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Michael Coney - Brontomek!.doc, page 21

 

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  Als ich die Berichte dieser entsetzlichen Nacht zusammensetzte, stellte es sich heraus, daß der Brontomek unerklärlich ineffizient gewesen war. Wahrscheinlich verwirrt durch die Größe dieser davonlaufenden Objekte, die seine fehlerhaften Sensoren wohl als Feldratten identifizierten, begann er einen hektischen Overkill und verbrannte jedes Opfer zu Holzkohle, bevor er sich dem nächsten zuwandte…

  Während der nächsten Tage war die Kolonie in einer ziemlich reumütigen Stimmung, und Mrs. Earnshaw gewann ihre Macht-position zurück. Ihre erste Maßnahme bestand darin, den Status von Althea Gant und den anderen Gefangenen neu festzusetzen.

  »Ihr könnt euch von jetzt an innerhalb der Grenzen der Kolonie frei bewegen«, erklärte sie ihnen bei einem Treffen. »Aber denkt daran, daß wir eure Gewehre haben.«

  Althea Gant antwortete im Namen aller. »Danke. Es gibt hier

  einige Personen, für die ich Milde empfehlen werde, wenn die Organisation wieder die Macht übernimmt.«

  »Das reicht!« sagte Mrs. Earnshaw schneidend. »Wir wollen keine Milde von euch!« Sie brachte das Treffen rasch zu Ende.

  Während dieser heißen Sommertage, als der Monat Vau zu En-de ging und der Zayin anbrach, spekulierten wir oft über den nächsten Schritt der Organisation. Es gab eine ganze Reihe von Theorien, und die am weitesten verbreitete war, daß sie uns einfach aushungern würden.

  »Das wäre die billigste Methode«, meinte Jane Swindon.

  »Ich denke, sie werden warten, bis unsere Wachsamkeit nachläßt, und dann angreifen«, war Tom Mintys Überzeugung.

  »Unsinn!« sagte Mortimore Barker vernehmlich, in einer Hand das Glas Scotch, in der anderen eine Zigarre. »Sie hätten längst angegriffen, wenn sie das vorhätten. Sie können Riverside jederzeit stürmen – aber das wollen sie nicht. Jedenfalls nicht, solange diese Sendung läuft…«

  »Könnten sie nicht die Signale in Premier City empfangen und Riverside ganz ausklammern?« fragte jemand.

  »Nein. Das wäre zu kompliziert. Es sind drei Satelliten beteiligt

  – einer davon steht direkt über uns, die beiden anderen stehen in gleichen Abständen über Strengs Route. Sie strahlen die Signale zu unserem Satelliten, von dem wir sie empfangen. Jede Änderung würde Millionen kosten und die Abschaltung des Senders für eine gewisse Periode erforderlich machen. Der Sektor würde sich fragen, was auf Arkadia los ist. Nein. Das Studio ist eine bessere Geisel für uns als hundert Gefangene.«

  »Ihr müßt es einmal so sehen«, sagte Perce Walters – ein sehr vernünftiger Mann – der Kolonie. »Ihr seid von unseren Fängen abhängig, um überleben zu können. Wir haben sehr wenig Getreide, etwas Gemüse; wenn unsere Vorräte aufgebraucht sind, weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Es ist nicht sicher, auf das Farmland hinauszugehen, nicht, solange diese verdammte Maschine losgelassen ist. Also erhalten wir Fischer euch am Leben, und das wird eine ganze Weile der Fall sein, so wie es aus-

  sieht. Inzwischen aber fallen unsere Netze auseinander, unsere Boote sind leck, und wir müssen bei Moncrieffs Bootswerft den vollen Preis bezahlen – doch unser Einkommen ist dem nicht angemessen.«

  Chill Kaa mischte sich ein. »Das stimmt. Perce hat recht, und du brauchst das gar nicht so entschuldigend vorzubringen, Perce. Ich werde euch eins sagen, Leute: Entweder ihr zahlt unseren Preis, oder ihr kriegt keine Fische mehr!«

  Mrs. Earnshaw sagte: »Der Preis ist von uns allen gemeinsam festgesetzt worden.«

  »Dann werden wir eben jetzt gemeinsam einen anderen fest-setzen!«

  »Sei doch vernünftig, Chill«, sagte Mark Swindon. »Wir können den Preis nicht von einer Minute zur anderen ändern. Alle Preise und Löhne stehen in enger Relation zueinander. Jede Veränderung müßte vom Komitee besprochen werden.«

  Ein Murmeln erleichterter Zustimmung klang auf. »Wir werden dieser Frage Priorität geben«, sagte Tom Minty, ebenfalls Mitglied des Komitees.

