Michael Coney - Brontomek!.doc, page 16
»Vielleicht hast du einen besonderen Grund, ihre Interessen zu vertreten«, sagte Minty kühl. »Willst du uns nicht verraten, wieviel mehr als den Standard-Lohn sie dir zahlt?«
Barker lief vor Wut rot an, und Mrs. Earnshaw sagte: »Warst du für diese verdammte Puppe verantwortlich, Tom?«
»Ruhe! Ruhe!« sagte Vernon Thrale hilflos.
Mark Swindon blickte Mrs. Earnshaw an, zuckte die Achseln.
Das Treffen hatte einen schlechten Start.
Dann griff Milty Mrs. Earnshaw an, weil sie ein kleines Stück Land südlich der Kolonie besaß. Thrale sprang auf und verteidig-te Mrs. Earnshaw, und sein Adamsapfel fuhr erregt auf und ab, als er jede Verdächtigung, sie müsse deshalb auf Seiten der Organisation stehen, lautstark zurückwies. Swindon und ich hielten uns heraus. Schließlich hörten Anklagen und Gegenanklagen auf, für die anderen interessant zu sein; Tom Minty bestritt jede Beziehung zu den ›Freunden der Freiheit‹, und als wir in einen Zustand erschöpfter Apathie zu sinken begannen, kam Mort Barker auf das Thema des Treffens zu sprechen: Seine Pläne für den feierlichen Stapellauf des Bootes.
Diese Streitigkeiten waren ein typisches Symptom für die Unsicherheit, die von Riverdale Besitz ergriffen hatte und während der ganzen kommenden Wochen andauerte, bis zum Zeitpunkt des Stapellaufs. Im Prinzip gab es drei Faktionen.
Einmal gab es die Menschen, denen es paßte, mit der Organisation zusammenzuarbeiten; dazu gehörten ich, Ralph Streng und Mort Barker. Ich möchte auch Susanna zu dieser Gruppe zählen – obwohl man sich kaum jemanden vorstellen konnte, der weniger Sinn für jede Art von Politik hatte. Am Rand dieser Gruppe standen Jane und Mark Swindon. Trotz Marks Fehde gegen die Organisation wegen der Meereserntemaschinen war er der Überzeugung, daß der Weg Hetheringtons der einzige Weg war, der zum Ziel führte – zumindest vorläufig. Es war eine vernünftige Ansicht. Und eine ganze Anzahl der Kolonisten, ein-schließlich des einflußreichen Enrico Batelli, teilten sie.
Die zweite Faktion wartete nervös ab, vermied es ängstlich, die Radikalen zu reizen, wollte aber andererseits auch nicht ihre Besitztümer durch Repressalien der Organisation gefährden. Zu den Abwartenden gehörten die ›Nachkommen der Pioniere‹ unter der Führung von Mrs. Earnshaw. Ezra Blake und andere Grundeigentümer sowie mehrere Fischer befanden sich ebenfalls in unglücklicher Allianz mit dieser vielfarbigen Gruppe – welche
die Mehrheit der Kolonie darstellte. Sie wagten nicht, ihre Stimme gegen die Organisation zu erheben, doch aus ihren Reihen stammten so sabotierende Projekte wie die Einführung des Tauschhandels – der jetzt von fast allen betrieben wurde.
Und schließlich gab es noch die Verrückte Linke, auch unter dem Namen ›Freunde der Freiheit‹ berüchtigt. Ihre Mitglieder waren unbekannt, sie schloß jedoch sicher eine ganze Reihe der Leute ein, die sich als abwartend-neutral gaben. Ich vermutete, daß Tom Minty ihr Anführer war – was bedeutete, daß auch seine Freunde Bill Yong und Jim Spark dazugehörten. Chill Kaa wahrscheinlich ebenfalls.
Es war eine gefährliche Situation. Es bedurfte lediglich einer falschen Bewegung von Seiten der Organisation – eine Massen-beschlagnahmung von Grundeigentum zum Beispiel –, um die Abwartenden in fanatische ›Freunde der Freiheit‹ zu verwandeln.
Und dann wäre der Teufel los.
In dieser Atmosphäre der Unsicherheit gingen die Vorbereitungen für die Große Reise weiter.
»Natürlich weiß ich, daß Streng nicht in ein Boot steigen kann, das erst vor fünf Minuten vom Stapel gelaufen ist, und dann sofort eine Reise um die Welt antritt«, sagte Mortimore Barker.
