Michael coney brontome.., p.3

Michael Coney - Brontomek!.doc, page 3

 

Michael Coney - Brontomek!.doc
Select Voice:
Brian (uk)
Emma (uk)  
Amy (uk)
Eric (us)
Ivy (us)
Joey (us)
Salli (us)  
Justin (us)
Jennifer (us)  
Kimberly (us)  
Kendra (us)
Russell (au)
Nicole (au)



Larger Font   Reset Font Size   Smaller Font  
Ein Kanonenschuß dröhnte, und das erste Rennen war gestar-tet.

  Sechs Skitterbugs rasten auf ihren Luftkissen reitend über das Wasser. Bei der Biegung des Flusses fuhren fünf von ihnen einen weiten Bogen und folgten der Fahrrinne, die hier unter überhängenden Bäumen verlief – während der sechste die Ecke schnitt und ein Stück über feuchten Schlamm raste, den die auslaufende Flut hier bloßgelegt hatte. Eine ockerfarbene Schlammwolke wirbelte auf. Als die anderen fünf Skitterbugs die Flußbiegung umrundet hatten und hinter dem Ufer außer Sicht kamen, war es klar, daß das sechste Fahrzeug einen leichten Vorsprung gewonnen hatte.

  Jemand berührte meinen Arm. Dr. Ralph Streng stand neben mir.

  Streng gehört zu der Sorte von Männern, die jede Gruppe dominieren, der Sorte von Männern, die von anderen nicht unterbrochen werden. Er ist mittelgroß und kräftig, hat ein wetterge-gerbtes Gesicht und eine dichte, silbergraue Mähne. Er ist ein sehr eindrucksvoller und fast furchteinflößender Mann, der Typ, der Vorsitzender von Komitees wird. Eine Frau – nicht die Ehefrau – hing an seinem Arm. Er ignorierte sie und blickte mich mit seinen scharfen, blauen Augen prüfend an.

  »Hast du gesehen, wie der junge Blake die Kurve geschnitten hat?«

  »Ja. Das ist für eine kurze Strecke ziemlich gefahrlos«, antwortete ich. »Unter dem Boot ist noch genügend überhitzter Dampf gestaut, um es bei dieser Geschwindigkeit zehn Meter weit zu tragen. Also kann es auf seiner Dampfreserve über den Schlamm reiten und füllt wieder auf, sobald es wieder Wasser unter sich hat. Natürlich saugen die Düsen eine gewisse Menge Schlamm ein, aber der sollte rasch hinausgeschwemmt werden, sobald das

  Boot wieder über Wasser ist.«

  »Also empfiehlst du, die Kurve zu schneiden?«

  Streng hatte mich in der Falle. Er war für das nächste Rennen aufgestellt.

  »Empfehlen… naja. Es gibt natürlich gewisse Risiken… Du mußt schon die nötige Geschwindigkeit haben…«

  »Zum Teufel, Moncrieff. Warum blöken die Menschen ständig über Gefahren? Ich würde kein Rennen fahren, wenn es nicht gefährlich wäre.«

  Kurz darauf kamen die Skitterbugs zurück und rasten auf die Ziellinie zu; das rot-weiße Boot von Paul Blake hatte einen er-heblichen Vorsprung. Er schnitt wieder die Kurve über das schlammige Ufer und durchfuhr die Ziellinie mehrere Sekunden vor einem Verfolger. Er fuhr einen weiten Bogen vor dem Kai und machte sein Skitterbug an einem Floß fest. Eine Gruppe junger Mädchen stießen schrille Begeisterungsschreie aus. Er kletterte heraus und ging zur Plattform, sein Gesicht war klatschnaß von der Gischt. Sein Vater trat auf ihn zu und gratulierte ihm; der Zwischenfall mit dem Kabel war vorläufig vergessen.

  Ich sah, daß Jane Swindon neben mir stand. »Amüsierst du dich?« fragte ich.

  »Nicht sehr…« Sie blickte zu Paul Blake hinüber. Er hatte seinen Helm abgenommen und sprach mit einem Mädchen. Sein Vater unterhielt sich mit Kli a’Po, dem Nicht-Menschen unserer Kolonie, über das Rennen. Ich habe mich inzwischen an den Anblick von Kli gewöhnt, doch als ich in Riverside eingetroffen war, fand ich ihn mehr als beunruhigend. Komischerweise störte mich an ihm am meisten, daß er Kleidung trug. Wenn er nackt gewesen wäre, hätte ich ihn leichter akzeptieren können, so wie man einen Affen oder ein Worral akzeptiert. Doch der Anblick von Textilien über seiner Reptilhaut rief den Eindruck einer Maskera-de hervor, des Verkehrten, wie eine Schimpansen-Tea-Party. Ich konnte ihn einfach nicht ernst nehmen. Und ich erkannte, was für eine völlig natürliche Angelegenheit die Rassenvorurteile wa-

  ren, die in den schlechten alten Zeiten auf der Erde geherrscht hatten. Gesellschaftsfeindlich, unerträglich nach jedem ethischen Kodex – doch völlig natürlich.