  Aber Chill Kaa kochte vor Wut, und sein Mondgesicht war bleich. »Bildet ihr euch ein, diese Sache einfach auf die Seite schieben zu können? Jesus! Seit wann hat denn das Komitee in dieser Kolonie irgend etwas zu sagen? Hört mal zu, ihr Bastarde, wir werden jetzt sofort darüber abstimmen. Ihr wollt doch fressen, wie? Ja oder nein! Hebt eure gottverdammten Hände!«

  Als die Unruhe immer weiter anwuchs, trat Perce Walters vor Kaa. »Reg dich ab, Mann! Das ist nicht der richtige Weg. Du bist nicht der einzige Fischer hier, und ich denke, wir anderen werden uns alle dem Beschluß des Komitees fügen, wie?«

  Er blickte umher, sah zustimmendes Nicken.

  »Die ›Freunde der Freiheit‹ haben da auch ein Wort mitzure-den!« schrie Kaa.

  »Jetzt mach aber endlich einen Punkt, Kaa!« rief Perce, rot vor Wut. »Gegen wen kämpft ihr ›Freunde der Freiheit‹ eigentlich?

  Willst du sagen, daß ihr euch gegen eure eigenen Leute stellt?«

  »Ja, und du bist als erster dran, du lausiger Verräter!«

  Es gibt nur eine befriedigende Möglichkeit, einen solchen Streit zu beenden, und ich bin froh, daß Perce Walters ihn fand. Er knallte Kaa seine riesige Faust ins Gesicht. Als Kaa zu Boden stürzte – Blut rann aus seiner aufgeschlagenen Lippe –, beförderte Perce ihn mit ein paar Fußtritten von dem improvisierten Podium.

  Das schien den Streit zu beenden, doch die Nachwirkungen waren noch Wochen später zu spüren. Das ganze System des Tauschhandels geriet in die Schußlinie, mit dem voraussehbaren Ergebnis, daß niemand das Gefühl hatte, eine gerechte Entloh-nung für seine jeweiligen Dienste zu bekommen. Das System wäre sofort zusammengebrochen, doch wir hatten nichts, das wir an seine Stelle setzen konnten.

  Der Schaden war angerichtet worden und da die Organisation sich offenbar zurückgezogen hatte, besaß die Kolonie auch keinen Sündenbock mehr, dem sie ihre Probleme anlasten konnte.

  Der Schuß war nach hinten losgegangen. Wir traten in eine schwierige Periode der Unzufriedenheit und interner Querelen ein, während der sich unzählige Splittergruppen und Cliquen formierten und umbildeten, die das Komitee der Kolonie, die

  ›Nachkommen der Pioniere‹ und die ›Freunde der Freiheit‹ bei jeder sich bietenden Gelegenheit herausforderten.

  Währenddessen segelte Ralph Streng weiter um die Welt. Jetzt begannen auch die ersten Reaktionen aus dem Sektor hereinz ukommen, zweifellos von Newspocket redigiert, doch zeigten sie einen zunehmenden Enthusiasmus unter der Bevölkerung der anderen Planeten. Wir sahen Kinder, die Knöpfe mit dem Bild Ralph Strengs trugen, Modelle der Arkadian. Jeder Planet des Sektors mußte stundenlange Übertragungen von Strengs Abenteuer über sich ergehen lassen. Da Hetherington Eigentümer des gesamten Fernsehnetzes war, bestimmte er, was gesendet wurde.

  Mortimore Barker wurde jedoch von Tag zu Tag unruhiger.

  »Streng hat Schwierigkeiten«, sagte er uns eines Tages, als wir zusahen, wie der Segler eine Angelleine über das Heck hielt und kurz darauf einen kleinen Silberfisch einholte, den er in einen Eimer warf. »Er hält irgend etwas zurück. Er schreit nicht einmal mehr so wie früher.«

  Streng rollte die Angelleine auf. Er sah schlank und braunge-brannt aus. Die Sonne hatte sein graues Haar fast weiß gebleicht, und seine massigen Schultern waren magerer geworden. Er lächelte in die Heck-Kamera.

