Michael Coney - Brontomek!.doc, page 26
Kein Mitglied der Organisation war anwesend – wenn wir also nur Vertrauen zueinander gehabt haben würden, hätten wir frei sprechen können.
Ich habe seitdem bedauert, daß wir uns nur über neutrale Themen unterhielten.
»Natürlich werde ich vor Anbruch der Hurrikan-Saison zu Hause sein«, informierte Streng die Kamera mit ausdrucksloser Stimme, während er weiternähte. »Und ich bin froh, daß diese
Reise ihrem Ende entgegengeht. Ich mißtraue diesem Boot –
jedem Katamaran, genaugenommen –, weil ich nicht glaube, daß die Verstrebungen die starken Torsionskräfte aushaken können, denen sie bei schwerer See ausgesetzt werden.«
Mort warf mir einen Blick zu. »Tut mir leid, Kev«, sagte er.
»Ich kann jetzt keine Abschaltungen mehr riskieren, es sei denn, in sehr dringenden Fällen. Der neutrale Beobachter in Premier City ist schon mißtrauisch geworden.«
»Vergiß es!« sagte ich und kochte innerlich vor Wurt.
»Ich freue mich darauf, Hazel wiederzusehen«, sagte Streng, legte das Segel aus der Hand und blickte nachdenklich aufs Meer hinaus. Er war in einer seltsamen Stimmung. »Falls du zuhören solltest, meine Liebe, möchte ich dir sagen, daß ich sehr viel nachgedacht habe, während ich hier draußen allein war. Außerhalb des ständigen Drucks der Zivilisation sieht ein Mensch die Dinge in ihrer richtigen Perspektive…« Er seufzte und stand auf.
Er stützte sich mit einem Ellbogen auf das Kabinendach und blickte ernst in die Kamera.
»Ich werde verspätet nach Hause kommen«, sagte er. »Es w ä-
re sinnlos, uns da etwas vorzumachen. Die Reise war anstrengender, als wir alle angenommen hatten, das Boot hat den Er-wartungen nicht entsprochen…«
»Mir gefällt sein Ton nicht«, murmelte Barker nervös.
Streng fuhr fort: »Ich habe die Bedingungen meines Vertrages mit der Hetherington-Organisation nicht erfüllt – mit anderen Worten, diese Reise ist finanziell ein Verlust, jedenfalls so weit es mich betrifft. Doch viel ernsthafter für mich ist das persönliche Versagen. Die von euch, die mich kennen, wissen, daß ich ein Mann bin, der den Erfolg will. Doch dieses Mal habe ich versagt.«
Er hob die Stimme. »Aber, bei Gott, ich werde nicht unehrlich versagen! Der ganze Sektor soll erfahren…«
»Jetzt kommt’s! Jetzt kommt’s!« Mit einer für seinen massigen Körper unwahrscheinlichen Schnelligkeit war Barker aufgesprungen. »Ich habe es kommen sehen!« Er stürzte zu der Kontroll-konsole und legte Schalter um.
Streng war in seine Kabine gegangen. Wir sahen seinen breiten Rücken, seine kräftigen Hände, die an der Planke rissen, mit denen er die Tür der vorderen Kabine vernagelt hatte. Schließlich nahm er ein Brecheisen, und wir hörten das Kreischen herausge-zogener Nägel, das Splittern von Holz.
»Komm heraus und zeige dich den Leuten!« rief er, riß die Tür auf und trat zur Seite, damit die Kamera alles gut im Bild hatte…
Wochen später gab mir Mark Swindon eine Erklärung, die einigermaßen logisch klang.
»Der Amorph hatte sein möglichstes getan, um sich Strengs Launen anzupassen«, sagte er eines Nachts, als wir in seinem halbdunklen Wohnzimmer saßen, Bier tranken und zu den Lichtern eines Trawlers hinaussahen, der den Fluß hinauffuhr. »Er hatte Strengs Gestalt angenommen, weil der sein Ideal in sich selbst sah – er war ein vollkommener Egoist. Soweit war das Handeln instinktiv.
Dann versuchte er alles, um Streng zu gefallen. Er stimmte ihm anfangs immer zu, versuchte dann, ein wenig Konflikt in ihre Gespräche zu injizieren – ich bin sicher, daß er alles versucht hat, was überhaupt möglich war. Das ist die Art der Amorphs. Und der einzige Grund, warum dieser Amorph versagt hat, ist, daß Ralph Streng ein Mann ist, den niemand zufriedenstellen kann –
was Hazel Streng bereits vor langer Zeit festgestellt hat. Er will in allem Perfektion. Und als sein eigenes Te sich als nach seinem Dafürhalten unzulänglich erwies, schloß er es ein.
