Michael Coney - Brontomek!.doc, page 15
»Mein Gott«, jammerte sie. »Er zwingt mich, ihm zu Willen zu sein!«
Ich warf einen flüchtigen Blick umher, konnte keine Zuschauer entdecken und nahm sie in meine Arme. Sie seufzte, wandte mir ihr Gesicht zu, und wir küßten uns; es war der längste und ehrlichste Kuß, den ich jemals einer Frau gegeben habe. Ich drückte ihre Brüste, und sie drängte sich an mich. Ein leuchtender Ballon-Käfer segelte über uns hinweg und drehte sich in der leichten Brise. Irgendwo, und gar nicht weit entfernt, hörte ich Maschi-nengeräusch.
»Du kannst dich nicht lange auf eine Sache konzentrieren, weißt du das, Moncrieff?«
Ich begann hier und dort Reißverschlüsse aufzuziehen. Ich konnte ihr Gesicht in dem matten Licht sehen, blaß und verträumt. »Ich liebe dich, Susanna«, sagte ich leise. »Ich glaube, ich habe dich schon immer geliebt. Es ist nur, daß ich dir erst jetzt begegnet bin.«
»Du drückst das so hübsch aus, Kev.« Aller Übermut war aus ihrer Stimme verschwunden, und sie war sehr ernst. »Ich liebe dich auch. Ich kann mich nicht an eine Zeit erinnern, in der ich dich nicht geliebt habe. Ich habe nur das Gefühl, es wird eine fürchterlich enttäuschende Situation, wenn ich jetzt versuche, mich aus dieser engen Hose herauszuquälen. Du darfst nicht ü-
ber mich lachen, hörst du?«
Ich versprach es ihr und bot ihr sogar meine Hilfe an, die dankbar akzeptiert wurde.
Es gibt gewisse Dinge, die nicht geschehen sollen. Ich hätte natürlich weitermachen können, wir hätten uns dort auf dieser Wiese lieben und das Geräusch allmählich näherkommender Maschinen ignorieren können; aber es wäre nicht richtig gewesen,
nicht beim erstenmal. Wir waren unserer Liebe so sicher, daß wir wußten, es würde ein anderes Mal geben, viele andere Male.
Trotzdem aber war es frustrierend.
»Sage mir bitte, Deus« – Susanna blickte anklagend gen Himmel – »warum du ausgerechnet jetzt diese Maschinen den gottverdammten Weg heraufschickst?«
Das Dröhnen kam näher und näher, begleitet von lautem Krachen, wenn Bäume niedergewalzt wurden. Wir brachten unsere Kleidung in Ordnung, standen auf und starrten in das Dunkel, zum Waldrand. Zwei, drei kleine Tiere huschten an uns vorbei, und dann teilten sich die Wolken und einer der Monde trat heraus.
»Dort ist es«, sagte Susanna. »Unten am Hang.«
Die grasbewachsene Flanke des Berges senkte sich zu dem im Norden liegenden Tal hinab; jetzt konnten wir deutlich die Grenze erkennen, wo fahles Grün von dem Dunkel frisch gepflügten Bodens abgelöst wurde. Rechts von uns lagen die Klippen, und unter ihnen glänzte die See. Links von uns glänzte das Mondlicht auf Milliarden sichelförmiger Blätter von Bäumen, die auf dem Grat der Klippen wuchsen. Dicht vor dem Waldrand bewegte sich etwas, kam diagonal den Hang herauf und direkt auf uns zu.
»Es ist ein Brontomek«, sagte ich unsicher. Ein dünner Lichtstrahl tastete hundert Meter rechts von uns den Boden ab, und rief ein leuchtendrotes Glühen hervor, wo er auftraf.
»Scheint schlechter Laune zu sein«, bemerkte Susanna.
»Ich denke, er ist außer Kontrolle geraten.«
Die Maschine rollte weiter, wich ein wenig nach links ab und passierte uns in fünfzig Metern Abstand. Ich zog Susanna hinter-einen Felsblock. Die Laser, mit denen die Brontomeks ausgerüstet sind, reagieren auf Wärmequellen. Ihre normale Beute sind kleine landwirtschaftliche Schädlinge, doch ich verließ mich nicht auf ihre Fähigkeit, Menschen identifizieren zu können…
»Er wird in einer Minute zurückkommen, wie?« fragte Susanna zweifelnd.
Die Maschine rollte weiter, unaufhaltsam auf den Rand der Klippen zu.
