Michael coney brontome.., p.29

Michael Coney - Brontomek!.doc, page 29

 

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  wäre nicht der kleine Unterschied ins Auge gefallen, daß einige von ihnen Busen hatten.

  Irgendwann wandte Althea Gant sich wieder uns zu. »Hör zu, Moncrieff!« sagte sie. »Ich habe gehört, daß du auf der Tiefwasserpier warst, als die beschädigte Meereserntemaschine dort lag, stimmt das?«

  »Du kannst es mit auf die gottverdammte Liste meiner Verbrechen gegen die Organisation setzen.«

  Es gab sonst nichts, das ich tun konnte, und ich hatte auch nicht die Absicht, irgend etwas zu versuchen. Ich hatte genug; genug vom Kämpfen, genug vom Weglaufen. Die Szenen auf den Bildschirmen der Alkoven in den Zimmerecken veränderten sich: Jeder zeigte den falschen Streng aus einem anderen Blickwinkel.

  Er stand im Cockpit derArkadian und warf jemand, der außerhalb des Bildes stand, ein Tau zu. Er lächelte, und seine graue Mähne glänzte im Sonnenlicht. Er wirkte selbstsicher, unbesiegbar, un-besiegt; er wirkte wie Ralph Streng. Die Kameras zoomten auf ihn zu.

  »Wer, zum Teufel, ist dieser Mann?« fragte Mrs. Earnshaw.

  Althea Gant starrte angespannt auf einen der Alkoven, selbst in diesem Augenblick des Triumphs noch nicht sicher, ob alles gut-gehen würde. Ich bemerkte, daß eine der Kameras einen Schwenk über die Menschenmenge machte – eine gute Szene, auf die man überblenden konnte, falls der Pseudo-Streng plötzlich den Einfall haben sollte, die Wahrheit zu sagen.

  Der Hochstapler sprang leichtfüßig auf den Kai. Das Lärmen der Menge wurde ohrenbetäubend; aus dem Hintergrund hörte man Musik, und der Monitor zeigte eine rasche Folge von Schnitten; von Streng zur Menge, von der Menge zu Streng aus einem anderen Blickwinkel, zu Mrs. Streng…

  Hazel Streng trat vor.

  Diese Kamera mußte am anderen Flußufer stehen, denn das Bild zeigte sie, wie sie auf die Kamera zuschritt, deren Teleob-jektiv ständig Schärfe nachzog. Das letzte Stück ging sie rascher, und dann lief sie…

  Dann wurde sie von den Armen eines kräftigen, sonnengebräunten Mannes umfangen, und wir sahen ihr Gesicht, tränen-feucht, doch ekstatisch, als sie sich weinend und lachend an diesen breiten Schultern festhielt…

  »Es ist dieser verdammte Amorph!« sagte ich. »Es ist das Ding, das bei ihr lebt. Kein Wunder, daß sie geweint hat, als ich sie das letztemal sah – ihr habt es ihr weggenommen. Wie, zum Teufel, habt ihr es auf das Boot gekriegt?«

  Miß Gant blickte auf die Monitore. »Haben es mit einem Antigrav hinausgebracht. Der neutrale Beobachter hatte die Ausre-de mit der Übertragungspanne schon geschluckt. Warum sollte er irgendeinen Verdacht haben, wenn er Streng wieder an der Ruderpinne sitzen sah?«

  Jetzt vereinten die Stimmen der Menge sich zu einem Dankes-choral. Etwas über ›Meine Augen haben den Glanz des Kommens des Herrn gesehen‹, wenn ich mich recht erinnere, und damit müssen sie Streng gemeint haben, stellte ich mir vor.

  Ich hatte die Befriedigung, das Lärmen einiger Dissidenten zu hören, wahrscheinlich Tom Minty und seine Freunde, die Obszö-

  nitäten schrien, als Streng und seine Frau durch das Spalier der Ehrengarde schritten, wie ein Brautpaar bei einer Militärhochzeit.

  Als sie das Spalier durchschritten hatten, blieben sie vor Referend Enrico Batelli stehen.

  »Oh-oh«, sagte Susanna erwartungsvoll.

  Dies war der Höhepunkt der Veranstaltung!

  Ich blickte Althea Gant an, und ich glaube, sie lächelte. Sie sah mich nicht, was meine Befriedigung ein wenig schmälerte. Sie starrte auf einen der Bildschirme, und die Knöchel ihrer geballten Fäuste waren weiß. Dies war das große offizielle Willkommen; es würde sehr seltsam wirken, wenn sie ausgerechnet jetzt eine technische Panne vortäuschen müßten.

