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  »Was, zum Teufel…« Das Mädchen sprang auf.

  Dann sahen wir die Rückenflossen der Schwarzfische, die das Ding umkreisten, und es dann hin und her stießen, als sie mit ihren scharfen Zähnen Fetzen aus dem sterbenden Fleisch rissen und es geräuschvoll verschlangen…

  Und überall entlang der Hafenmole stiegen weitere Gehirne empor und trieben auf dem Wasser, und das Glühen erlosch, als sie starben, nachdem sie ihre Aufgabe für die nächsten zweiundfünfzig Jahre erfüllt hatten.

  1. KAPITEL

  Der Scotch Whisky Arkadias ist gut, um eine beschauliche Stimmung hervorzurufen, doch eine lausige Sache für Kreativi-tät.

  Ich bin von Swindons Wohneinheit nicht direkt nach Hause gegangen, sondern habe einen Spaziergang entlang dem Weg gemacht, welcher dem nördlichen Höhenzug folgt, und immer, wenn ich irgendwo zwischen den Bäumen etwas aufblitzen sah, blieb ich stehen und blickte den Berghang hinab zum Wasser. In dieser Nacht standen vier Monde am Himmel, und ihre Reflexio-nen waren überall, tanzten in den schnelleren Strömungen, wirbelten in den Rückstaus, beobachteten mich mit silbernen Augen aus den stillen Wassern kleiner Buchten.

  Genau wie die Monde reflektierte auch ich, sah meine Kindheit die Mädchen, die ich gekannt hatte, erinnerte mich an die Jobs, die ich verloren hatte, erlebte noch einmal die Frustration, die mich dazu gebracht hatte, vor zwei Jahren nach Arkadia auszu-wandern; die anfänglichen Schrecken des Relais-Effekts, und mein relativer Erfolg seit jener Zeit.

  Ich blieb wieder stehen, an einer Stelle, wo das steile Ufer vor langen Jahren eingestürzt und eine Masse von Sand und Steinen in die schmale Bucht geglitten war, die der ›Ankerteich‹ genannt wurde. Es war ein geheimnisvoller und romantischer Ort, und ich wünschte, ich hätte ein Mädchen bei mir gehabt, um es zu küssen. Das Mondlicht glitzerte auf einer Metalltafel, die in einen Felsen eingelassen war.

  ZUR ERINNERUNG AN

  REVEREND EMMANUEL LIONEL BLOOD

  POLIZEIOFFIZIER WILLIAM CLARKE

  ERIC PHIPPS

  ALAN PHIPPS

  ALFRED BLACKSTONE

  ›SIE STARBEN, DAMIT WIR GERETTET WERDEN‹

  Ich ging weiter, noch immer reflektierend, noch immer nicht kreativ denkend.

  Jane Swindon hatte gesagt: »Ein Mann sollte spätestens mit zweiunddreißig heiraten, Kevin. Oder vielleicht schon mit zwei-undzwanzig. Unverheiratete Männer wirken irgendwie unsauber

  – Anwesende natürlich ausgeschlossen.«

  Und Professor Mark Swindon hatte gesagt: »Ich meine, sieh dir doch zum Beispiel diesen Will Jackson an. Unheimlich geradezu.

  Eine Frau kann nicht ihre Wäsche zum Trocknen aufhängen, wenn dieser Kerl sich irgendwo im Umkreis von fünf Kilometern aufhält. Und Vernon Thrale – ein Volkstanz-Fan. Letzte Woche habe ich ihn in einem Kittel auf der Straße gesehen! Und du solltest auch etwas selbstkritischer sein, Kev. Gestern habe ich dich gesehen, wie du auf der Straße mit Lucy Sung gesprochen hast.

  Die ist doch höchstens fünf Jahre alt!«

  Und so war das alte Thema wieder einmal hervorgezerrt worden, hatte seine periodische halbernste Kommentierung erfahren, und würde wieder vergessen werden – bis zum nächsten Mal…

  Schließlich wandte ich mich um und machte mich auf den Heimweg. Natürlich fühle ich mich manchmal einsam. Tut das nicht jeder, selbst ein verheirateter Mensch? Und wenn ein Mann sein Geschäft aufbauen muß, wenn er versucht, es einigermaßen heil durch eine wirtschaftliche Rezession zu bringen, und wenn er außerdem in einer Gemeinde lebt, die von den jüngeren Leuten verlassen wird, sobald sie alt genug dazu sind – gibt es nicht viele Möglichkeiten zur Liebe.