»Er dreht nicht um«, sagte Susanna verblüfft.
Mit selbstmörderischer, robotischer Sturheit rumpelte der Brontomek auf den Rand der Klippen zu, kippte und stürzte in die Tiefe. Der Motor heulte auf, als die Räder leer durchdrehten, wir hörten einen dumpfen Aufschlag, und dann war Stille.
»Jesus«, sagte ich erschüttert bei der Vorstellung von dem ast-ronomischen Schaden dieses unerklärlichen Unfalls, doch das war lediglich eine Reaktion des verantwortlichen Bürgers. Privat fühlte ich eine tiefe Genugtuung angesichts dieser Gratis-Show, und wenn ich irgend etwas bedauerte, so nur, daß wir nicht nä-
her am Klippenrand gestanden hatten, um sehen zu können, wie das Ding unten aufgeschlagen war.
»Schön«, sagte Susanna.
Aber das Dröhnen dauerte an, wurde lauter, mehrstimmig. Ich löste meinen Blick von der Stelle, an der der Brontomek verschwunden war und sah ins Tal hinab.
Ein Dutzend weiterer gigantischer Maschinen fuhren unaufhaltsam auf die Uferklippen zu.
10. KAPITEL
Wir liefen den Hang hinab und den herandröhnenden Maschinen entgegen; stolperten, sprangen wieder auf, liefen weiter, während die Brontomeks uns entgegenrollten; ihre Laser blieben dunkel. Im Gegensatz zu ihrem Anführer waren sie nicht in Stimmung, etwas zu rösten, sondern einzig und allein auf Massenselbstmord aus. Das Laufen fiel uns jetzt schwerer; wir hatten die umgepflügte Fläche erreicht, und meine Füße versanken bis zu den Knöcheln in pulverisierter Erde. Ich sah Susanna zu Boden stürzen. Ich blieb stehen und half ihr auf.
Sie sagte atemlos: »Was hast du vor, Moncrieff? Hoffentlich ist dir etwas Vernünftiges eingefallen.«
»Vielleicht können wir ein paar von den Dingern retten, bevor sie über die Klippen gehen.«
Wir stolperten auf die nächste Maschine zu; in diesem Augenblick trat ein zweiter Mond aus den Wolken, und die Szene war plötzlich in helles Licht getaucht. Der Brontomek torkelte auf uns zu wie ein wild gewordener Elefantenbulle, mit zuckenden Sensoren und weit aufgerissenen Stahlkiefern. Ich wartete, bis er mich fast erreicht hatte, trat zur Seite und packte das Geländer, als er an mir vorbeigrummelte. Ich schrie Susanne zu, den nächsten zu stoppen und begann zu der hoch über mir befindlichen Fahrerkabine emporz uklettern.
Ich erreichte eine kleine Plattform auf halber Höhe der Leiter und machte eine kleine Pause. Die Maschine stampfte unter meinen Füßen; ein Förderband transportierte Schnitzel irgendwelcher Wurzelpflanzen an mir vorbei zu einer Öffnung im hinteren Teil der Maschine, wo ich blitzende Kolben auf und ab stampfen sah.
Ich stieg weiter und trat in die kleine Kabine. Es gab nur wenige Bedienungshebel. Der Brontomek war daran gewöhnt, automatisch zu arbeiten. Nur bei sehr schwierigen Manövern wurden Fahrer eingesetzt. Ich sah mich nach dem Lichtschalter um, konnte ihn jedoch nicht finden. Ich warf einen raschen Blick aus dem Fenster und sah Susanna in die Kabine des Brontomeks rechts von mir klettern. Tief unter mir zog der Boden vorbei.
Voraus sah ich den Ozean, fahl und silbern im Licht der Monde.
Es mußte doch irgend etwas geben, das die Automatic abschal-tete. Ich riß an allen Hebeln, drückte auf alle Knöpfe, doch ohne jede sichtbare Wirkung – bis ich sah, daß die gigantischen Schneidegeräte, die aus der Front der Maschine herausragten, durch die Luft fuhren. Ich hatte den Brontomek auf irgendein Ernteprogramm geschaltet. Ich drückte wieder auf einige Knöp-fe, zog dann an einem langen Hebel.
Der Brontomek machte einen kleinen Ruck nach links.
Ich zog wieder an dem Hebel, und die riesige Maschine drehte langsam nach links. Ich fand das Gegenstück dieses Hebels auf der anderen Seite des Fahrersitzes, und drückte ihn nach vorn.