  »Im Namen von Riverside, von Arkadia und der Galaxis kann ich nur sagen: Gut gemacht, Ralph!« sagte Batelli mit tönender Stimme.

  Und mit diesen Worten setzte er den Tenor seiner Ansprache.

  »Ich kann es einfach nicht glauben…«, flüsterte Susanna nach ein paar Minuten. »Wie können sie Enrico gekauft haben?«

  »Der kleine Bastard hat es schon fertiggebracht, bei der Abrei-se einen Gottesdienst abzuhalten«, sagte Mrs. Earnshaw scharf.

  »Nach dieser Demonstration seiner Heuchelei traue ich ihm alles zu.«

  »… wieder einmal bewiesen«, tönte der Priester, »falls es noch eines Beweises bedurft hätte, daß es in den Wassern unserer großen Meere keine bösartigen Lebensformen gibt. Doch ich will auch nicht nur für einen Augenblick von Ralphs großartiger Leistung ablenken. Trotz der Skeptiker, der ewig Zweifelnden, die mit ihren düsteren Orakeln und Märchen von dem Unheil, das unter der Oberfläche der ruhigen Wasser lauere, die Entwicklung unseres Planeten zu behindern suchten – ihnen zum Trotz hat Ralph furchtlos die Segel gesezt, ein Kolumbus unserer Tage.«

  »Spinnt der?« Ich hatte Susanna noch nie so wütend erlebt, als sie mit ihren blauen Augen auf das Bild Batellis starrte. »Meint der Kerl das ernst? Oder ist er auch ein Amorph, Gant? Habt ihr auch einen falschen Batelli ins Spiel gebracht?«

  »Das ist Batelli«, antwortete Althea Gant ruhig. »Ich hatte gehofft, daß er vernünftig sein würde. Sonst hätten wir einen anderen Mann eingesetzt. Das wäre sehr einfach gewesen. Aber Batelli hat dieses gewisse Flair, meint ihr nicht auch?«

  »Das kann man wohl sagen.« Susanna starrte mich ungläubig an, als der Priester mit seinen Lobeshymnen fortfuhr, Streng als Helden herausstrich und alle verdammte, die nach dem Relais-Effekt Vorsicht gepredigt hatten.

  »… hat es Sabotage gegeben, und Unzufriedenheit. Ich bete zu Gott, daß all dieser Unsinn jetzt endgültig vergessen wird und Ralph Strengs Heimkehr uns vor Augen führt, daß unsere Stärke in einem starken, gemeinsamen Bemühen liegt – ohne unsere kostbare menschliche Neigung zur Individualität aufgeben zu müssen. Denn schon Ralphs Triumph ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen, und wir wollen nicht die Menschen ver-

  gessen, die hinter der Bühne gewirkt haben. Ich darf ein paar von ihnen erwähnen: Kevin Moncrieff, der dieses zuverlässige Boot erbaut hat; Mark und Jane Swindon, die Experten für Meeres fragen; Susanna Lincoln, die aufopfernde Arbeit bei der Publicity-Arbeit geleistet hat; Mortimore Barker, der leider heute nicht bei uns sein kann…«

  »Vielen Dank, Enrico«, sagte ich sarkastisch.

  Althea Gant blickte mit gerunzelter Stirn auf den Monitor. »Das war ein Fehler.«

  »Verbrecher bekommen keine gute Presse, wie?« fragte Susanna.

  Doch Batelli war schon wieder in der richtigen Spur. »…Arkadia marschiert unaufhaltsam vorwärts, und in diesem Augenblick steigen erwartungsvolle Pioniere aus einem Raumschiff und bringen mit sich ihr Können, ihr Geschick, ihren Enthusiasmus, ihre unbesiegbare Entschlossenheit, für sich und für uns alle ein neues, erfülltes Leben zu schaffen…«

  Mir wurde fast übel, und so ging es noch eine ganze Weile weiter, und wenn ich nicht sicher gewesen wäre, daß ich bald sterben würde, hätte ich mich darüber wahnsinnig aufgeregt. Susanna war tapferer als ich und hatte weniger Angst vor dem Tod, und sie wurde sehr laut und unflätig – aber es nützte natürlich nichts. Die Arbeit im Studio ging ungestört weiter, und das Rä-

  derwerk der Organisation drehte sich, ohne daß es aufgehalten wurde.