Damit entfernte er es aus seiner Einflußsphäre. Als Mensch brauchte der Amorph Nahrung – also begann er in einer Art Selbstschutz, möchte ich annehmen, seine menschliche Gestalt aufzulösen. Ich stelle mir vor, daß er zu einem Klumpen hirnlo-sen Plasmas wurde, der auf eine Identität wartete, der er sich angleichen konnte.
Und in der Nähe des Bootes schwamm Ralph Strengs Monster Charlie…«
Mark Swindon lächelte grimmig. »Es gibt keinerlei Zweifel daran, daß Charlie wirklich existierte. Wie Ralph früher theoretisiert
hat, sind er und die anderen seiner Art die ausgewachsenen Formen des Wächter/Schützer-Plankton-Typus. Also: Außerhalb des Bootes war Charlie, und innerhalb des Bootes war der Amorph.
Und ein Amorph wählte aus einem Instinkt heraus seine Gestalt immer nach einer in der Nähe befindlichen Lebensform. Er brauchte sie nicht zu sehen – aus diesem Grund ist er ja auch in der Lage, auch die inneren Organe zu kopieren…«
So saßen wir dort, in jener Nacht, und nach einer Weile flammten die Lichter am Kai auf, und der Trawler begann seinen Fang zu löschen.
Streng war beiseite getreten, hinter die offene Tür, so daß er nicht sah, was wir sahen, jedenfalls nicht gleich…
Es kam in einem seltsamen, hastend-schwankenden Lauf aus der vorderen Kabine gestürzt, und sein Schwung brachte es durch die Hauptkabine zum Fuß der kurzen Treppe, die ins Cockpit führte.
Jetzt sah Streng es auch. Er duckte sich und starrte das Ding an, das jetzt die Treppenstufen zwischen seine Scheren nahm; wir hörten ein widerliches, schabendes Geräusch. Es war etwa zweieinhalb Meter lang und einen Meter hoch; es stand auf einem Dutzend dünnen Chitinbeinen und besaß zwei mächtige Scheren, mit denen es jetzt die Treppenstufen bearbeitete. Doch damit war jede Ähnlichkeit mit einem riesigen Hummer beendet, da die Fluken seines Schwanzes vertikal waren, und der Schwanz selbst sich in seitlicher Richtung bewegte. Jetzt peitsch-te er hin und her, während Streng auf dem Boden kauerte und sich gegen die Kabinenwand preßte.
Die Kreatur begann die Treppe hinaufzuklettern, packte die Stufen mit seinen Scheren und zog sich hinauf. Wir blickten direkt in seine offenen Kiefer, die aus einer Masse knöcherner Spitzen und Platten bestanden und sich in ständiger Bewegung befanden. Irgendwo mußten auch Augen sein, aber der Kopf dieser Bestie war so gespickt mit Auswüchsen, daß sie nicht aus-zumachen waren.
Ich hörte Barker vor Entsetzen stöhnen. Das Ding schien direkt auf uns zuzukommen, auf eine unheimliche Art aus dem 3-V-Alkoven ins Studio zu kriechen. Ich mußte mir immer wieder ins Gedächtnis zurückrufen, daß wir im Studio saßen, daß es Ralph Streng war, der vielleicht sterben würde, nicht ich. Daß alles viele Kilometer von hier entfernt geschah.
Dann glitt die Kreatur aus.
Mit einem Fauchen der Frustration verlor sie den Halt und fiel klappernd und mit den zwölf Beinen strampelnd in die Kabine zu-rück. Streng, der seine Chance erkannte, stürzte hinter der Tür hervor und in die vordere Kabine, aus der das Monster gekommen war. Er wollte die Tür hinter sich zuziehen. Der Schwanz des Monsters geriet dazwischen.
»Bleib drin… bleib drin!« hörte ich Barker stöhnen. Susanna schwieg.
Das Monster warf sich herum und sah Streng, der wieder nach dem Türdrücker griff. Seine Hand glitt ab. Eine riesige Schere griff nach ihm. Er wich rückwärtsgehend in die Kabine zurück, packte einen Besen und hielt ihn vor sich. Seine Augen waren auf der Hut; ich sah keine Panik in ihnen, nachdem er sich von dem ersten Schock erholt hatte. Es war unglaublich. Wenn ich in seiner Lage gewesen wäre, hätte ich pausenlos geschrien und mir in die Hose geschissen.