  Leute wie die Swindons können gelegentlich zu einer Plage werden. Sicher in ihrem eigenen, gemeinsamen Glück verspüren sie den Drang, den man sonst eher bei Jehovahs Zeugen und Junkies findet, nämlich alle anderen Menschen zu ihrer Denk-und Lebensart zu konvertieren.

  Die Menschenmenge auf dem Hafenkai stand schweigend. Ich sah, daß Kinder unruhig wurden; ihre Eltern riefen sie geistesabwesend zur Ordnung, ohne den Blick von der Stelle zu wenden, wo das Silberband des Wassers hinter einer Reihe dichtste-hender, dunkler Bäume verschwand. Neben mir standen Mitglieder des Regatta-Komitees. Sie waren verständlicherweise ner-

  vös. Mehr als fünfhundert Menschen hatten an diesem Frühlings-tag die Fahrt nach Riverside unternommen, fünfhundert Kolonisten, die den Problemen, welche unsere Welt bedrängten, für eine Weile zu entkommen suchten.

  Diese Menschen wollten unterhalten werden. Sie erwarteten, unterhalten zu werden. Und es gibt kaum Menschen, die ungemütlicher werden können, als solche, die man unerwartet ihrer Unterhaltung beraubt. Geht doch einmal am Abend in den Riverside Social Club und nehmt Chill Kaa sein Bier weg, wenn ihr mir nicht glaubt.

  Mortimore Barker stand ein paar Schritte von mir entfernt, eine riesenhafte Gestalt in einem bunt karierten Hemd, die Hose von einem breiten Lederriemen gehalten.

  »Wo, zum Teufel, bleiben sie denn?« fragte ich.

  Der Werbeagent lächelte breit. »Reg dich nicht auf, mein Junge! Die warten nur auf ein bißchen Sonne. Ah… jetzt geht es los!«

  Die Sonne trat hinter einer Wolke hervor und blendete uns, Worrals zwitscherten in den Zweigen der Bäume, winzige Mewlers glänzten über dem Wasser, als sie mit schwirrenden Flügeln auf der Stelle verhielten und Plankton von der Oberfläche pickten. Aus der Ferne hörten wir das pulsierende Zischen von star-tenden Skitterbugs.

  Sie rasten um die Landzunge in Sicht, neun von ihnen in einer Linie, kleine, kuppelförmige Boote, die auf Dampfkissen auf uns zurasten. Ich spürte einen gewissen Stolz. Ich hatte diese Boote gebaut. Sie zogen Wasserskiläufer, Mädchen in fließenden wei-

  ßen Roben, deren Wasserski weiße Gischtspuren hinterließen.

  Auf dem Rücken jedes dieser Mädchen war ein goldfarbener Drachen befestigt. Als sie etwa zweihundert Meter von uns entfernt waren, erhoben sich die Mädchen vom Wasser, die Sonnenstrahlen ließen die goldfarbene Bespannung der Drachen aufblitzen, und der Wind preßte die hauchdünnen, feuchten Roben fest an ihre Körper. Ich hob mein Fernglas – ließ es jedoch sofort wieder sinken, da ich keinen Augenblick den Eindruck des

  Gesamtbildes versäumen wollte.

  Ich warf Mortimore Barker einen raschen Blick zu. Er lächelte, stolz auf den Überraschungseffekt dieses Auftritts. Die Menge machte »Ah!« und »Oh!«. Ich fragte mich, warum Menschen-massen Spektakel und bunte Farben viel mehr genießen als Individuen.

  Vielleicht ist das etwas Positives. Vielleicht gefällt uns die Vorstellung, daß auch alle anderen ihren Spaß haben.

  Neben Barker stand Ralph Streng. Sein Lächeln war zynisch.

  Fünfzig Meter vor dem Strand drosselten die Skitterbugs ihre Fahrt; die Dampfkissen lösten sich auf, und die Fahrzeuge sanken auf das Wasser. Jetzt starrten alle die Mädchen an, die ihre Zugseile losgelassen hatten und über das Wasser hinwegsegelten wie Engel. Rechts und links von uns bildeten die dichten, dunklen Baumreihen auf den Hügeln, die die Flußmündung einfaßten, einen Rahmen für die vor dem Himmel schwebenden Mädchen.

  Ich hörte jemand leise auflachen. Es klang wie Streng.