  Dann senkte sich ein milchweißer Antigrav-Flipper auf den Kai herab, und der Pseuso-Streng und Hazel stiegen hinein und winkten der Menge zu. Das Gerät hob lautlo s vom Boden ab und schwebte in etwa zwanzig Fuß Höhe. Das Lärmen der Menge erreichte einen neuen Höhepunkt: Die Menschen schienen von einer unheimlichen Hypnose ergriffen zu sein. Sie schrien und brüllten und schwenkten Flaggen und Fahnen, als der Held dieses Tages ihnen von seinem Sitz der Flippers ruhig zuwinkte.

  Die Kameras senkten sich, schwenkten über die Flußmündung.

  Die Skitterbugs rauschten wieder heran, schössen in einer Linie

  auf den Kai zu und zogen Wasserskiläuferinnen hinter sich her, alle in Weiß gekleidet.

  Die Engel waren nach Riverside zurückgekehrt.

  Sie lösten sich von der Wasseroberfläche, flogen eine weite Kurve in Richtung des auf der Stelle schwebenden Flippers. Die Maschine flog langsam in östliche Richtung, flankiert von den nackten, geflügelten Mädchen, und die Menge wurde still, beein-druckt von der Schönheit und der Symbolik dieses Anblicks.

  Bevor die Engel hinter den Baumwipfeln verschwanden, sahen wir sie an Höhe verlieren. Im Gegensatz zu wirklichen Engeln waren sie den Gesetzen der Schwerkraft unterworfen und gezwungen, ein Stück flußaufwärts zu landen, jenseits der Brücke.

  »Die Hand Mortimore Barkers, selbst aus dem Grab«, sagte Kli a’Po anerkennend.

  »Okay. Das reicht«, sagte Althea Gant entschlossen, als die Kameras unsicher hin und her schwenkten und normales Leben auf den 3-V-Monitoren sichtbar wurde: Ein schreiendes Kind, eine Frau, die sich in der Nase bohrte, ein Mann der Bier trank.

  Die Techniker liefen hin und her, gratulierten einander und spekulierten über ihren nächsten Auftrag. Ein paar Männer begannen Leitungen aufzurollen und Dinge hinauszutragen. Die Bildschirme der Alkoven wurden dunkel.

  Schließlich sah der Raum wieder wie ein kleines Theater aus.

  Ich hatte mich so daran gewöhnt, ihn als Studio zu betrachten, daß ich seine ursprüngliche Funktion vergessen hatte. Die Geräte und alle andere Ausrüstung waren hinausgebracht worden, die langen Kabelschnüre aufgerollt, die Techniker und die Männer der Organisation verschwunden. Es war ruhig. Nur neun Menschen waren noch anwesend: Althea Gant und die vier Bewacher, Susanna und ich, Mrs. Earnshaw und Kli a’Po. Keiner der Techniker oder der anderen Männer hatte das geringste Interesse für uns gezeigt. Wir waren bereits tot – nicht mehr vorhanden.

  Ich sah, daß sich eine winzige Version von Kli a’Po unter der Bühne versteckte. Aber der konnte uns nicht viel helfen. Wahr-

  scheinlich hatte der Alien während der ganzen letzten Wochen überall im Dorf kleine Spione verstreut.

  »Ihr da«, sagte Miß Gant, »ihr kommt mit mir! Draußen steht ein Antigrav, und ich erwarte, daß ihr ohne großes Theater ein-steigt – wenn nicht, sind meine Männer gezwungen, zu schie-

  ßen.«

  Dies also war das Ende. Man würde uns töten und über irgendeinem unbewohnten Gebiet abwerfen, als Futter für die Stecherpflanzen. Ich fühlte mich todmüde, und der Scotch, den ich bei Mrs. Earnshaw getrunken hatte, schien sich hinter meinen Augen gesammelt zu haben und rief stechende Schmerzen hervor. Mit der Vorstellung des Sterbens hatte ich mich inzwischen abgefunden – aber ich würde das Lieben mit Susanna vermissen.

  Wir standen auf und gingen zur Tür. Weiter aber kamen wir nicht.

  Weil das Visiphon summte.

  Althea Gant blickte zu dem Gerät hinüber. Es hing an der Wand am anderen Ende des Theaterraums. Sie zuckte die Achseln, sagte unseren Bewachern, sie sollten warten, und schritt darauf zu.

  Ich sah das Gesicht eines Mannes auf dem Bildschirm; er sprach mit ernster Miene und ziemlich lange, doch konnte ich nicht verstehen, was er sagte. Irgendwann drehte Althea Gant den Kopf und blickte uns an, als ob sich das Gespräch um uns drehte. Schließlich schaltete sie das Gerät ab und kam zurück.