  »Also schleppe ich jetzt ein Netz«, sagte er, als ob er einen Monolog fortsetzte und nicht fast zwanzig Minuten lang ge-schwiegen hätte. »Sicherheitsmaßnahme für einen Unfall. Ein Einhandsegler kann nicht vorsichtig genug sein…« Das von der Kamera an der Mastspitze aufgenommene Bild zeigte deutlich das Netz, das zwischen den Hecks der beiden Bootskörper gespannt war. »Bis jetzt habe ich damit nur Fische gefangen«, fuhr er fort. »Aber eines Tages… wißt ihr, was dann ist? – Ich hole das gottverdammte Netz ein, und wißt ihr, was darin hängt…? –

  Ich.«

  Ich fühlte einen Schauer über meinen Rücken laufen. Irgend etwas stimmte nicht mit seinem Gesichtsausdruck. »Vorsichtig, Junge«, murmelte Barker und blickte mich an. »Das könnte wirklich passieren«, sagte er düster.

  »Ich habe aber Gesellschaft. Ein einsamer Mann muß mit der Gesellschaft zufrieden sein, die er bekommen kann, und ich habe Glück gehabt mit meinen Freunden. Da war William, eine Kreatur ähnlich dem irdischen Delphin – ich schwöre, daß er Intelligenz besaß. Die Schwarzfische haben ihn schließlich gefressen. Und da war ein kleiner Vogel, ein Mewler, der mehrere Tage lang bei mir blieb. Und Melissa… Ah, die arme Melissa…«

  Streng schien sich plötzlich zusammenzureißen und seine trüb-sinnige Stimmung abzuwerfen. »Hier, seht euch das an!« sagte er. »Ich werde euch jetzt etwas sehr Wichtiges zeigen.« Er trat an den Bildschirm des Echolots und schaltete das Gerät ein. Eine Masse kleiner heller Punkte erschien auf dem Bildschirm. »Seht ihr sie? Das sind Fische – ein tolles Gerät, was? So genau, daß

  es die kleinste Sprotte registriert. Zum Teufel, mit einem Gerät wie diesem habe ich keine Angst, irgendwo aufzulaufen!«

  Es war für ihn zur Routine geworden, diese öffentlichen Versuche, seine Schwierigkeiten herunterzuspielen, indem er irgendwelche Belanglosigkeiten besonders herausstrich. Das Echolot würde er nicht brauchen, bevor er sich Riverside näherte.

  Ich nehme an, daß ein Mann nach einer gewissen Zeit nicht mehr weiß, was er sagen soll, selbst ein Mann wie Streng. Er hatte noch nicht die Hälfte der Strecke hinter sich, aber schon jetzt wiederholte er seinen Themen-Vorrat bis zum Überdruß.

  Immerhin hatte er uns bis jetzt die schlimmsten Ergüsse seiner Philosophie erspart, doch ich hegte die Befürchtung, daß diese Gnadenfrist nicht ewig dauern würde. Als die Tage vergingen und das Gefühl von Einsamkeit immer drückender wurde, begann er seine Reise mit einigen der epischen Raumfahrten früher galaktischer Entdecker zu vergleichen: Hartsborne und die En-deavour, d’Asbel Bu und die Tigram Hound.

  Ein anderes Thema war die Beschwörung des Relais-Effekts…

  Dieser gewaltige Ozean, so still jetzt, so bar jeder Bedrohung –

  doch laßt uns niemals das entsetzliche Unheil vergessen, das die Gehirne in ihrem blinden Haß auf alles Lebendige über uns gebracht haben…

  Barker verzog jedesmal schmerzlich das Gesicht, wenn Streng auf dieses Thema kam. Das entsetzliche Unheil, das die Gehirne angerichtet hatten, war doch gerade das, was er die Menschen vergessen lassen sollte, doch es gab keine Möglichkeit, Streng anzuweisen, solche Bemerkungen zu unterlassen. »Ich mußte heute wieder eine Übertragungspanne vortäuschen«, sagte er später zu uns. »Aber das kann ich mir nicht mehr oft leisten. Der neutrale Beobachter wird langsam mißtrauisch.«

  Schließlich, eines Tages, packte mich die Neugier… In Riverside war es Mittag, doch für Streng war bereits die Nacht angebro-chen; er blickte zu den Sternen empor, zuckte die Achseln, stieg in das Halbdunkel der Kabine hinab und entriegelte die Tür der kleinen Vorderkabine. Er kam wieder zurück ins Cockpit und brachte jemand mit. Der andere setzte sich, und ich sah das Pro-

  fil seines Gesichts im Licht, das aus der Kabine fiel.

  Es war er selbst. Es war Streng! Zwei Ralph Strengs saßen im Cockpit!