Der Brontomek wurde langsamer und begann sich um die eigene Achse zu drehen. Ich sah eine andere riesige Maschine heranrollen und hielt direkt darauf zu. Als ich sicher war, daß ich auf Kol-lisionskurs lag, verließ ich die Kabine, kletterte rasch die Leiter hinab und sprang aus drei Metern Höhe zu Boden.
Etwas voraus erreichte ein anderer Brontomek den Rand der Klippen, kippte langsam vornüber und versprühte Kunstdünger in die Luft; dann fiel er außer Sicht. Eine plötzliche Angst preßte mir den Magen zusammen. War das die Maschine, die Susanna gefahren hatte?
Da sah ich sie auf mich zulaufen. Ein Brontomek schob sich zwischen sie und mich und spie eine Fontäne pulverisierten Bodens aus.
Dann hörte ich das Krachen und fuhr herum.
Die beiden Maschinen waren im stumpfen Winkel aufeinander-geprallt, hatten sich ineinander verkeilt, und ihre riesigen Ballonreifen schleuderten Erde empor. Die verschiedenen Geräte an ihren Frontpartien hatten sich ineinander verheddert, und das war ein Glück, denn sonst hätten sie einander nur etwas aus der Richtung gestoßen und wären weitergerollt. So wie es jetzt war, würden sie wahrscheinlich ineinander verkeilt stehenbleiben, bis irgend etwas zerbrach oder ihre Motoren streikten. Auf jeden Fall hatte ich zwei Maschinen gerettet.
Susanna rang nach Luft, als sie mich erreichte. »Tut mir leid, Kev, aber ich konnte das gottverdammte Ding nicht zum Stehen bringen.«
Wir blickten umher. Etwa ein halbes Dutzend Brontomeks war bereits über die Klippen gestürzt, und der Rest rollte heran wie eine Herde gigantischer Lemminge. Es gab nichts mehr, was wir tun konnten. Es war nicht mehr genug Zeit, um auf eine der herandröhnenden Maschinen zu steigen und zur Fahrerkabine hinaufzuklettern, bevor sie über den Klippenrand rollten. Uns blieb nichts anderes übrig, als aller Verpflichtungen ledig den Anblick zu genießen.
Ein Brontomek dröhnte wenige Meter entfernt an uns vorbei, erreichte den Klippenrand und blieb dort hängen. Irgendeine Bo-denerhebung hatte ihn aus der Richtung gedreht, und nun hing er dort, eins der gewaltigen Räder über dem Abgrund, und die anderen wühlten die Erde auf, als die Maschine mit dem Bauch festsaß und hin und her schwankte. Dann gab es einen gewaltigen Knall, als ein anderer Brontomek auf seinem eiligen Weg zur Selbstzerstörung den festsitzenden rammte. Gemeinsam stürzten sie in die Tiefe. Währenddessen waren Susanna und ich an den Klippenrand gelaufen und sahen sie fallen; sie machten einen halben Überschlag, bis sie am Fuß der Klippen aufschlugen und zu einem Gewirr von Stahltrümmern auseinanderbrachen.
»Sieh dir das an!« rief Susanna plötzlich.
Die ineinander verkeilten Brontomeks stemmten sich noch im -
mer gegeneinander, wie kämpfende Bullen, doch jetzt war ein neues Element hinzugekommen. Durch irgendeine Fehlfunktion in den Computern hatten sie begonnen, einander mit ihren Lasern zu beharken. Helle Funken stoben aus ihren Stahlflanken.
Hinter uns stürzten die letzten Maschinen über den Klippenrand, doch unser Interesse wurde von den kämpfenden Giganten am Ufer gefangen genommen. Als eine Feuernadel dicht neben uns in den Boden fuhr, erkannte ich, daß wir auch getroffen werden konnten.
»Komm weg von hier!« Ich packte Susannas Arm und zog sie ein Stück den Hang hinauf.
»Glaubst du wirklich, daß du mir etwas zeigen kannst, was mehr Spaß macht als das?«
»Ich will nicht, daß du getötet wirst, dumme Gans.« Wir hockten uns hinter einen Felsblock und sahen weiter zu.
