete immer weiter in die Kamera, und die Freude, auf See zu sein, fort von der unwissen-den, lästigen, aufdringlichen Menschheit, schien alle Spuren von Streß, die wir vorher an ihm gesehen hatten, verloren zu haben.
»Einer der interessantesten Punkte, an den niemand gedacht hat«, sagte Barker, während Streng eine Bierdose öffnete und dem Sektor berichtete, was er zum Lunch gegessen hatte, »ist, daß mindestens die Hälfte der Zuschauer hofft, daß er es nicht schaffen wird. Verdammt, wir alle müssen zugeben, daß seine Persönlichkeit sehr widersprüchlich ist. Aber das ist gut so. Die Einschaltquoten in diesem Teil der Galaxis sind höher als jemals zuvor, habe ich mir sagen lassen.«
»Für diesen Scheiß?« fragte ich säuerlich und sah zu, wie Streng einen Schlußknoten demonstrierte.
Später trafen die Swindons ein, mit ein paar Flaschen, die sie aus dem Social Club besorgt hatten, und wir bereiteten uns auf eine lange Nacht vor. Es herrschte eine Art Belagerungsstim-mung. Obwohl niemand ein Wort darüber verlor, dachten wir wohl alle an die Möglichkeit, daß die ›Nachkommen der Pioniere‹
allen Versicherungen zum Trotz, beschließen könnten, das Studio zu stürmen und damit den einzigen positiven Beitrag Riversides für den Planeten zunichte zu machen.
»Zur Zeit ist es ziemlich ruhig«, sagte Jane, als sie unsere Glä-
ser mit Scotch füllte. »Sie sind alle im Club und überlegen, was sie als Lösegeld verlangen sollen.«
»Angenommen, die Organisation entscheidet, daß sie auf Gant und die paar Soldaten leicht verzichten kann«, sagte Susanna nachdenklich. »Ich meine, man könnte es ihnen nicht einmal verübeln…«
Es wurde dunkel draußen; die Gespräche versiegten. Susanna und ich saßen auf Kissen, den Rücken gegen die Wand gelehnt, Mark und Jane auf Faltstühlen. Die Techniker machten Schluß und gingen, und Barker brachte einen weiteren Armvoll Flaschen.
Schließlich war es Mitternacht nach Strengs Uhrzeit. Das Bild
im linken 3-V-Alkoven war friedlich: Streng machte bei einem Glas Gin die Tageseintragung in das Logbuch. Von Zeit zu Zeit las er den Zuschauern ihm interessant scheinende Details vor, und Barker gab ein paar Kommentare dazu für die Zuschauer, die die Sendung nicht ganz verfolgt hatten.
Dann klappte Streng das Logbuch zu.
Barker legte einen Schalter um, und die Übertragung zu den Sternen war für diesen Tag vorbei.
Streng trat auf die Kamera zu. Das Licht aus der Kabine war hinter ihm und sein Gesicht befand sich im Schatten, doch ich sah, daß er wütend war.
»Okay, ihr gottverdammten Bastarde«, sagte er giftig. »Ich habe zufällig heute die Bibel aufgeschlagen, Barker – hast du es gesehen, Barker? Oder hast du auf deinem fetten Arsch im Club gesessen und gesoffen, wie üblich?«
Barker sagte zu uns: »Wir brauchen uns das nicht anzuhören.
Wir können gehen und ihn weitergeifern lassen – oder noch besser: ihn ausschalten. Aber mich fasziniert es irgendwie. Man wundert sich, was für einen Mist er als nächstes ausheckt.
Natürlich kommt Streng nicht auf den Gedanken, daß wir nicht zuhören könnten. Jeder hört Streng zu.«
Also hörten wir Streng zu.
»… hätte das ganze beschissene Projekt hochgehen lassen können. Die Katze hätte vor den Zuschauern des ganzen gottverdammten Sektors sich verwandeln können, und Hetherington als das bloßstellen, was er ist: Ein gottverdammter Schwindler.