  Das Unglaubliche war, daß alle diese Mädchen gleich aussahen, von identischer Schönheit, mit den gleichen blonden Locken, mit kleinem lächelnden Mund, und – ich schwöre es – den gleichen Grübchen in den Wangen. Als sie über uns hinwegschwebten, stockte mir der Atem.

  Und dann…

  Dann lösten sie ihre Roben, ließen sie ins Wasser fallen – und darunter trugen sie nichts. Die Reihe schwenkte nach links ab, beschrieb einen Bogen über dem Wasser und kam dann direkt auf uns zu, neun nackte Mädchen, die an goldenen Drachenflü-

  geln hingen, mit identischen, prallen Brüsten, geschmeidigen Schenkeln und golden schimmernden Haaren.

  Und auf dem nackten Bauch jedes dieser Mädchen war mit roter Farbe ein einzelner Buchstabe gemalt worden.

  Die Reihe der Buchstaben lautete

  R-I-V-E-R-S-I-D-E

  Die Menge johlte vor Begeisterung.

  Dann flogen die Mädchen wieder einen Bogen, verloren dabei an Höhe, und ich hörte den Wind in den Gurten pfeifen, als sie dicht über unsere Köpfe hinwegsegelten, und auf die Flußmündung hinaus, wo sie leicht und elegant, wie ein Schwarm goldener Schwäne, auf das Wasser aufsetzten. Sie wateten zu dem etwa zweihundert Meter entfernt liegenden Ufer, wo sich die Flußmündung verengt und eine Brücke über das Wasser führt.

  Ich trat zu Barker. »Glänzend, Mort«, sagte ich. Dabei starrte ich noch immer zu den Mädchen hinüber. Sie hatten ihre Drachenflügel abgestreift; mehrere Männer traten auf sie zu, legten ihnen Capes um die Schultern und führten sie zu einem großen, geschlossenen Lastwagen. An der Seitenwand des Fahrzeugs befand sich eine Inschrift, die mich an die Beschriftung von Zir-kuswagen erinnerte, wie ich sie auf der Erde gesehen hatte. Ich hob mein Fernglas vor die Augen und las: HETHERINGTON EN-TERPRISES. »Wo hast du die aufgetrieben?« fragte ich.

  »Über eine Agentur.«

  »Kommen sie heute abend zum Tanz?«

  Er räusperte sich verlegen. »Ah – nein. Kontakt mit dem Publikum ist ihnen verboten. Sie fahren nach dieser Vorstellung sofort nach Premier City zurück.«

  Der Name Hetherington und der Anblick der Mädchen, die in den Wagen gedrängt wurden, verdarb mir diesen Tag gründlich.

  »Wie dressierte Zirkustiere, Mort?«

  Er zwinkerte verwirrt, dann wandte er sich ab, um die Gratula-tionen – und die wenigen empörten Bemerkungen – des Regatta-Komitees entgegenzunehmen.

  Paul Blake bat mich, mir sein Skitterbug anzusehen. Ich kniete mich neben das Fahrzeug und griff in die Inspektionsklappe, hinter der der einfache Antrieb lag. Ich stellte fest, daß das Kabel, das vom thermostatischen Dämpfer zum Mini-Reaktor führte, eingezwickt worden war.

  »Ich verliere an Höhe bei voller Kraft«, beschwerte er sich. Er

  fummelte nervös mit seinen Händen. Er war für das zweite Rennen aufgestellt worden. Um uns herum schäumte das Wasser auf, als die anderen Fahrzeuge startklar gemacht wurden.

  »Hast du an dem Kabel herumgefummelt?« fragte ich.

  Er wich meinem Blick aus. Ich sah zwei Füße neben meinem Gesicht auftauchen, große Füße in schweren, teuren Schuhen.

  Ich hob den Kopf und blickte in das massige Gesicht von Ezra Blake, Pauls Vater.

  »Ich habe für das Boot gutes Geld gezahlt, Moncrieff«, sagte er zu laut. »Und du hast mir ein Jahr Garantie daraufgegeben. Das gottverdammte Ding ist seit dem Tag, an dem ich es gekauft habe, ständig in Reparatur gewesen.«

  »Beruhige dich, Dad«, murmelte Paul nervös.

  »Hör zu, Paul! Dieser Kerl nennt sich Bootsbauer. Vor zwei Jahren ist er hier angekommen, ohne einen Pfennig in der Tasche, und jetzt geht es ihm verdammt gut – weil er durch uns Geld verdient.