»Ich habe nur gemeint, daß man der Galaxis diesen Eindruck vermitteln muß. Die Moncrieff Arkadian gleitet ins Wasser, der heldenhafte Skipper springt an Bord, ergreift die Ruderpinne und segelt in die untergehende Sonne, zum Teufel. Ist das zu viel verlangt?«
Ich war nervös. Wir waren alle nervös. »Okay«, sagte ich hastig, als Streng etwas dazu sagen zu wollen schien. »Nach der Probefahrt ziehe ich sie wieder auf die Helling, und dann kannst du deine gottverdammte Show haben.«
»Das ist unsere Show, nicht meine Show, Kev.«
Streng sagte: »Eins möchte ich von vornherein klarstellen: Ich denke nicht daran, auszulaufen, bevor das Boot gründlich getestet worden ist.«
Auf diese Weise vergingen die Tage, und jeder von uns bemüh-
te sich, seine persönlichen Sorgen im Rahmen des ganzen Projekts zu sehen. Im frühen Daleth begann die Moncrieff Arkadian allmählich wie ein Schiff auszusehen. Der Mast war eingesetzt –
mit Strengs lächerlichem Antigrav-Gerät an der Spitze – der größte Teil des Innenausbaus war fertig, die Segel waren ange-liefert und der größte Teil der Decksbeschläge montiert worden.
Es waren nur noch drei Wochen bis zum festgesetzten Termin des Stapellaufs, und ich dachte, es sei an der Zeit, sie zu Wasser zu bringen.
Diesmal ging es ohne Zeremonie. Susanna war natürlich da; Barker, Reverend Batelli und ein paar andere Kolonisten sahen vom Kai aus zu. Streng machte ein Theater wie eine nervöse Glucke.
Ich machte mir zunehmend Sorgen um Ralph Streng. Seine Haltung verriet noch immer sein innerliches Selbstvertrauen –
fast Arroganz – mit dem Ergebnis, daß ich es schwierig fand, mich gegen seine irrationalen Vorschläge zu stellen, besonders wenn andere dabei waren. Der Bastard gab sich so überzeugend, als ob er genau wüßte, wovon er sprach. Und dadurch sah es so aus, als ob ich mich nur vor irgendeiner Mehrarbeit drücken wollte, wenn ich seine unverschämten Forderungen zurückwies.
Bei einer dieser Gelegenheiten fand ich einen unerwarteten Bundesgenossen.
»Hör zu!« hatte Streng gesagt. Wir hörten alle zu, meine Arbeiter, die Amorphs, die Leute, die zufällig vorbeikamen, alle.
»Wenn die 3-V-Kamera an der Mastspitze montiert wird, wird das Boot toplastig, besonders bei schwerer See, die Takelage wird stärker belastet und könnte reißen. Du mußt dir etwas anderes einfallen lassen, Kevin.«
Die Zuhörer nickten weise.
Nicht zum erstenmal bemühte ich mich verzweifelt, rasch ein brauchbares Gegenargument zu finden, aber mein Gehirn war durch Wochen der Sorge und Frustration ausgelaugt – gar nicht davon zu reden, daß wir eine Woche hinter dem Termin zurück-lagen. »Ich weiß nicht«, murmelte ich unsicher. »Wir brauchen unbedingt den Aufnahmewinkel von oben. Das war doch von
vornherein so ausgemacht, und ich glaube nicht…«
»Ich kann dir dabei auch nicht helfen«, sagte Streng scharf.
»Ich bin schließlich nicht der Bootsbauer, verdammt nochmal!
Du mußt dafür sorgen, daß die Kamera woanders hinkommt.
Okay?«
Plötzlich mischte sich Barker ein. »Die 3-V-Kamera kommt an die Mastspitze, und damit basta. Wir haben genug Zeit verloren.
Du bist als Skipper engagiert, Streng, und nicht als Primadonna, verdammt nochmal!«
»Du hast völlig recht, Mort«, sagte Streng sofort. »War dumm von mir. Vielleicht versuche ich zu viele Dinge gleichzeitig zu tun.«
Und er lächelte uns alle an, und entschuldigte sich bei mir, und alles war in Ordnung – bis zum nächstenmal.
Also brachten wir die Moncrieff Arkadia zu Wasser, und sie lag dort in der Mitte der Flußmündung und sah sehr gut aus. Ein paar Kolonisten, die zugesehen hatten, applaudierten leicht ironisch.