  »Die Regatta scheint dich nicht sehr zu beeindrucken«, sagte ich zu Jane.

  Sie blickte auf die Skitterbugs, die inzwischen am Floß festgemacht waren, die Teilnehmer des nächsten Rennens machten ihre Fahrzeuge startklar. Streng saß ruhig im Cockpit seines grünen Bug, und seine silberne Mähne wehte in der Brise. »Vielleicht werde ich alt«, sagte die hübsche, dunkelhaarige Frau neben mir leise.

  »Oder vielleicht hat mich Morts Show mit den blonden Engeln verschreckt. Aber ich frage mich, welchen Sinn das Ganze hat.

  Diese Männer versuchen, alle anderen zu schlagen, deshalb sitzen sie ausschließlich in ihren Booten. Aber warum sind wir hier und sehen ihnen dabei zu?«

  »Weil es aufregend ist, mein Gott!«

  »Nur weil die Möglichkeit besteht, daß einer dabei umkommt.

  Deshalb sind neunzig Prozent dieser Menschen hier.«

  »Es ist eine Show, das ist alles. Genau wie die Volkstänze.«

  Ich deutete auf eine mit Seilen abgetrennte Fläche zwischen dem Kai und dem Lagerhaus der Fischer, wo die ›Nachkommen der Pioniere‹ hartnäckig mit stampfenden Füßen und flatternden Taschentüchern zum Klang von Vernon Thaies Fiedel herumhüpften.

  »Denen sieht keiner zu«, bemerkte Jane, immer noch mit ge-dämpfter Stimme.

  Die Plattform erhob sich etwa zwei Meter über den Kai; links und rechts von uns hörte man das erregte Murmeln der Menge.

  Hinter dem Lagerhaus und hinter uns stieg die Straße den steilen Hang eines Hügels hinauf und führte zwischen kuppelförmigen Wohneinheiten zu den rechteckigen Gebäuden des Social Clubs und Mark Swindons Meeres-Forschungsstation vor dem mit dich-tem Wald bestandenen Horizont. Die gesamte Bevölkerung der

  Kolonie – zur Zeit etwa sechshundert – und eine gleich große Zahl von Besuchern warteten gespannt auf den Beginn des zweiten Rennens.

  Ich hoffte nicht, weil sie wollten, daß jemand stürbe.

  »Ich denke, sie haben ihr Vergnügen, weil sie sich mit den Konkurrenten identifizieren, Jane.«

  »Spürst du denn nicht auch einen Hauch von Verzweiflung? Als ob die Menschen dächten: Alles ist faul an dieser Welt, also ist alles egal. Kommen dir die Rennen nicht auch… härter vor als sonst? Sei ehrlich, Kev!«

  »Nur bei Paul. Er ist eben ein bißchen wild.«

  »Er will unbedingt siegen. Genau wie Ralph Streng…«

  Ich blickte auf, als der Kanonenschuß dröhnte und grauer Qualm aus dem Rohr drang und die nächste Gruppe von Konkurrenten in einer Wolke von Gischt und kondensierendem Dampf die Flußmündung entlangraste…

  2. KAPITEL

  Etwas abseits von allen anderen, auf dem hinteren Teil des Kais, wo Gras und Unkraut einer dichten Vegetation wichen, stand ein Fremder. Er sah nicht wie ein Tourist aus. Er trug einen dunklen Regenmantel, und obwohl ein Fernglas um seinen Hals hing, hielt er beide Hände seit dem Zeitpunkt, als ich ihn bemerkt hatte, in den Taschen. Er hatte ein scharfes Profil; die Wangen waren leicht eingesunken, die Nase vorspringend und gekrümmt wie ein Raubvogelschnabel, das Haar dünn und weiß.

  Er wirkte wie ein kahlköpfiger Adler, dem man gesagt hatte, er müsse eine Abmagerungsdiät einhalten. Ich schätzte ihn auf ungefähr fünfundvierzig Jahre.