Das Monster riß Streng den Besen aus den Händen, mit einer solchen Gewalt, daß Streng beinahe zwischen die mahlenden Kiefer geschleudert worden wäre. Er fing sich wieder, warf einen Schlafsack über den hornigen Kopf und katapultierte sich vorwärts, glitt unter dem gepanzerten Bauch hindurch, rannte durch die Kabine und griff nach den Stufen der Treppe. Dort war er aus dem Blickfeld der Kamera, doch zwei Sekunden später tauchte sein Kopf über der Treppe auf. Streng stützte sich ab, um sich auf das Deck des Cockpits zu schwingen. Hinter ihm sah ich das Monster herumwirbeln.
Es packte Strengs Fußknöchel, als wir gerade glaubten, er wür-de es schaffen, gerade als Barker einen erleichterten Fluch ausstieß. Sein Gesicht verschwand abrupt, als er in die Kabine hin-
abgerissen wurde.
Wir hörten ein widerliches Zischen, und dann den ersten Laut, den Streng ausstieß: Einen gellenden Schmerzensschrei.
Sein Gesicht tauchte wieder auf, von Schmerzen verzerrt. Wieder stützte er sich ab und diesmal schaffte er es, sich auf das Deck des Cockpits zu ziehen. Dort brach er zusammen. Sein linkes Bein hing in blutenden Fetzen, fast abgetrennt dicht unter dem Knie. Eine riesige, blutverschmierte Schere reckte sich aus der Kabine, tastete suchend umher, klappte auf und zu.
Streng schleppte sich zur Bank des Cockpits, begann sich unter Aufbietung aller Kräfte auf das Kabinendach zu ziehen. Hinter ihm tauchte der Alptraum-Kopf des Monsters wieder auf. Zähe Fäden einer Verdauungsflüssigkeit tropften von seinen Kiefern.
Streng kroch nun von uns fort, über das Kabinendach auf den Mast zu, und wir sahen Blut im Rhythmus des Herzschlages aus der zerfetzten Arterie schießen. Das Monster zog sich die Stufen herauf, zischend und geifertriefend, und fiel mit einem Krachen des Chitinpanzers und einem Scharren der scharfen Krallen auf das Deck. Es hob den Kopf und blickte umher – und jetzt sah ich seine Augen, sie saßen auf kurzen Hornstummeln dicht über seinen Kiefern. Es entdeckte Streng.
Irgendwo in meiner Nähe sagte irgend jemand: »Ich kann das nicht länger mitansehen.« Es muß Susanna gewesen sein. Spä-
ter bewunderte ich ihre Willenskraft – später. Was mich betrifft, ich blieb bis zum Ende. Ich konnte nicht fortgehen. Ich kann auch nicht erklären, warum ich nicht ging, denn ganz bestimmt wollte ich nicht zusehen, wie Streng in Stücke gerissen wurde.
Er hatte den Mast erreicht. Er zog sich hoch, umklammerte den glänzenden Aluminiummast. Er stand dem Segel gegenüber –
das sich nach Steuerbord wölbte – und begann sich unendlich langsam und mühsam am Mast emporzuziehen; sein linkes Bein baumelte kraftlos hin und her und spritzte Blut über das Deck.
Das Hummer-Ding zog sich mit seinen Scheren aus dem Cockpit und kroch über das Kabinendach. Es kümmerte sich nicht um ein paar Taue, die sich lose um seine Beine wanden.
Streng verlor den Halt, glitt einen halben Meter zurück, begann sich wieder emporzuziehen. Ich sah, wie seine Armmuskeln her-vortraten und zitterten. Er konnte seine Beine nicht gebrauchen.
Er würde es nicht schaffen. Sein Gesicht starrte nach oben, direkt in die Linse der Mast-Kamera. Ich sehe es heute noch manchmal, in Nächten, wo der Schlaf nicht kommen will und Er-innerungen sich in mein Gehirn drängen, sehe ich wieder dieses Gesicht, naß vom Schweiß der Anstrengung, vom Schweiß der Todesangst. Er starrte direkt in die Kamera, starrte uns alle an, aus dem Bildschirm des 3-V-Alkoven. Das Gesicht eines Menschen, der gleich sterben wird. Und unten, im Hintergrund, hockte das Meeres-Monster, beobachtete, lauerte, richtete sich auf den hinteren drei Beinpaaren auf, streckte eine geöffnete Schere aus.