  »Ihr könnt sie jetzt gehen lassen«, sagte sie zu unseren Bewachern.

  »Was?« fuhr es mir heraus.

  »Ihr seid frei, Moncrieff. Du kannst jetzt nach Hause gehen, Scotch trinken, mit Frauen schlafen und Boote bauen. Du kannst tun, was dir Spaß macht, verstehst du? Befehl von oben. Wir hängen alle von Befehlen von oben ab, nicht wahr?«

  »Ich nicht«, sagte Susanna ruhig.

  »Willst du darauf wetten, Susanna Lincoln?« Plötzlich und für

  uns unerklärlich weinte Althea Gant. Ich wußte nicht, ob aus Frustration, Erleichterung oder was sonst. Aber ein paar Sekunden lang zitterten ihre schmalen Lippen, und in ihren Augen schimmerten Tränen, als sie Susanna anblickte. Dann sagte sie:

  »Ich möchte die Repräsentanten der Sub-Kolonie am Freitag um ein Uhr in Premier City sehen. Wir werden bis dahin ein behelfs-mäßiges Büro auf dem Raumflughafen eingerichtet haben.«

  »Wozu denn noch lange reden, verdammt nochmal?« sagte ich.

  »Es müssen Freigabebescheinigungen für das beschlagnahmte Land ausgefertigt, Entschädigungssummen festgelegt werden.

  Ihr habt sicher einige Forderungen an die Organisation zu stellen, und wir wollen gewisse Garantien von euch. Da ist die Frage von Löhnen und der Zerstörung von Kli a’Pos Haus während der Zeit seiner Beschlagnahme. Die Organisation ist in solchen Fragen äußerst fair. Ein erfolgreiches Unternehmen kann schließlich nicht auf Kleinlichkeit und unbezahlten Rechnungen begründet werden.«

  »Aber warum schon am Freitag?« fragte Mrs. Earnshaw. »Vorher war doch von fünf Jahren die Rede gewesen.«

  »Weil die Organisation Arkadia verläßt, und zwar bereits in der kommenden Woche«, sagte Miß Gant.

  19. KAPITEL

  Draußen tanzten die Menschen auf den Straßen.

  Ich sah die ›Nachkommen der Pioniere‹, die eine spontane Gruppe gebildet hatten, vor der Tür des Clubhauses herum-stampfen, während Vernon Thrale hektisch auf seiner Fiedel her-umkratzte. Ich sah Will Jackson und Mariette Arm in Arm mit Elsie Cotter zu dem Kontra-Lärm der aus dem offenen Clubfens-ter herausdröhnenden Musik herumhüpfen und Flaschen schwingen. Und hinter ihnen, bis hinunter zum Kai, tanzte und schrie und trank eine riesige Menschenmenge – und jenseits des Flusses, auf dem Hang des Hügels, wälzte sich die noch größere Masse der Besucher auf die Brücke zu, um auch an dem Spaß teilzuhaben.

  Im ersten Moment war ich überrascht. Wie konnte sich die Nachricht so schnell herumgesprochen haben?

  Dann erinnerte ich mich daran, daß sie Strengs Heimkunft feierten. Und die Kolonisten hatten in ihrem Massen-Enthusiasmus Streng, den Menschen, vergessen und jubelten Streng, dem Idol zu.

  Ich sagte zu Althea Gant: »Was habt ihr mit Hazel Streng vor?

  Sie muß für die Organisation doch eine peinliche Belastung dar-stellen, oder?« Ich mußte schreien, um mich durch das Lärmen der Menge verständlich zu machen.

  Sie schien verwirrt. »Man wird sich um sie kümmern.«

  »So wie um Mort Barker?«

  »Hör zu, Moncrieff! Es gibt immer einige unangenehme Dinge, die zum Wohl des Ganz en getan werden müssen. Mort Barker war so ein Fall – und auch du. Was Mrs. Streng betrifft… sie wird sicher sehr glücklich sein, auf einem ruhigen Planeten leben zu können – mit dem Mann ihrer Wahl…«

  Angeekelt zog ich Susanna auf die Wohneinheit der Swindons zu. Ich brauchte einen Drink.

  Plötzlich stand der Reverend Enrico Batelli vor uns. Ich versuchte an ihm vorbeizugehen. Ich wollte nicht mit ihm reden.

  Er legte seine Hand auf meinen Arm. »Du glaubst sicher, daß ich euch verkauft habe, nicht wahr?« Er suchte meinen Blick. Es schien ihm wichtig zu sein.