  Es war eine plötzliche Bewegung, durch die ich auf ihn aufmerksam wurde. Als die Skitterbugs an ihm vorbeirasten, hob er sein Fernglas vor die Augen und verfolgte die Boote, bis sie jenseits der Flußbiegung verschwanden. Daran war nichts Besonderes: Dutzende anderer Menschen taten das gleiche. Es war die gespannte Konzentration dieses Mannes, die mir auffiel, eine Konzentration, wie sie der Raubvogel zeigt, dem er ähnelte.

  Das übliche Gemurmel klang auf, als die Boote hinter der Fluß-

  biegung verschwunden waren.

  »Streng hat nicht die Abkürzung über das Ufer genommen«, sagte Mark Swindon.

  »Er wird es tun, wenn es sich als notwendig erweisen sollte«, erwiderte Jane.

  Etwas später kamen die Boote zurück, Streng in Führung, und wieder kürzte er nicht ab, sondern fuhr die Kurve aus und erreichte die Ziellinie mit einem guten Vorsprung.

  So gingen die Rennen weiter, und ich fühlte, wie die Spannung der Zuschauer sich steigerte, bis alle Ausscheidungsrennen gelaufen waren und der Endlauf der Sieger unmittelbar bevorstand.

  Ich sah, daß die Nachrichtenleute ihre Aphrohales auspackten und die Kameras einschalteten; und, wie ein kleines Kind, zog ich meinen Miniaturempfänger aus der Tasche und sah mich selbst, wie ich auf den kleinen Bildschirm blickte, um mich her-

  um mehrere wichtig aussehende Männer.

  Ich fragte mich, ob die Leute von der Hetherington-

  Organisation die Sendung in Premier City verfolgten, und ob sie mich gesehen hatten. Ich fragte mich, ob sie mich wiedererken-nen würden, wenn ich ihnen morgen vorgestellt wurde. Ich fragte mich, warum ich mir so wichtig vorkam, nur weil ich mich auf dem winzigen Bildschirm gesehen hatte.

  »Der Entschluß, bei Trivialitäten erfolgreich zu sein, ist oft ein Hinweis auf eine Reihe von zurückliegenden Mißerfolgen, und zwar ernsthaften Mißerfolgen«, sagte jemand in didaktischem Tonfall. Ich wandte mich um und sah einen dunkelhaarigen jungen Mann, der mit einem ernsthaft wirkenden Mädchen sprach, das eine Brille trug. »Ich habe einmal ein Schild gesehen«, fuhr er fort. »Es trug die Inschrift: ›lm Brandfalle den Feuerlöscher aus seiner Halterung nehmen und umdrehen, den Strahl auf den unteren Teil der Flammen richten. Falls das Feuer zu groß ist, um es löschen zu können…‹ Der Rest war ausgestrichen, und jemand hatte dazugesetzt: ›Mußt du dir ein kleineres Feuer machen.‹«

  Das Mädchen lachte. »Ja, Phil. Und ich hätte sogar Angst, in diesen kleinen Bugs Rennen zu fahren.«

  »Das ist nicht wirklich gefährlich«, sagte der junge Mann.

  Sechs Skitterbugs hatten sich an der Startlinie aufgereiht. Ihre kleinen Hilfspumpen tuckerten leise und sorgten für eine ausreichende Wasserzufuhr, bis sie sich vorwärtsbewegten und der Ramm-Effekt einsetzte. Paul Blake war unter den Teilnehmern des Endlaufs, und Bill Yong. Al Sung trat an die Startlinie, winkte jemand zu. Streng saß ruhig und entspannt in seinem Bug und blickte auf die Mündung der Startkanone. Wahrscheinlich glaubte er, einen Sekundenbruchteil schneller starten zu können, wenn er auf das Mündungsfeuer reagierte anstatt auf den Knall. Chukalek, der Koch des Social Club, hatte es überraschenderweise geschafft, in den Endlauf zu kommen und saß jetzt nervös an den Hebeln fummelnd in seinem Boot. Alicia Desjardins, die letzte der Finalisten, saß mit gesenktem Kopf im Cockpit ihres Bug und schien die Instrumente zu überprüfen – aber vielleicht bete-

  te sie.

  Sie waren alle auf ihren Plätzen und bereit zum Start. Dies war normalerweise der Moment, wo der Trottel, der die Kanone be-diente, mal kurz verschwinden mußte, und er machte auch jetzt keine Ausnahme. Eine ganze Weile geschah nichts, dann wurde hastig konsultiert, Vorwürfe gemurmelt, und eine winzige Rauchfahne kräuselte sich aus dem Zündloch der Kanone.

  Der Schuß dröhnte.