Das Monster packte ihn beim Fußgelenk. Es erinnerte mich an eine Obstpflückmaschine. Es packte ihn beim Fußgelenk und pflückte ihn vom Mast.
Dann zerrte es ihn auf das Kabinendach und verschlang ihn Stück für Stück.
Später kam Althea Gant aus Premier City zurück. Sie traf gegen fünf Uhr ein. Ich sah das Antigrav mit einem ruhigen Summen auf der Wiese bei der Brücke aufsetzen und ahnte, wer gekommen war. Eine Stunde später stand die Vertreterin der Organisation vor unserer Tür.
Ich bot ihr einen Drink an, doch sie wies ihn zurück. »Es ist kein Immunol drin«, sagte ich.
»Das habe ich auch nicht angenommen«, sagte Althea Gant ruhig.
Also hatten wir nur unsere Zeit verschwendet, als wir versuchten, das geheim zu halten.
»Was kann ich für dich tun?« fragte ich.
Ihr Gesicht wirkte alt; es hatte dieses unnatürliche alte Aussehen, das von Streß und vielleicht auch von Sorge hervorgerufen wird, und bei manchen Menschen verschwindet es nie wieder. Es war leicht zu erraten, daß die Organisation die Schuld an Strengs
Tod auf ihre eckigen Schultern geladen hatte. Ich hätte es auch getan, wenn ich die Organisation gewesen wäre.
Sie sagte: »Ich war in Premier City, als die Nachricht durch-kam. Ich bin sofort zurückgeflogen. Ich… Hat er…?«
Susanna sagte leise: »Du hast Ralph doch gekannt. Er hat bis zum letzten Augenblick gekämpft. Aber, als das Ende kam, ist es sehr schnell gegangen.«
Miß Gant nickte und biß sich auf die Lippe. Ich bemühte mich, sie nicht anzustarren. Ich hatte natürlich angenommen, daß sie sich vor allem darum sorgen würde, ob man noch irgend etwas aus den Trümmern des Projekts retten könnte, oder ob Streng ohnehin schon zu viel geredet hatte, bevor er die Kreatur aus der Kabine ließ. Ich fragte mich, was die Organisation jetzt tun würde. Wahrscheinlich würde sie bekannt geben, daß Streng ge-tötet worden sei, als sein Benzintank explodierte – wieder eine blöde Bemerkung über mein Boot…
»Hast du Mort schon gesehen?« fragte ich.
»Ja.«
»Ich bin überrascht, daß er nicht mitgekommen ist. Ich denke, daß er Hazel Streng schon über alles unterrichtet hat.«
Ein gehetzter Ausdruck trat in ihre Augen. »Ich habe ihm gesagt, er soll eine Weile Urlaub machen. Ich denke, er wird schon packen. Diese Geschichte hat uns alle sehr mitgenommen, und es gibt nichts, das Mort noch tun könnte.« Sie blickte von mir zu Susanna. »Und ihr beiden auch nicht. Warum fahrt ihr nicht auch für eine Weile fort?«
»Das werden wir vielleicht tun. Nachdem wir bezahlt worden sind. Ah… was wirst du dem Sektor sagen?«
»Nichts.«
»Aber ihr müßt doch irgend etwas bekannt geben. Die Sache ging ihrem Höhepunkt entgegen. Die Einschaltquoten waren ausgezeichnet.«
»Glaubst du, ich weiß das nicht?« Ihre Lippen zitterten. »Soll ich dir sagen, aus welchem Grund die Organisation beschlossen
hat, nichts bekanntzugeben, Moncrieff? Weil Ralph Streng nicht tot ist, soweit es den Sektor betrifft. Die Reise geht weiter.«
»Das wird kein Mensch schlucken. Sie wollen Streng selbst sehen.«
Sie lächelte strahlend, gekünstelt. »Das werden sie auch. Das werden sie auch.«
»Ich begreife das nicht.« Ich begann mich nervös zu fragen, ob der Tod Ralph Strengs ihren Nerven den Rest gegeben hatte.