  Also können wir verlangen, daß er eine anständige Ware liefert.

  Oder? Was hast du dazu zu sagen, Moncrieff?«

  Einige Menschen waren auf uns aufmerksam geworden. Es scheint mein Los zu sein, ständig mit diesen Blake-Typen zusam-menzustoßen, und immer in Gegenwart von Publikum. Vor einiger Zeit hätte ich vielleicht nachgegeben, doch inzwischen hatte ich mir innerhalb der Gemeinde einen gewissen Ruf erworben –

  was in der rauhen Atmosphäre einer Kolonie auf einem jungfräulichen Planeten gar nicht leicht war – und dachte nicht daran, ihn mir durch einen Kerl wie diesen Blake ruinieren zu lassen.

  »Das Boot verliert Lift, weil dein Sohn an dem Dämpfer des Mi-ni-Reaktors herumgefummelt hat, Blake«, sagte ich so laut, daß alle Umstehenden es hören konnten. »Ich sage jedem meiner Kunden ausdrücklich, daß sie nichts am Antrieb verändern sollen, aber dein Sohn hielt es für richtig, diese Warnung zu ignorieren. Ich werde sie jetzt in deiner Gegenwart wiederholen: Wenn er versucht, mehr als die zulässige Kraft aus dem Antrieb zu holen, indem er ihn frisiert, bringt er sich selbst in Lebensge-

  fahr, und auch alle Menschen in seiner Nähe.« Blake starrte an mir vorbei; sein Sohn trat verlegen von einem Fuß auf den anderen. Er tat mir irgendwie leid. »Ich werde dir sagen, was wir tun.

  Ich bringe das Ding gleich in Ordnung und ziehe ein neues Kabel ein. Gratis. Und, Paul, du kommst morgen zu mir, dann werde ich dir zeigen, was man tun kann, um mehr aus dem Antrieb herauszuholen. In Ordnung?«

  »Danke«, sagte Paul. Sein Vater stapfte schweigend davon auf der Suche nach einem anderen, den er auf die Hörner nehmen konnte. Paul blieb da und half mir, das neue Kabel einzuziehen.

  Er ist ein großer, gutaussehender Junge, der die Mädchen richtig zu nehmen weiß; allein seine Gegenwart läßt mich an all die Gelegenheiten denken, die ich verpaßt habe, als ich in seinem Alter war. Er verpaßt keine, vermute ich, und das ist gut so.

  Es ist eine eigenartige Tatsache, daß eine kleine Kolonie wie Riverside – wo ich kühne und freiheitlich denkende Abenteurer vorzufinden erwartet hatte – innerhalb von drei Generationen so parochial und engstirnig werden kann.

  »Widerlich!« hörte ich eine tiefe Frauenstimme dröhnen, wie um meine Schlußfolgerung zu bestätigen. Ich blickte auf und sah Mrs. Earnshaw, Mitglied des Komitees und Stütze der Gesellschaft von Riverside, die sich Mortimore Barker vorgenommen hatte. »Ich hätte nie geglaubt, daß der Tag kommen würde, wo man nackte Flittchen vorführen muß, um Touristen nach Riverside zu bringen. Das ist nicht nur beschämend für unsere Kolonie, sondern auch erniedrigend für die Mädchen. Ich fühle mich als Frau beleidigt!«

  Barker ist nicht der Typ, der sich auf die Defensive beschränkt.

  »Sprich du mir nicht von Erniedrigung, Bernardine«, sagte er laut und vernehmlich. »Wenn du Neu-China gesehen hast, wo die Menschen wie Ochsen auf den Feldern arbeiten, weil ihre Religion den Gebrauch von Maschinen verbietet, kannst du von Erniedrigung reden. Wenn du Utopia besucht hast, wo sie Frauen aus einem Modell klonen, das ausgewählt wurde, weil es sowohl Menschen wie Aliens gefällt, dann begreifst du – vielleicht – was sexuelle Ausbeutung ist. Aber bis dahin…« – er winkte mit seiner breiten Hand, wandte sich ab und ließ die vor Erregung stam-

  melnde Mrs. Earnshaw stehen – »… quatsch mir nicht von Erniedrigung!«

  Kurz darauf stand ich mit den anderen Mitgliedern des Komitees auf der improvisierten Plattform und wartete auf den Start des ersten Rennens. Die anderen waren bereits dort: Mrs.