  Die Skitterbugs hoben sich gleichzeitig aus dem Wasser und begannen vorwärts zu gleiten; Dampf und Gischt wirbelten am Bug und Heck der Boote. Nach weniger als zehn Metern erreichten sie volle Geschwindigkeit; die Piloten schalteten die Hilfsma-schinen ab und das Tuckern erstarb. In geisterhafter Stille rasten die kleinen Fahrzeuge über das Wasser.

  Paul Blake nahm wieder die Abkürzung über das verschlammte Ufer und hatte dadurch einen leichten Vorsprung, als die Bugs um die Flußbiegung verschwanden und eine Spur von parallelen Schaumstreifen auf dem dunklen Wasser zurückließen.

  Der Fremde mit dem Raubvogelkopf stand jetzt bei den Kame-ramännern und sprach mit ihnen; ich konnte nicht verstehen, was er sagte, doch ich sah sie nicken. Die Linsen der Kameras waren auf die Zuschauer gerichtet, wie forschende Augen, während wir auf das Wiedererscheinen der Boote warteten. Wetten wurden abgeschlossen. Mortimore Barker kam mit schweren Schritten vorbei, den Kopf gesenkt, und seine drei Kinns hingen über den Kragen.

  Ich hörte eine metallische Stimme sagen: »Blake liegt noch immer in Führung. Streng schließt auf. Jetzt haben sie Ankerteich passiert. Desjardins auf dem letzten Platz…« Irgend jemand hielt einen Transceiver in der Hand; irgendein anderer hatte sich wahrscheinlich oben auf dem Bergrücken postiert, von wo aus er den unteren Lauf der Flußmündung überblicken konnte.

  Die Rennstrecke war über fünfzehn Kilometer lang; die Boote fuhren eine Kehre um die Tonne, die zwischen den ins Meer vor-stoßenden Landzungen und kurz vor Mark Swindons Fischzuchtbecken lag. In etwa zehn Minuten würden sie zurück sein.

  Hinter mir hörte ich das endlose Gefiedel von Thrale, und die Pioniere stampften unermüdlich weiter, um den Massen die Kultur nahezubringen. Mrs. Earnshaw, die Barkers schamlose Ausbeutung des weiblichen Körpers vergessen zu haben schien, eilte an mir vorbei und holte den Veranstalter ein, bevor dieser die Kameras erreichte. Ich hörte sie auf ihn einreden, er solle dafür sorgen, daß die Kunstgewerbeausstellung der ›Nachkommen der Pioniere‹ im Social Club die verdiente Würdigung erfahre.

  Die Minuten tickten vorbei, und die Spannung steigerte sich immer mehr. Gespräche verstummten; wenn jemand auch nur ein Wort zu sagen wagte, wurde er sofort von seinen Nachbarn zum Schweigen gebracht, da alle auf die zurückkommenden Boote lauschten.

  Ein leises Knistern klang aus dem Empfänger. »Blake und Streng… Blake und Streng…«

  Ezra Blake stand in meiner Nähe; sein Gesicht war ausdruckslos. Jane Swindon nagte an ihrer Unterlippe; sie und ihr Mann starrten auf die Flußbiegung.

  Die Boote schossen in Sicht.

  Zwei von ihnen hatten einen klaren Vorsprung vor den vier anderen; Seite an Seite rasten sie unter den überhängenden Bäumen hindurch und wirbelten hohe Gischtwolken auf. Sie schienen direkt auf das verschlammte Uferstück am Innenrand der Biegung zuzuhalten. Die anderen Boote hingen dicht beieinander gut fünfzehn Meter zurück.

  Irgend jemand murmelte: »Ruhig bleiben… immer schön ruhig…«

  Lautes Stimmengewirr, ein Durcheinander von Kommentaren und anfeuernden Zurufen ertönte aus der Menge und steigerte sich zu einem immer lauter werdenden Gebrüll. Die Plattform schwankte, als die Menschen sich gegen Stützpfeiler und Reling drängten und sich aufgeregt vorbeugten, um die Boote nicht aus dem Blick zu verlieren.

  Die beiden Führungsboote schössen jetzt direkt auf das schlammige Ufer zu.

  Der Rest des Feldes war endgültig abgeschlagen. Niemand achtete auf die vier Boote. Alle Blicke konzentrierten sich auf die beiden winzigen, schnellen Maschinen, jede mit einem verwundbaren menschlichen Piloten, jeder Pilot fest entschlossen, das Rennen zu gewinnen…

  Die Menge schrie und johlte.

  Eine Frau neben mir stöhnte laut, ein Mann grunzte: »Oh, Gott…«

  Eins der führenden Boote auf dem Fluß schien ein wenig zu zö-

  gern. Das andere Boot ging in eine weite Kurve und schoß parallel zum schlammigen Uferteil über das Wasser. Das erste Boot raste über den Schlamm, schleuderte Wolken von schwarzer Gischt empor, bäumte sich auf, fiel in den Schlamm, überschlug sich und blieb liegen.