»Du solltest eines begreifen, Moncrieff. Die Organisation ist mächtig und beherrscht die Medien. Wenn wir sagen, daß die Reise nach Plan verläuft und Ralph Streng lebt, und wir das mit ein paar Kameratricks untermauern – dann ist er in den Köpfen der Mensehen am Leben. Aller Menschen – mit Ausnahme der zwei oder drei, die ihn sterben sahen…«
Kurz darauf ging sie wieder.
Es ist erstaunlich, wie dumm wir waren. Zu dem Zeitpunkt hatte ich den Sinn ihres Besuches nicht begriffen.
Es war sehr viel später, als es wieder an die Tür klopfte.
Susanna und ich waren noch auf. Wir redeten nicht viel, und wir waren nicht in der Stimmung, uns zu lieben. Wir waren er-füllt von der Gewohnheit, daß man traurig sein muß, wenn ein Bekannter stirbt, bis eine angemessen Zeit verstrichen ist. Als ich in meinem Sessel saß und den letzten Rest der Scotch-Flasche austrank – mit Wasser verdünnt, weil wir kein Ginger-Ale mehr hatten und ich der kürzlich eingetroffenen Sendung nicht traute – fragte ich mich, wie lange eine angemessen Zeit ist. Eine Stunde? Ein Tag? Eine Woche?
»Wer, zum Teufel, ist das?« murmelte ich, als ich zur Tür ging.
Zwei Männer standen davor. Fremde. Ohne Aufforderung traten sie ein und schoben mich beiseite. Sie traten ins Wohnzimmer.
Susanna erhob sich langsam, die Augen vor Angst geweitet.
»Ihr beiden – stellt euch mit dem Gesicht zur Wand! Hier!«
Der größere der beiden Männer hielt eine kurzläufige Laserpi-
stole in der Hand.
Und in seinen Augen sah ich einen Ausdruck, der mir sagte, daß er sie nur zu gerne gebrauchen würde.
17. KAPITEL
Sie brachten uns hinaus. Es war dunkel, und ein leichter Regen hatte eingesetzt. Ich glaube, ich habe noch nie etwas so Trostlo-ses, so Hoffnungsloses gesehen wie meine Bootswerft in diesem Augenblick. Die Lampe bei der Helling warf einen matten, gelbli-chen Schein durch den Regen, gerade hell genug, um die Umris-se von drei Skitterbugs erkennen zu können, die zwischen Holz-abfällen und verschmierten Farbeimern auf dem Kai standen.
Seit einiger Zeit hatte ich nichts mehr getan, teilweise wegen meiner Enttäuschung über die negative Publicity, die mein Boot erhalten hatte, teilweise aus der Notwendigkeit heraus, den Anschein immunolisierter Euphorie aufrechtzuerhalten, vor allem aber, weil ich das ganze Geschäft für eine Weile satt hatte.
Ich fragte mich, wo sie uns ermorden würden. Wahrscheinlich auf dem Kai, mit dem Gesicht zum Wasser. Unsere Leichen würden vom Fluß fortgeschwemmt werden, und falls sie irgendwo angeschwemmt werden sollten, würde man unseren Tod dem wahnsinnigen Brontomek anlasten.
»Dorthin«, sagte einer der beiden mit ausdrucksloser Stimme.
»Auf das Floß!«
Ich hatte mich so völlig mit der Unvermeidlichkeit unseres Todes abgefunden, daß ich hoffte, der Mann könne mit seiner Laserpistole umgehen. Ein sauberer Schuß in den Hinterkopf für mich und Susanna. Ich wollte nicht, daß einer von uns von einem miserablen Schützen in zwei Teile zersägt würde.
»Und jetzt setzt euch, beide! Neben das Boot.«
Wir setzten uns auf die feuchten Planken des Floßes und spürten, wie die schwimmende Plattform unter uns schwankte, als die beiden Männer von hinten auf uns zutraten. Neben mir dümpelte Paul Blakes Skitterbug auf dem Wasser. Ich hatte einen sehr dummen Gedanken: Ich mochte jetzt sterben – aber ich habe der Welt das Skitterbug geschenkt. Als ob das etwas wäre, worauf man stolz sein könnte.
Ich spürte kaum, daß meine Hände gefesselt wurden. Dann sah ich, daß der kleinere der beiden Männer sich über Susanna beug-
te und ihre Hände ebenfalls fesselte, mit einer gelben Schnur aus meiner Werkstatt. Befriedigt richtete er sich wieder auf, und wir saßen auf den nassen Planken und fragten uns, was als nächstes geschehen würde.