  »Du hast mir recht gute Publicity gegeben, Batelli. Und jetzt nimm deine gottverdammte, schmierige Pfote von meinem Arm, bevor ich dir die Fresse einschlage.« Ich schüttelte seine Hand ab, drängte mich an ihm vorbei und zog Susanna mit mir.

  »Warte, Kev!« rief er mir nach und drängte sich durch die Menge, die uns von allen Seiten umschloß. Plötzlich tauchte er vor uns auf und versperrte uns den Weg. »Hör zu, ich wußte, das die Organisation Arkadia aufgeben würde. Es gab keinen Grund, ihnen die Show zu verderben. Arkadia wird die Publicity in den kommenden Jahren bitter nötig haben.«

  Ich blieb stehen und blickte ihn aufmerksam an. »Das hast du noch gar nicht wissen können. Althea Gant hat es selbst eben erst erfahren.«

  »Was für einen Grund hat sie genannt?«

  »Hör zu, müssen wir unbedingt hier reden?« Menschen rempelten uns an; ich fühlte mich zehn Jahre älter durch mein Verlangen nach einem Drink. »Sie sagte, die Ökonomisten der Organisation hätten festgestellt, daß Arkadia doch kein lohnendes Geschäft sei. Mehrere unvorhergesehene Faktoren seien zutage getreten.«

  So hatte es Althea Gant gesagt, fast Wort für Wort. Doch mehr war aus ihr nicht herauszuholen gewesen.

  Plötzlich begannen überall um uns her Newspocket zu surren.

  Das Lärmen der Menge wurde leiser. Menschen griffen in ihre Taschen, zogen die kleinen, flachen Geräte heraus und schalteten sie ein. Innerhalb von Sekunden bildeten sich kleine Gruppen, in deren Mittelpunkt jeweils ein Abonnent von Newspocket stand. Dies ist ein vertrautes Bild, das man in der ganzen Galaxis immer wieder sehen kann. Eines Tages, schwor ich mir, werde ich einfach weitergehen und das aufdringliche, impertinente Surren ignorieren. An diesem Tag jedoch zog ich mein Newspocket heraus…

  »… äußerst wichtige Bekanntmachung, die alle Arkadianer betrifft. Vor zwei Minuten wurde im Rat der Hetheringron Organisation beschlossen, in Befolgung von Experten-Ratschlägen alle Ansprüche auf Land oder anderes Eigentum auf dem Planeten Arkadia aufzugeben. Alle Anstellungsverträge sind mit sofortiger Wirkung gekündigt; die Höhe der Entschädigungssummen wird mit dem Rat Arkadias ausgehandelt werden. Die Organisation…«

  Der Rest war nicht zu verstehen, weil die Menschenmenge um uns herum wieder zu toben begann.

  Der Enthusiasmus über Strengs Heimkehr war gar nichts im Vergleich dazu. Tausende von Dingen wurden in die Luft geschleudert: Hüte, Programmhefte, sogar Newspocketgeräte, als die Arkadianer ihrer Freude mit einer Lautstärke Ausdruck gaben, daß die Echos wie Donner von den Hügeln zurückgeworfen wurden. Wo immer ich auch hinblickte, sah ich Gesichter, die in einem Ausdruck orgiastischer Ekstase erstarrt waren, mit aufgerissenem Mund, glänzenden, leeren Augen; die Menschen hatten ihre Arme empor gereckt, griffen in die Luft, griffen nach ihren Nachbarn und schrien wortlos ihre Freude hinaus.

  Sie hatten ihre Unabhängigkeit wiedererlangt. Sie waren wieder Individuen. Sie waren frei…

  Nach einer Weile verwandelte sich das Brüllen in ein aufgeregtes Schwatzen, und ich sah, daß Bateliis traurige Augen mich noch immer anblickten.

  »Mit soviel Begeisterung begrüßt Arkadia den Prospekt der Ar-mut«, sagte er.

  Wir saßen in der Wohneinheit der Swindons, um uns die vertrauten Möbel, in den Händen die vertrauten Drinks. Die Menschen waren ebenfalls vertraut: Die netten Leute, die wir gern um uns hatten. Draußen war es dunkel; nur zwei Monde standen am Himmel, dicht über dem gegenüberliegenden Hügel. Die auswärtigen Besucher waren in ihre Sub-Kolonien zurückgefah-ren, doch die Kolonisten von Riverside waren noch immer im Clubtreff und feierten, feierten…

 

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