Im Todeskampf der beiden Maschinen wurde jetzt ein verrücktes Muster erkennbar. Der linke Brontomek feuerte kurze Stak-kato-Feuerstöße, die auf der Stahlhaut seines Gegners Funken-fontänen aufsprühen ließen; doch er feuerte wild und ungezielt und konzentrierte den Strahl nie lange genug auf eine Stelle, um viel Unheil anrichten zu können. Ich wurde an einen angeschla-genen Boxer erinnert, der wild um sich drischt, aber ohne Kraft und ohne Wirkung zu erzielen. Der andere Brontomek benutzte dagegen eine ganz andere Taktik.
Er schnitt seinen Gegner systematisch in Stücke.
Ein Turm fiel ab, ein Hör-Sensor zerknickte und hing nutzlos herunter. Eins der großen Räder wurde langsamer, stoppte. Die Lichtblitze seiner Laser zuckten noch wilder, doch die meisten von ihnen verpufften nutzlos in der Luft oder fuhren in den Boden. Die Kabine fing Feuer; Funken sprühten aus mehreren elektrischen Kabeln. Die Laser erloschen, einer nach dem anderen. Ein Schwall Künstdünger schoß aus dem Heck der Maschine.
Die Räder zuckten spasmodisch, standen dann still. Die Maschine war tot.
Der andere Brontomek setzte die Schlachterei fort und zer-schnitt seinen bewegungslosen Gegner in handliche Stahlstücke.
Dann setzte er sich wieder in Bewegung und schob die Schrott-stücke zur Seite, die ihm im Weg lagen. Als er frei war, nahm er Geschwindigkeit auf und raste den Hang hinunter ins Tal. Er hielt auf eine kleine Herde von Arkühen zu, die im Mondlicht graste.
Ein paar Minuten später sahen wir das Aufblitzen von Lasern.
Susanne sagte mit zitternder Stimme: »Das Ding ist wahnsinnig geworden, Kev. Sie sind programmiert, nichts zu verbrennen, das größer ist als Feld-Schädlinge. Wir haben Glück gehabt, daß er nicht auf uns losgegangen ist. Wieviel Brennstoff hat er?«
»Singleton sagte mir, daß sie mit Mini-Reaktoren angetrieben werden. Das bedeutet, es kann Monate dauern, bevor er von sich aus zum Stehen kommt.« Ich überlegte einen Moment lang.
»Sie müssen ihn aus der Luft angreifen und mit Bomben vernichten. Sonst wird er den gesamten Tierbestand dieses Gebietes auslöschen.«
»Und auch jeden Menschen«, sagte Susanna.
Wir berichteten den Zwischenfall einem Wächter auf der neuen Tiefwasserpier hinter dem Hügel. Der Wächter – er war ein Amorph – rief sofort Sinclair Singleton an, und die beiden sprachen eine Weile miteinander, Alien zu Alien. Der Wächter gab Singletons Fragen an uns weiter und unsere Antworten an Singleton, und irgendwie kam ich mir dabei wie ein Schuljunge vor, der über irgendeinen Unfug verhört wird. Als menschliches Wesen fühlte ich mich in einer zweitrangigen Position, wenn nicht sogar als Untergebener der Aliens, und ich begann mich zu fragen, wer auf diesem Planeten etwas zu sagen hatte und in was wir Arkadianer uns da eingelassen hatten, als wir für Hetherington stimmten.
Dann entließ uns der Wächter, und in seiner milden, freundlichen Art erkannte ich den unausgesprochenen Vorwurf: Irgend jemand muß diesen Amoklauf der Brontomeks ausgelöst haben, und es war mit Sicherheit kein Amorph…
Als wir die Pier verließen, lief ein großes Fahrzeug in die Fluß-
mündung ein: Die erste Meereserntemaschine. Es war unmöglich, Größe oder Tonnage des Schiffes zu schätzen, da mindestens drei Viertel von ihm unter der Wasseroberfläche lagen, aber es wirkte riesenhaft. Ein stromlinienförmiger Kontrollturm ragte aus dem Wasser, das in einer Länge von mehreren hundert Metern aufschäumte und so die gewaltige Verdrängung des Unter-wasserteils aufzeigte.
Am folgenden Morgen war ich auf dem Weg zu Barkers Wohneinheit, als ein helles Summen aus meiner Tasche anzeigte, daß Newspocket wichtige Nachrichten durchzugeben hatte. Ich zog das kleine Gerät aus der Tasche und sah das kantige Gesicht von Althea Gant auf dem Bildschirm. Ein paar Leute blieben stehen
und blickten mir über die Schulter.