Glücklicherweise ist es noch immer eine Katze – glücklicherweise für dich. Aber bald wird es eine tote Katze sein. Die Schwarzfische sind hungrig, Barker, also werde ich ihnen morgen einen schmackhaften Happen zuwerfen. Und morgen werde ich vor der Kamera ein trauriges Seemannsgarn spinnen, von dem tragi-schen Verlust meiner lieben, verpißten Melissa. Aber vielleicht fange ich mitten drin an zu lachen.«
Susanna richtete sich ein wenig auf. »Das wird er doch nicht tun, oder?« sagte sie leise. Von draußen hörte ich lautes, erreg-
tes Rufen.
»… aber das soll euch nicht von all den anderen Problemen ablenken. Nummer eins: Das Boot leckt wie ein Sieb. Gestern habe ich zwanzig Gallonen aus dem Steuerbord-Bootskörper geschöpft, während der Nacht, als unsere Kunden nicht zusahen.
Aber ich kann dich nicht für immer abschirmen, Moncrieff, ich brauche meinen Schlaf. Vielleicht schöpfe ich morgen bei Tage aus, wenn der ganze Sektor zusieht und dich als das erkennt, was du bist: Ein habgieriger Gauner, der sich auf Kosten von neunzig Prozent der Bevölkerung Arkadias gesund gestoßen hat.
Und zu dir habe ich noch mehr zu sagen, Barker, du alte, fette Sau…«
Susanna umarmte mich. »Mach dir nichts draus, Kev«, sagte sie leise. »Streng hat Angst und schlägt um sich. Er hat sich zu viel zugemutet. Das Boot ist völlig in Ordnung.«
Ich kann mich nicht mehr erinnern, was ich darauf geantwortet habe. Ich nehme an, ich habe irgend etwas gemurmelt, beschämt über meine unbeherrschte Wut, als die Tür aufgestoßen wurde und helles Licht auf die düstere Szene fiel.
Die unverwechselbare Gestalt Kli a’Pos stand dort, eine scharfe Silhouette in dem hellen Rechteck. Um ihn herum wimmelten mehrere Miniaturausgaben von ihm.
»Ich denke, ihr solltet alle mitkommen«, sagte er. »Ein ganzer Mob von Leuten ist unterwegs, um mein Haus niederzubrennen, das sie jetzt die Landwirtschaftliche Forschungsstation nennen.
Es hat den Anschein, als ob die Organisation die Bedingungen der ›Nachkommen der Pioniere‹ für die Freilassung der Gefangenen zurückgewiesen hätte – bitte kommt!«
Seine Erregung war selbst für das menschliche Auge erkennbar. Und da ist etwas Seltsames um Kli a’Po, das ich bemerkt habe: Ich glaube, daß er einen Abwehrmechanismus besitzt, von dem niemand etwas weiß. Je mehr er sich erregt, desto mehr kleine Repliken scheint er um sich zu haben – als ob er so das Überleben seiner Art sichern wollte.
Wir liefen aus dem Studio und in das Clubhaus. Es war nur ein
einziger Mensch dort, John Talbot, der Steward, und er sah uns unglücklich an, als wir an ihm vorbeiliefen. John legt sich niemals für oder gegen etwas fest; sein Job hängt davon ab.
Dann traten wir auf die Straße hinaus, und dort sahen wir den Mob.
13. KAPITEL
Es kam zu einer kleinen Auseinandersetzung mit den Frauen, denen die Vorstellung zu gefallen schien, sich der Gefahr auszu-setzen.
»Was ist? Willst du mir etwa sagen, daß ich nicht in der Lage bin, auf mich aufzupassen?« sagte Susanna erregt. »Verdammt, Moncrieff, ich bin zwei Monate lang mit dir herumgezogen, ohne daß mir etwas passiert ist. Was sollte ich also von einem johlen-den Mob befürchten?«
Sie blickte sehnsüchtig den Hügel hinab, wo die Kuppeln der Wohneinheit das Licht von Dutzenden flammender Fackeln re-flektierten. Riverside bot in diesem Augenblick das Bild einer Vampirjagd in Transsylvanien.