Mortimore Barker trat heran, in einem hellgemusterten Hemd, wegen der Hitze, die umfangreiche Hose von einem breiten Le-dergürtel gehalten. »Ein wunderbarer Anblick«, sagte er mit dröhnender Stimme. »Sie macht dir Ehre, Kev.«
Ich sagte: »Ich muß noch den Namen aufmalen.«
Barker wirkte plötzlich verlegen. »Das hat doch keine Eile. Ich glaube nicht, daß die Organisation da schon zu einem Beschluß gekommen ist.«
»Dann sage ihnen, sie sollen etwas schneller machen, ja? Wir können nicht alles bis zur letzten Minute verschieben.« Wir zogen das Boot an den Kai.
Streng, Suanna und ich stiegen an Bord, kletterten in die Kabine und sprachen eine Weile über die Vorräte, die gebraucht werden würden; Streng notierte alles auf ein Papier. Er hatte schon früher einiges aufgeschrieben: Batterien, Reis, Streichhölzer, und so weiter, und seine Taschen waren voller winziger Zettel
und Papierschnipsel, auf die er sich alles mögliche notiert hatte –
und die nur er entziffern konnte.
Wochen später, als ich ein Stück Sperrholz-Abfall von einem Haufen nahm, entdeckte ich darauf eine Reihe von Notizen, von denen ich nur das Wort ›Gaze‹ entziffern konnte. Ich habe mich oft gefragt, ob er die auf diesem Holzstück angeführten Dinge wirklich mitgenommen hat, und wenn, ob einige von ihnen nützlich waren. Doch an diesem Gimel-Nachmittag waren wir mehr daran interessiert, irgendwelche Fehler am Boot zu entdecken und forderten Streng auf, etwas Sinnvolles zu tun – zum Beispiel den Kompressor zu überprüfen und andere mechanische Geräte zu testen. Alles war bisher nur auf dem trockenem Land auspro-biert worden, jetzt mußten wir sehen, wie es sich unter normalen Arbeitsbedingungen verhielt.
Der Kompressor sprang mit kehligem Röhren an, das zu einem dumpfen Summen wurde, als Streng ihn herabdrosselte. Ich blickte auf das Wasser an den Seiten der Bootskörper und sah Millionen winziger Luftblasen emporsteigen.
»Alles in Ordnung, Skipper«, sagte Susanna erleichtert zu Streng. Der grinste, und die sorgenvollen Falten in seinem Gesicht lösten sich vorübergehend. Ich fand Zeit, über seine Frau nachzudenken. Seit Wochen hatte man sie nicht mehr gesehen.
Kli a’Po mit seinen Vorstellungen als Alien meinte, daß Streng sie assimiliert habe, und wir brauchten ein paar Sekunden, bis wir begriffen, daß das ein Scherz sein sollte. Dann sagte Will Jackson, daß er sie am Fenster ihrer Wohneinheit gesehen habe, und wir atmeten auf.
Ich sagte: »Morgen werden wir die Segel ausprobieren. Vielleicht schaffen wir es doch noch, den Termin einzuhalten, was?«
Ich bin jetzt älter und habe inzwischen gelernt, wie dumm solche Bemerkungen sind. Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, als wir das Zischen entweichender Luft hörten und von einem nassen Nebel eingehüllt wurden.
Ich hörte Streng etwas schreien, packte den Hebel des Kompressors und riß ihn zurück. Die Maschine verstummte, das Zischen hörte auf. Der Nebel verflüchtigte sich, und wir starrten
auf den Steuerbord-Rumpf.
Es war nur ein geringfügiger Schaden. Die Schelle, mit der der Druckluftschlauch befestigt war, hatte sich gelöst, und der Schlauch hing herab.
»Es ist nicht schlimm«, beruhigte ich die anderen. »Das werden wir gleich haben.« Ich nahm einen Schraubenzieher aus der Werkzeugkiste.
»Nicht schlimm?« sagte Streng. »Mein Gott, das Boot ist unbrauchbar, und er sagt, es sei nicht schlimm!«
»Es ist doch nur eine Schelle, Ralph«, sagte Susanna.
»Nur eine Schelle? Jesus! Mein Leben hängt von dieser Schelle ab! Man braucht doch nur anzunehmen, dies wäre während eines Sturms passiert, was dann?« Er starrte auf den ins Wasser hängenden Schlauch, als ob er ein aggressives Tentakel wäre.