  Später sagte Althea Gant: »Es ist das klassische Egoismus-Syndrom. Der Amorph ist frustriert von der Entdeckung, daß Streng offenbar kein Te besitzt – kein Ideal, kein Liebes-Objekt, nichts, in das er sich verändern könnte, um Streng gefällig zu sein. Oft vollzieht ein Amorph in einer solchen Situation mehrere prüfende Verwandlungen und löst sie wieder auf. In diesem Fall hat er schließlich festgestellt, daß Streng nichts anderes liebt als sich selbst… Ich muß zugeben, daß ich von diesem Mann mehr erwartet habe. Es war offensichtlich ein Fehler, ihm diese Kreatur mitzugeben.«

  »Vielleicht ist sie das einzige, was ihn bei klarem Verstand hält«, sagte Barker. »Schließlich hat er sich selbst zur Gesellschaft, wenn schon sonst niemand.«

  »Seine eigene Gesellschaft, ja, die hat er«, sagte Althea Gant.

  »Dieser Amorph eines Egoisten ist anders als jeder andere Amorph. Der normale Amorph ist ein Ideal – er verkörpert alle guten Seiten, die ein Mensch von seinem Te weiß, und höchst-wahrscheinlich keine, die ihm mißfällt. Das basiert auf dem Wissen eines Menschen über sein Te, und da niemand alles über einen anderen Menschen wissen kann, ist es natürlich ein unvoll-ständiges Abbild.«

  »Doch der Amorph eines Egoisten ist anders. Strengs Amorph kann Streng genau kopieren – da er gedanklichen Zugang zu allen Faktoren hat, aus denen das Original besteht.«

  Sie lächelte ihr dünnes Lächeln. »Wenn Streng also die Belastung zu groß werden sollte, könnte er sich einfach in die Kabine zurückziehen und sich ein paar Tage lang vollaufen lassen, während der Amorph so lange seinen Platz einnimmt. Niemand wird den Unterschied merken. Weil es keinen Unterschied gibt.«

  Doch Streng erschien weiterhin selbst vor den Kameras, so weit wir das beurteilen konnten. Er litt unter immer länger werdenden Perioden der Depression, reagierte noch irrationaler als

  sonst auf die unwesentlichsten Defekte am Boot, begann vor der Kamera große Dosen von Medikamenten gegen eingebildete Symptome zu schlucken. Er war nicht mehr in der Lage, länger als die ersten zwei Morgenstunden jedes neuen Tages vor den Kameras wenigstens den Anschein guter Laune durchzuhalten.

  Er war jetzt sogar so weit, seine eigenen Unzulänglichkeiten zu-zugeben.

  »Eine lange Zeit allein auf dem Meer zeigt unerwartete Schwä-

  chen im Charakter eines Menschen auf«, murmelte er einmal am hellichten Tag. »Ich wünschte mehr als alles andere, ich hätte etwas Immunol mitgenommen. Eine kleine, harmlose Euphorie wäre jetzt genau das, was ich brauche…«

  Aber er hatte kein Immunol, nur Alkohol, und das war nicht dasselbe. Und zwei Stunden später begann die Pumpe zu versagen, und er mußte sie auseinandernehmen, um einen neuen Dichtungsring einzulegen und verbrannte sich die Hand dabei…

  Diesmal tat er mir leid.

  Später, als es dunkel wurde, saß er mit dem Amorph im Cockpit, und sie diskutierten endlos über Philosophie, und jetzt tat mir auch der Amorph leid. Ich hatte das Gefühl, daß er nicht wußte, ob Streng von ihm Zustimmung oder Widerspruch erwartete.

  Das war der Zeitpunkt, zu dem Susanna und ich aus dem Studio ins helle Tageslicht hinaustraten, und Susanna sagte: »Hast du es gesehen, Kev?«

  »Was soll ich gesehen haben?«

  Sie beobachtete mein Gesicht, als sie sagte: »Ich glaube, es gesehen zu haben, nur ganz kurz. Während Streng und sein Double miteinander sprachen, tauchte etwas auf dem Bildschirm des Echolots auf. Etwas sehr Großes.«

  »Ein Schwarzfisch?«

  »Nein… Die Form war anders…« Sie blickte über die Straße hinweg auf das träge fließende, braune Wasser des Flusses. »Ich kann nur hoffen, daß Ralph es nicht sieht. Es war… unheimlich,

  Kev.«

  14. KAPITEL

  Doch es war keine Kreatur des Meeres, die wenige Tage später Mark Swindons Fischzuchtbecken zerstörte. Die Treibstoffknapp-heit für die Trawler begann sich jetzt bemerkbar zu machen, und die Kolonie war von den großen, von Netzen eingezäunten Becken abhängig geworden, in denen Mark die arkadianischen Fatties züchtete.