»Die Szene trägt den Stempel der ›Freunde der Freiheit‹«, bemerkte Jane. »Erinnerst du dich an die Puppe bei der Regatta?
Dies könnte einen Spaß geben, Mark.«
Plötzlich erhob sich lautes Gebrüll aus der Menge, die Fackeln bewegten sich hangabwärts, und der Zug zur Blackstone Farm begann.
Kli sagte: »Ich gehe nicht mit. Ich habe das Gefühl, daß mein Anblick sie noch weiter anstacheln würde. Es tut mir leid um das Farmhaus – die Organisation hätte es mir doch in fünf Jahren wieder zurückgegeben, doch die Kolonisten machen das jetzt unmöglich. Ihr Menschen handelt nach überaus seltsamen Wert-vorstellungen.«
»Jane und ich werden bei dir bleiben«, sagte Susanna, die eine Möglichkeit erkannte, sich wieder mit mir gutzustellen.
Mark Swindon und ich liefen die Straße hinab, um den Mob ein-zuholen. Ich weiß nicht, was wir vorhatten; es war uns klar, daß wir nichts tun konnten. Ein Mob, der von Chill Kaa und Tom Minty angeführt wurde, würde Opposition nicht gerade freundlich behandeln.
Als wir die Nachzügler des Mobs einholten, drängte sich seine Hauptmacht schon über die Brücke, und die Fackeln warfen eine
unheimliche Beleuchtung auf das dunkle Wasser. Ich überholte eine kleine, grimmig ausschreitende Gestalt und erkannte Mrs.
Earnshaw.
»Was wollt ihr eigentlich damit erreichen?« fragte ich. Ich glaube, daß es die Haltung Kli a’Pos war, die mir zu Bewußtsein gebracht hatte, daß immer jemand darunter leidet, wenn ein Mob sich gewalttätigem Vergnügen hingibt. Und genau das war es, was diese Menge suchte: Vergnügen. Sie waren wie Kinder, die eine Chance zu Jux und Tollerei sahen, wenn die Eltern nicht zu Hause sind.
»Wir wollen der Organisation demonstrieren, daß wir von Riverside uns keine weitere Einmischung in unsere Angelegenheiten mehr bieten lassen«, sagte die alte Frau außer Atem.
»Selbst du solltest einsehen, daß das verdammt unsinnig ist«, sagte Mark giftig.
»Ich kann nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, wo-zu die Organisation diese Menschen provoziert hat.«
»Mit anderen Worten: Du hast diese Sache nicht angezettelt?«
»Mein Gott, Professor Swindson, sehe ich so aus, als ob ich hier etwas zu sagen hätte?« Mrs. Earnshaw wandte uns ihr Gesicht zu und blickte uns an, und zu meiner Überraschung sah ich das Glänzen von Tränen in den Augen der alten Frau. Die Spitzen-gruppe des Mobs begann jetzt, den Hügel emporzusteigen.
»Erinnert ihr euch an den Relais-Effekt?« sagte Mark ruhig.
»Das liegt jetzt über zwei Jahre zurück – aber die Menschen lernen nicht dazu. Input in einen Mob zu geben, ist etwas ganz anderes, als dieselben Informationen einer Anzahl von Individuen zu geben. Zum einen wird ein Mob niemals die Widersprüchlich-keiten zurückweisen, und er hat auch nicht die Fähigkeit, Konsequenzen vorauszusehen. Es ist eine seltsame Sache, aber wenn Menschen zusammenkommen, nimmt ihre Fähigkeit zu rationa-lem Denken in Proportionen zu der Anzahl der sich vereinigen-den Menschen ab. Ein Mob wie dieser könnte mit einem durchschnittlich intelligenten Gorilla verglichen werden.«
»Verschone mich damit«, sagte Mrs. Earnshaw. »Sage mir lie-
ber, was wir tun sollen.«
»Wer ist der Anführer?«
»Wem, zum Teufel, kommt schon die Idee mit den Fackeln, wenn wir Fahrzeuge mit Scheinwerfern haben – und jede Menge Taschenlampen? Wer kann laut genug schreien, um einen Mob zu einer so blödsinnigen Sache aufzuhetzen – und jede Chance für einen Handel mit der Organisation zu zerstören, wie? Mr.