»Moncrieff, ich fahre nicht mit einer Druckleitung aus Gummi-schläuchen! Du wirst geschweißte Rohre nehmen, verstanden?«
Ich versuchte, ihn zur Vernunft zu bringen. »Wir haben doch schon ein Dutzendmal darüber gesprochen, Ralph. Wir haben uns geeinigt, daß Metallrohre durch Verwindung der beiden Bootskörper bei schwerer See brechen könnten. Deshalb verwenden wir Schlauchleitungen aus Gummi.«
»Verwindung?« schrie er. »Du wirst gefälligst dafür sorgen, daß es keine Verwindung gibt!«
Er lief über das Kabinendach auf den Backbordrumpf und begann auf und ab zu springen, um die Bewegungen des Bootskörpers in Relation zu anderen Teilen des Fahrzeugs zu testen. Susanna fand meinen Blick und hob die Brauen. Ich versuchte, sie beruhigend anzulächeln.
Inzwischen hatte sich Streng anscheinend davon überzeugt, daß das Boot sich nicht in zwei Teile verwinden würde und schraubte in hektischer Eile das Luk des Bootskörpers auf. Er warf sich auf den Bauch und streckte seinen Arm in die Öffnung.
»Da ist Wasser drin, Moncrieff! Das gottverdammte Ding leckt wie ein Sieb! Ich kann das Wasser hereinströmen fühlen!«
Ich habe viele Boote vom Stapel gelassen, vorher und nachher, doch dies war die schlimmste Probefahrt, an die ich mich erinnere. Alles schien sich verschworen zu haben, Strengs ohnehin schon geringes Vertrauen noch weiter zu reduzieren.
»Das Wasser dringt ein, weil du die Klappe geöffnet hast, Ralph«, rief ich ihm zu. »Du hast den Überdruck beseitigt, der das Wasser heraushält.«
»Wir werden kentern!« schrie er und schraubte eilig den Lu-kendeckel wieder auf.
»Nein. Es sind schaumstoffgefüllte Kammern in den Rümpfen.«
Er starrte zu mir herüber, ohne mit der Arbeit aufzuhören, und sein Gesicht war rot vor Anstrengung und Erregung. »Was hilft mir das bei einer schweren See, wenn einer der beiden Rümpfe halb voll Wasser läuft, weil der verdammte Kompressor nicht funktioniert oder sonst irgend etwas passiert?«
»Das kann nicht geschehen. Die Luftzuführung hat ein Einweg-ventil.«
»Mein Gott!« Er kam zurück und trat zu uns ins Cockpit. »Mein Gott, das ist bodenloser Leichtsinn, Moncrieff. Alles hängt von diesem Kompressor ab. Du mußt einen Reserve-Kompressor ein-bauen, Mann. Jetzt ist mir auch klar, warum dein anderes Boot gesunken ist.«
Eine rote Wolke des Irrsinns schien in mein Gehirn einzudrin-gen, und ich trat einen Schritt vor, um diese gottverdammte, arrogante Visage zu Brei zu schlagen. Doch plötzlich trat Susanna zwischen uns und umklammerte meine Arme.
»Tu es nicht, Kev!« schrie sie, als ich mich loszureißen versuchte. »Darauf warten sie doch nur!«
Mein Gehirn klärte sich ein wenig. Ich blickte auf und sah sie grinsend auf dem Kai stehen: Will Jackson, den alten Bock, Jim Spark, den alten Trottel, Chill Kaa, und ein paar andere. Barker war ebenfalls auf dem Kai und sein massiges Gesicht war vor Schreck erstarrt.
Ich riß mich mit Gewalt zusammen.
»In Ordnung, Streng«, brachte ich einigermaßen ruhig heraus.
»Du kriegst deinen gottverdammten Reserve-Kompressor, aber den Termin können wir jetzt vergessen.«
Eine Woche vor dem Tag, für den der offizielle Stapellauf festgesetzt worden war, besuchte Althea Gant die Kolonie, und ich setzte sie davon in Kenntnis, daß wir länger brauchen würden.
»Tut mir leid, Moncrieff«, sagte sie kühl, »aber du hast dich zur Einhaltung des Termins verpflichtet. Die Organisation hat die ganze Werbekampagne auf den Stapellauf am ersten He ausgerichtet. Eine Änderung des Termins ist deshalb unmöglich.«
»Aber es geht doch um die Sicherheit Strengs – und damit auch um den Erfolg des Unternehmens…«
Das Visiphon summte. Es war irgendeiner ihrer Leute, und als sie zurückkehrte, hatte ich keine Lust mehr, über dieses Thema zu sprechen. Wenn das Boot nicht rechtzeitig fertig wurde, konnte ich auch nichts daran ändern. Bis ich den zweiten Kompressor eingebaut und ein Dutzend weiterer Detailänderungen durchgeführt hatte, auf denen Streng bestand, würden wir um die zehn Tage hinter dem Termin liegen, kalkulierte ich.