  »Gott mag wissen, wie lange uns diese Fische reichen werden«, hatte er mir eines Tages anvertraut, als Perce Walters Trawler Arcturius seine silberige Fracht am Kai löschte. »Diese Zuchtan-lage befindet sich noch im Versuchsstadium. Ich habe höchstens einen Sechsmonatsbedarf unserer Kolonie in den Becken. Wir müssen demnach nun daran denken, Segelboote für den Fang auszurüsten, Kev.«

  »Die erste Sprosse hinab zur primitiven Existenz«, sagte Jane Swindon nachdenklich. »Ich mag nicht daran glauben, daß es wirklich so weit kommt. Die meisten Menschen hier sind überzeugt, daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir unsere Mei-nungsverschiedenheiten mit der Organisation geregelt haben und wieder normale Zustände herrschen. Wenn dieser Augenblick so greifbar nahe vor uns liegt, werden nicht einmal die Freunde der Freiheit glauben, daß wir zur Primitivität zurückkeh-ren müssen.«

  Dann, eines Morgens, berichtete Perce Walters, daß die Fischgatter zerstört und die Fatties fort wären.

  »Nichts ist zurückgeblieben«, erklärte er seinen ungläubigen Zuhörern auf dem Kai. »Keine Pfähle, keine Netze, keine Fische

  – nur ein paar Holztrümmer und Taustücke am Strand. Schwarzfische können das nicht getan haben, und auch nicht Menschen in kleinen Booten. Wollt ihr wissen, was ich denke? Ich glaube, daß sie eine dieser Meereserntemaschinen hineingefahren haben, vor und zurück, vor und zurück, bis alles weggerissen war.

  Diese Bastarde! Diese dreckigen, stinkenden Bastarde!«

  Die unmittelbare Konsequenz dieses Zwischenfalls war die Aufstellung von drei bewaffneten Gruppen, die am folgenden Tag auszogen, um die Felder der Organisation im Norden zu plün-

  dern. Sie nahmen Schubkarren mit, in denen sie die Beute heimbringen wollten, und die Leute jubelten ihnen zu, als sie loszogen.

  »Das wird den gottverdammten Bastarden zeigen, daß wir nicht auf dem Hintern sitzen bleiben und langsam verhungern«, war die allgemeine Ansicht.

  Am späten Vormittag zeigten kleine Rauchwolken auf dem Hang des Hügels, daß ein Kampf mit Laser-Waffen ausgebrochen war, und wenig später kehrten die Stoßtrupps zurück – mit leeren Händen.

  Niemand war verwundet worden; der Gegner hatte die beherr-schende Höhenstellung besetzt und nur Warnschüsse abgegeben. Doch die Kolonisten hatten angesichts der weit überlegenen Feuerkraft den Rückzug antreten müssen. Wenn sie weiter vor-gegangen wären, hätten die Männer der Organisation die Läufe ihrer Waffen nur ein wenig anzuheben brauchen, und dann wä-

  ren die Laser-Strahlen nicht nur vor den Füßen der Kolonisten in den Boden gefahren. Und nichts hätte sie daran gehindert, auch die Kolonie auf dem gegenüberliegenden Hügel niederzubrennen…

  Angesichts all der internen Querelen, der Nahrungsmittel-knappheit und der kontroversen Reise Strengs schienen die Amorphs in Vergessenheit geraten zu sein. Doch sie waren nach wie vor bei uns, diese kleine Gruppe von Aliens, die von der Kolonie absorbiert worden war. Während dieser schwierigen Periode begegnete ich ihnen oft an den unwahrscheinlichsten Orten und in der unwahrscheinlichsten Gestalt.

  »Ich weiß auch nicht, wo sie stecken«, sagte Mrs. Earnshaw eines Tages, als ich sie fragte, was mit ihrer Privatarmee geschehen sei, mit der sie die Organisation besiegt habe. »Ich habe die Männer eine Weile bei mir behalten, aber dann sind sie nach und nach verschwunden. Ich weiß auch nicht, was mit ihnen passiert ist, und ich habe auch keine Zeit, mir über sie Sorgen zu machen.« Seit das letzte Mehl aufgebraucht war und die Bewohner sich von Fisch und wildem Reis ernähren mußten, hatte die alte Frau alle Energien darauf verwenden müssen, ihre Position als

 

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