  Eine kleine Gestalt flog in hohem Bogen, mit Armen und Beinen rudernd, durch die Luft und landete mit leisem Platschen auf der uns zugewandten Seite der Schlammbank.

  Das zweite Boot umrundete die Schlammbank in einem schnellen, engen Bogen ohne mit der Geschwindigkeit herunterzugehen und raste über das ruhige Wasser auf uns zu und über die Ziellinie. Es gab keinen Jubel. Ein Mädchen neben mir begann zu weinen.

  Eins der folgenden Boote stoppte neben der Schlammbank, und ich sah, wie der Pilot sich herausbeugte und eine reglose Gestalt an Bord zog.

  Der Sieger schoß an der Plattform vorbei; das zweite, dritte und vierte Boot folgten ihm wenige Sekunden später. Das fünfte Boot lag weit zurück, doch dieses war es, das die Menge nun beobachtete. Weiter hinten lag das umgeschlagene Skitterbug auf der Schlammbank, hilflos wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte.

  Kurz darauf fuhr Alicia Desjardins langsam an das Floß heran, quer über den stumpfen Bug drapiert die reglose Gestalt von Paul Blake. Hände streckten sich aus, hoben ihn an Land, legten ihn auf den Kai. Als ich die kleine Gruppe erreichte, richtete

  Streng, der neben Paul Blake gekniet hatte, sich bereits wieder auf und wischte seine Hände an seinem dicken Sweater trocken.

  »Nichts passiert«, sagte er, »nur ein bißchen groggy, das ist alles.«

  Durch einen Wald von Beinen sah ich, wie Paul sich aufrichtete und verwirrt den Kopf schüttelte.

  Ezra Blake drängte sich zwischen den Umstehenden hindurch und packte Streng beim Arm.

  »Du Bastard!« brüllte er. »Du lausiger Bastard! Du hättest ihn umbringen können, weißt du das? Was für ein beschissener Arzt bist du eigentlich, wie?« Sein massiges Gesicht war bleich, seine dicken Lippen bebten.

  Streng löste die Hand von seinem Arm. »Ein guter Arzt, denke ich, falls dich das wirklich interessieren sollte«, sagte er ruhig mit seiner tiefen Stimme. »Und da es Tatsache ist, daß ich deinen Sohn nicht getötet habe, gewinnst du nichts durch diese idiotische Spekulation.«

  Es dauerte ein paar Sekunden, bis Ezra Blake wieder sprechen konnte. Seine fetten Fäuste zitterten vor seiner Brust, während er die Lippen bewegte, ohne daß er einen Ton herausbrachte.

  Vielleicht hätte einer von uns sich einmischen und ihn beruhigen oder Streng fortbringen sollen, doch niemand tat es. Ich denke, wir waren alle ein wenig überwältigt von dem Ausmaß seiner Wut.

  Schließlich sagte Ezra Blake: »Du… du hast gewußt, daß er ü-

  ber die Schlammbank fahren wollte, und du hast… bist vor seinem Bug vorbeigeschert!« Er starrte uns an; in seinen Augen standen Tränen der Wut – und vielleicht der Erlösung, daß Paul nicht verletzt war. »Du hast ihn gezwungen… die Geschwindigkeit zu drosseln, so daß…«

  Paul war jetzt auf den Beinen und trat mit unsicheren Schritten zu seinem Vater. Er nahm ihn beim Arm und sagte: »Komm, Dad! Vergessen wir die Sache, ja? Gehört alles zum Spiel.« Und dann, weil er, wie wir alle, auch nur ein Mensch war, setzte er hinzu: »Ich kaufe mir den Bastard beim nächsten Mal.«

  Sein Vater starrte ihn an und murmelte etwas vor sich hin.

  Streng sagte: »Du kannst es gerne versuchen, Paul.« Dann wandte er sich um und ging zu der kleinen Treppe, die auf die Plattform führte.

  Dort stand Mortimore Barker in seiner ganzen, immensen Grö-

  ße und mit finsterem Gesicht. »In all den Jahren, in denen ich das menschliche Tier in all seinen Verkleidungen erlebt habe, ist mir nur selten – falls überhaupt – eine derartige…«

  »Laß mich durch Mann, und spar dir deine Predigt für ein grö-

 

Add Fast Bookmark
Load Fast Bookmark
Turn Navi On
Turn Navi On
Turn Navi On
Scroll Up
Turn Navi On
Scroll
Turn Navi On
183