Inzwischen liefen die letzten Vorbereitungen in einer an Panik grenzenden Atmosphäre von Geschäftigkeit weiter. Jeder half mit: Susanna, Streng, Barker, die Swindons, Batelli, Walters, all die netten Leute – während die anderen Mitglieder der Kolonie nur skeptisch grinsten.
Ich mußte Streng das Betreten der Bootswerft verbieten, weil die Männer mit Streik drohten. Seit die kurzen Testfahrten beendet waren – das Boot hatte sich dabei nicht ganz so gut gehalten, wie ich es gehofft hatte –, saß er uns ständig im Nacken.
Sowie ein Mann irgendeine Arbeit beendet hatte, war Streng zur Stelle und prüfte die Arbeitsqualität. Er tauchte mit unheimlichen Geräten auf und verlangte, daß sie installiert würden. Er wollte Relings aus rostfreiem Stahl um die beiden Bootskörper, für den Fall, daß er einmal dort stehen müßte; wir montierten sie. Aber als er sich dann über die Selbststeuerungsanlage zu beschweren begann und verlangte, daß Dämpfer eingebaut werden müßten, hatte ich genug.
»Mach, daß du verschwindest, Ralph«, sagte ich, »und laß dich bis zum Stapellauf nicht wieder sehen!«
Also beschäftigte er sich nun mit den Vorräten an Nahrungsmitteln und anderen Dingen, die er für die Reise brauchte. Er begann, beim Lagerhaus einen kleinen Stapel aufzubauen und fuhr ständig nach Inchtown und sogar noch weiter, um Sachen zu holen, die ihm plötzlich wichtig schienen. Schließlich, verwirrt von den vielen Dingen, die noch getan werden mußten, stürzte er sich auf das Gebiet, wo seine größte persönliche Erfahrung lag: Die Medizin. Er begann Schienen und Bandagen und Salben zusammenzutragen, Antiseptika, Injektionsspritzen und Antibio-tika. Einmal warf ich einen Blick in seinen Instrumentenkoffer: Er hätte an sich selbst eine Herzoperation durchführen können, soviel Zeug hatte er zusammengehamstert.
»Dies ist der wahrscheinlich wichtigste Faktor bei jeder längeren Reise«, sagte er eines Abends, als wir völlig erschöpft im Social Club saßen, um uns bis zur Bewußtlosigkeit vollaufen zu lassen. »Gesundheit. Auf See haben mehr Menschen durch Nichtbeachtung der simpelsten medizinischen Grundregeln ihr Leben verloren als durch alle anderen Ursachen zusammen, ein-schließlich Schiffsuntergang, Kollision, Taifune und alles andere.«
Und die Zuhörer nickten weise.
»Eine winzige Verletzung am Finger eines Menschen, die nicht behandelt wird, kann sich innerhalb eines Tages entzünden, in zwei Tagen brandig werden. Ich denke nicht daran, das ganze Unternehmen wegen einer Flasche Desinfektionsmittel scheitern zu lassen.«
Am meisten störte mich, daß er all das bereits einmal gesagt hatte, fast Wort für Wort, als Mort Barker ihn vor einer Kamera interviewt hatte.
So zogen sich die Vorbereitungen in einem Nebel von Hektik und Alkohol hin. Es waren nur noch zwei Tage bis zum Termin, und noch immer arbeiteten Männer an Bord des Katamaran. Und sie würden noch mehrere Tage zu tun haben, wußte ich, als ich Althea Gant anrief.
»Die Organisation handelt völlig rechtens, wenn sie die verein-barte Summe zurückhält«, sagte sie eisig.
»Dann werde ich das Boot auf See bringen und es versenken.«
»Solche Bemerkungen bringen dich nicht weiter, Moncrieff. Um ehrlich zu sein: Ich habe mit der Nichteinhaltung des Termins gerechnet und die Pläne der Organisation bereits um eine Woche verschoben. Doch es bleibt die Tatsache, daß du die Bedingungen des Kontrakts nicht eingehalten hast – also wirst du auch nicht bezahlt – noch nicht.«