  Earnshaw, und sie kochte noch immer; Mark Swindon, der Meeres-Biologe, mit seiner Frau Jane, Ezra Blake, und der Reverend Enrico Batelli. Ich wandte mich an den letzteren. »Was hältst du bis jetzt von der Sache?«

  Er blickte nachdenklich auf einige hundert bunter Ballons, die unter Wasser aufgeblasen wurden, mächtig anschwollen, als sie zur Oberfläche emporstiegen und sich dann in die Luft erhoben.

  »Sehr gut, würde ich sagen«, murmelte er.

  Ich bedrängte ihn weiter. »Diese Mädchen haben mich ein wenig durcheinander gebracht. Ich dachte, sie sollten Engel darstel-len, doch dann…«

  Er grinste. »Ich bin schon oft von Menschen kritisiert worden, weil ich ihnen nicht sagen kann, daß ich fest an die Gottesvor-stellung glaube. Aber dies kann ich dir sagen: Ich glaube nicht an Engel. Ich habe neun hübsche, sexy Mädchen gesehen, und es war ein herzerfrischender Anblick. Und ich kann nichts Schlimmes daran sehen.«

  »Völlig deiner Meinung, Enrico«, sagte Mark Swindon.

  Jane Swindon schloß sich dieser Meinung nicht an; das hätte ich nicht gedacht, aber sie ist eine Frau, bei der man selten etwas voraussehen kann: Klein und zäh und sehr hübsch, sogar amüsant – und längst nicht so in Vorurteilen befangen wie die meisten. Riverside wäre ein viel angenehmerer Ort, wenn es mehr Kolonisten wie sie und ihren Mann gäbe. »Sie haben mich ein wenig geängstigt«, sagte sie. »Ich meine, daß sie Mark gefallen, stand zu erwarten; er ist und bleibt eben ein schmutziger Gammler. Aber mich hat erschreckt, daß sie völlig identisch wirkten. Irgendwie unheimlich.«

  Irgend etwas zerrte am hinteren Teil meines Gehirns. Ich muß-

  te an die Bemerkung denken, die Mortimore Barker vor ein paar

  Minuten über Utopia gemacht hatte. »…Utopia, wo sie die Frauen aus einem Modell klonen…«

  Dann löschte überraschtes Murmeln die beunruhigenden Gedanken aus meinem Gehirn. Ein riesiges, grell dekoriertes Floß war aus einer kleinen, versteckten Bucht in die Flußmündung getrieben, dicht vor die Startlinie, wo jetzt die Skitterbugs Aufstellung nahmen. Es war keins der offiziellen Flöße, auf denen die Geschichte von Riverside dargestellt wurde, und die von den

  ›Nachkommen der Pioniere‹ angefertigt worden waren; die lagen alle viel weiter flußabwärts. Nein, dieses Floß war ein Hochstapler!

  »Bringt das gottverdammte Ding fort!« hörte ich Mrs. Earnshaw brüllen.

  Der Wind wehte flußabwärts, und das seltsame Floß drehte sich langsam um die eigene Achse. Es war etwa zehn Meter lang und drei Meter breit und schien unbemannt zu sein.

  »Das ist einer meiner Leichter!« rief Swindon.

  In Bug und Heck waren provisorische Masten errichtet worden, und zwischen ihnen hing ein schlaffes Transparent mit den Worten

  HÄNDE WEG VON ARKADIA

  »Das ist von den ›Freunden der Freiheit‹ oder wie sich dieser Verein nennt«, sagte jemand. Das Floß trieb zwischen die Skitterbugs und drehte sich langsam um sich selbst.

  GO HOME, HETHERINGTON

  stand auf der anderen Seite des Transparents.

  Mehrere Skitterbugs drängten sich um das Floß und begannen es flußaufwärts zu drängen. Plötzlich hörte man das Dröhnen einer Explosion, und die oberen Seitenwände des Leichters fielen rauchend ins Wasser. Die Skitterbugs stoben auseinander. In der Mitte des Leichters erhob sich ein großer Scheiterhaufen. Flammen leckten bereits über die Scheite, und Sekunden später brannte der ganze Leichter.

  Auf dem Scheiterhaufen befand sich die Nachbildung eines

  Mannes, eines fetten, krötenartigen Mannes, der in einem Rollstuhl saß. Vor unseren Blicken kippte der Rollstuhl um, die Figur rutschte vorwärts und wurde von den Flammen eingeschlossen.

  Ein großer Teil der Menge applaudierte laut…

 

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