Chill Arschloch Kaa, wer denn sonst? Hör zu, Professor Swindon!
Es war idiotisch von mir, die Leute von der Organisation gefan-genzunehmen – das sehe ich jetzt ein. Aber damals, als sie uns mit ihren Gewehren bedrohten, habe ich einfach rot gesehen.
Und jetzt ist mir die Sache aus der Hand geglitten.«
Wir blieben stehen, und die alte Frau rang nach Luft. Mark sagte: »Ich bringe dich zurück. Du bringst dich um, wenn du versuchst, mit diesen Leuten Schritt zu halten.«
Er blickte mich fragend an.
»Ich mache weiter. Ich will sehen, wie es ausgeht.«
Als ich die Hauptgruppe des Mob einholte, hatten ihre Anführer bereits die Farm erreicht. Die rechteckigen Formen der Gebäude flammten in hellem Rot vor dem Dunkel der Bäume hinter ihnen, und die ersten Feuerzungen leckten um die Dachsparren. Das Farmhaus war aus Balken und Planken errichtet worden, das Dach mit alten Schindeln gedeckt. Das Feuer fraß sich rasch weiter.
Ich holte Will Jackson ein. Der alte Mann blickte unter seiner Hutkrempe zu mir auf. »Du hast doch nicht etwa vor, uns aufzu-halten?« fragte er giftig. Seine Blicke wurden von den Flammen so unwiderstehlich angezogen wie sonst von jungen Mädchen.
Es war dunkel auf dem unebenen, von Gebüsch eingefaßten Weg. Alle starrten zu den Flammen hinüber, während sie vorwärtshasteten. Der Mob hatte jetzt eine Front gebildet, und ich sah eine lange Reihe von Menschen vor dem brennenden Haus; sie liefen erregt hin und her und warfen lodernde Fackeln.
In dieser unwirklichen Umgebung, die fast urtümlich war, kam
mir der Gedanke: Ich könnte dich jetzt töten, Will Jackson, und niemand würde es jemals erfahren, und Riverside wäre sauberer…
Statt dessen sagte ich: »Leck mich im Arsch!«
»Du mich auch«, antwortete er.
Jetzt schlugen helle Flammen aus dem Dach, und kleinere aus dem unteren Teil der Hauswände. Auf der linken Seite leckten Feuerzungen streichelnd über das Heu, das in einer offenen Scheune aufgestapelt war. Von Zeit zu Zeit erkannte ich Leute, die dort hin und her hetzten, um sicherzugehen, daß auch nicht der kleinste Rest der Landwirtschaftlichen Forschungsstation üb-rigblieb, der die Freiheit Riversides beleidigen konnte. Ich sah Kaa und Thrale, Minty und Yong, Jackson und Blake.
Ich sah die ›Nachkommen der Pioniere‹…
Ich sah, wie sie lachend und johlend die Gebäude in Flammen aufgehen ließen, die sie – vor zwei Monaten noch – als historische Bauwerke verehrt hatten.
Das Dach war jetzt ein loderndes Flammenmeer, ich hörte Knistern und Brechen, als der Firstbalken langsam einknickte und der ganze Dachstuhl in die Flammen stürzte. Die Zuschauer jubelten. Es herrschte Feiertagsstimmung, doch ich genoß diesmal die Szene der Zerstörung nicht. In meinen Ohren ähnelte das Jubeln zu sehr dem Niederbrüllen; der simple Spaß, ein schönes Feuer zu beobachten, wurde von dem unangenehmen Beige-schmack des Triumphs verdorben.
Ein Ton schriller Hysterie klang in dem Jubelgeschrei mit.