»Diese Sendung ist allein für die Sub-Kolonie Riverside bestimmt«, sagte Miß Gant, und ihr Gesicht verriet, daß sie uns nichts Erfreuliches zu sagen hatt. »Und es wird auch nur in dieses Gebiet ausgestrahlt. Falls ihr euch also einbilden solltet, daß ihr für euer verantwortungsloses Verbrechen von gestern nacht auch noch freie Publicity bekommt, habt ihr euch getäuscht. Es wird Zeit, euch klarzumachen, daß die Organisation hier auf diesem Planeten eine Investition vornimmt, die sie schützen wird –
und wenn uns dabei ein paar aufsässige Sub-Kolonisten in den Weg kommen, ist das ihr Pech.
Gestern nacht haben ein paar Kretins die Stromleitung zur Landwirtschaftlichen Forschungsstation von Blackstone durchge-schnitten und die Beleuchtung stillgelegt. Im Schutz der Dunkelheit haben sie die Brontomeks sabotiert und dadurch ihre Zerstörung verursacht. Das hat einer allein nicht tun können – ich schätze, daß zwanzig oder mehr von euch daran beteiligt waren.
Ich will, daß ihr euch über eins im klaren seid: Wir können euch jederzeit von der Versorgung abschneiden. Und das heißt Schluß mit Nahrung, Treibstoff für euren Stromgenerator, Ersatzteile für eure Maschinen – jedes gottverdammte Stück, das ihr zum Leben braucht. Wir können euch auf eine Primitiv-Existenz reduzieren – und das werden wir auch tun, falls es zu einer Wiederholung von solchem Vandalismus kommen sollte.
Und wenn ihr mit euren faulenden Netzen und alten Kähnen zum Fischen hinausfahrt, um ein paar Fische zu fangen, mit denen ihr euer armseliges Überleben sichert, beschlagnahmen wir euer Land, wie es uns rechtmäßig zusteht.«
Althea Gant starrte herausfordernd aus dem Bildschirm. »Was also soll es sein, ihr kleinen Sub-Kolonisten von Riverside? Kooperation – oder langsamer Tod?«
Ich steckte das winzige Gerät in die Tasche zurück. Die Mit-Zuschauer verzogen sich wieder. Die Straße wirkte plötzlich leer.
Wieder ertönte das helle Summen aus meiner Tasche, und ich zog das Gerät noch einmal heraus. Das Gesicht von Althea Gant erschien auf dem Bildschirm.
»Diese Sendung ist allein für die Sub-Kolonie Riverside bestimmt«, sagte sie, »und sie wird auch nur in dieses Gebiet ausgestrahlt…«
Und das wieder und immer wieder. Bis die Organisation überzeugt war, daß Riverside begriffen hatte…
An dem informellen Treffen in Mortimore Barkers Wohneinheit nahmen Susanna und ich als die mit der Planetenumseglung direkt befaßten Personen teil, Mrs. Earnshaw und Vernon Thrale als Vertreter der Nachkommen der Pioniere, und Tom Minty und Mark Swindon vom Komitee der Sub-Kolonie.
»Ich kann diese Wahnsinnsaktion von ein paar Geistesschwa-chen nur bedauern, weil sie unser ganzes Projekt gefährdet«, sagte Barker, der groß und beeindruckend in der Mitte des kleinen Wohnzimmers stand und an einer übelriechenden Zigarre paffte. Wir anderen saßen um ihn herum. Aus diesem Blickwinkel wirkten seine massiven Hängebacken wie Luftschiffe.
»Okay, aber sieh nicht mich dabei an«, sagte der junge Minty.
»Hör mal zu, du Schwachkopf!« sagte Barker mit dröhnender Stimme. »Es gibt nur ein paar Leute, die dazu imstande wären, das Fiasko der letzten Nacht abzuziehen, und sie sind alle Freunde von dir. Glaubst du wirklich, ich wüßte nicht, wer versucht hat, die Regatta durch diese lächerliche Verbrennung von einer Hetherington-Puppe zu sabotieren? Ich will dir eins sagen: Unsere Jobs – sogar unser Leben – hängen davon ab, daß wir Arkadia hochbringen. Und das erreichen wir nicht durch willkürliche Zerstörung!« Unbewußt hatte Parker sich in Positur geworfen; er streckte die Brust heraus und starrte auf einen Punkt einen Meter über Mintys Kopf. »Der einzige Weg, der uns zum Ziel führt, ist der Weg der Organisation, auch wenn er uns in gewisser Beziehung nicht gefällt.«