Die Vorderwand des Hauses begann in unsere Richtung zu stürzen. Die ganze Hausfront senkte sich wie eine flammende Zugbrücke, krachte schließlich in einem Funkenschauer zu Boden und legte das Inferno im Inneren des Hauses frei. Die Menge schrie frenetisch, und mein Widerwille gegen die ganze Angelegenheit wurde zu ausgesprochenem Ekel. Dies war doch nur ein armseliges, lebloses Haus. Nur ein Idiot konnte durch den Sym-bolismus der Eignerschaft erregt werden. Es hatte kaum irgendeinen Wert für die Organisation; der einzige, der leiden würde,
war Kli a’Po.
Eine Frau kreischte in mein Ohr, und ich wandte irritiert den Kopf.
Aber sie blickte nicht in die Flammen. Sie starrte in die andere Richtung; auch andere Köpfe wandten sich um. Ihr Kreischen war kein Jubelschrei, es war Angst. Andere begannen ebenfalls zu schreien, stürzten nach allen Richtungen davon, liefen über das offene Feld, suchten Deckung zwischen den Bäumen des Waldes.
Hundert Meter entfernt, die Sensoren prüfend auf die Flammen gerichtet, hockte die riesige Form des wahnsinnigen Brontomek.
Spielerisch schickte er einen dünnen Lichtstrahl in den Holo-caust, doch die Wirkung war kaum erkennbar. Die Maschine schien nachzudenken. Obwohl die Wärmequelle attraktiv war, registrierte sie sie nicht als Beute.
Doch da waren noch andere, kleinere Wärmequellen in der Gegend, die zunehmend deutlicher registrierten, als sie sich von der Hauptwärmequelle entfernten. Sie bewegten sich über die Felder, eilten zwischen den Bäumen dahin.
Als ich in Deckung zu laufen begann, richtete der Brontomek seine Laser auf die fliehenden Menschen.
Streng hatte recht wegen des Selbsterhaltungstriebes. Ich wußte nicht, was mit den anderen passierte, und es war mir auch egal. Ich möchte gerne glauben, daß es anders hätte sein können, wenn Susanna dabei gewesen wäre, doch dieser Gedanke tröstet mich nicht. Wir befanden uns auf dem Gipfelpunkt unserer Liebe, und deshalb hätte ich ihr Leben über das meine gestellt: Streng würde sagen, weil ich Kinder aus unserer Verbindung voraussah und der Sekundärinstinkt vorübergehend den Primärinstinkt überlagerte. In einem Jahr wäre ich ebenfalls bereit gewesen, mein Leben für das ihre zu opfern. Aber in fünf Jahren – in zehn…? Dreißig…? Wie lange muß man eine Frau kennen, bevor man sie sterben läßt? Das ist eine Frage, über die ein Mann nicht gerne nachdenkt.
Susanna war nicht bei mir. Wir wollen Gott dafür danken und
es dabei belassen.
Also kroch ich den Abhang hinauf, kämpfte mich durch dichtes Gestrüpp und hörte das Schreien hinter mir. Und einmal sah ich, wie ein scharfer Lichtstrahl den nächtlichen Nebel verdampfen ließ und knisternd dicht neben mir in das Gezweig fuhr. Dann war ich über die Hügelkuppe hinweg und stolperte keuchend den jenseitigen Hang hinab auf das Ufer zu. Und hinter mir glaubte ich das Stürzen von Bäumen zu hören.
Es war Ebbe. Ich watete durch den Schlick, schwamm über den schmalen Wasserarm, watete wieder durch Dreck und kletterte auf den Kai.
Ich schaffte es bis zum Visiphon in meinem Wohnzimmer und rief Barker an.
»Sage Susanna, daß ich heil zurück bin«, sagte ich.
Dann fiel ich in einen Sessel. Wenig später umschlossen mich weiche Arme, halfen mir aus der triefenden Kleidung, führten mich zu einem heißen Bad.
Zwölf Menschen starben bei dem Blutbad auf der Blackstone Farm, und wir hatten Glück, daß es nicht viermal so viele waren.

