Kiss me twice, p.36

Kiss Me Twice, page 36

 

Kiss Me Twice
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  Alex hielt die Luft an. Die beiden starrten einander an. Eine seltsame Mischung aus Gefühlen huschte über ihre Gesichter. Über Alex’ hauptsächlich Scham, über Williams … so viel mehr. Seine Augen wurden beinahe so dunkel wie Kohlen. Am Himmel begann es zu grollen. Wie passend!

  »Du!«, knurrten die zwei schließlich gleichzeitig hasserfüllt.

  Innerhalb von Sekunden war die Stimmung so aufgeladen, dass selbst das leichte Donnergrollen über uns in den Hintergrund rückte. Oh ja, ich hatte beinahe vergessen, dass die beiden eine prekäre Vergangenheit hatten. Leider konnte ich darauf jetzt keine Rücksicht nehmen. Was viel wichtiger war, war … das Auto.

  »William.« Ich rannte auf ihn zu, woraufhin er seinen Blick widerwillig von Alex löste.

  »Ja?«, knurrte er mich an.

  »Was muss ich tun, um mir dein Auto ausleihen zu dürfen?«

  William stutzte, ehe er eine Augenbraue hochzog. »Hast du endlich eingesehen, was für Schlappschwänze die Bloomsburys sind? Willst du abhauen? Wie ungezogen.«

  »Ja, so ähnlich. Also, was muss ich machen, um das Auto zu bekommen?«

  William verschränkte die Arme vor der Brust und musterte mich. Wie immer hatte ich das Gefühl, von seinem stechenden Blick durchlöchert zu werden. »Ist was passiert?«, fragte er in einem Tonfall, der viel zu intelligent für das hübsche Gesicht wirkte.

  »Vielleicht. Also, Auto ja oder nein?«

  »Fährt er auch mit?«, knurrte William und starrte dabei abfällig zu Alex hinüber.

  Der sah aus, als würde er seinem Gegenüber gleich an die Gurgel springen. »Ja. Ich komme mit«, zischte er.

  Ein diabolisches Grinsen breitete sich auf Williams Gesicht aus. »Schön, wie ihr wollt. Steigt ein. Aber ich fahre.«

  »Was? Nein«, riefen Alex und ich gleichzeitig.

  William zuckte mit den Schultern. »Das ist meine Bedingung.«

  »Ich …« Mein Blick fiel auf den roten Punkt des GPS-Geräts. Prescot bewegte sich verdammt schnell, immer in Richtung Küste. Viel zu schnell, um ihn bald einholen zu können. Ich knurrte: »Na schön, aber wehe, ihr streitet«, und warf mich ins Auto.

  William grinste. »Ohhh, und wie wir streiten werden. Alex und ich haben nämlich noch ein Hühnchen miteinander zu rupfen.«

  Alex schluckte, stieg jedoch trotzdem ein.

  Toll, einfach nur toll!

  Prescot

  Müde … so müde. Wo war ich? Wer war ich? Bewegte ich mich? Es war unbequem. Etwas drückte mir in den Rücken. Leises Brummen wie von einem Motor war zu hören. Der Geruch nach Benzin und Meerwasser kitzelte in meiner Nase. Was war passiert? Ich zwang meine Augen auf, war mir jedoch nicht sicher, ob sie wirklich offen waren. Alles war von einer schmierigen Schicht überzogen. Die Welt kippte. Klar war nur, dass ich in einem Auto saß. Neben mir eine zierliche Person mit braunen Haaren.

  »Bist du wach? Wie fühlst du dich?«

  »C… Carla?«, flüsterte ich.

  »Keine Angst. Wir sind bald da.«

  »Wo da?«

  »Bei der Fähre. Ich habe für uns beide ein kleines Häuschen gekauft. In Grönland. Es ist nicht viel, aber gemütlich. Es wird uns dort gut gehen. Ein wenig Geld habe ich auch noch übrig, so viel ich eben für die Fotos bekommen habe, die ich der Presse verkauft habe. Es tut mir ehrlich leid, dass du deswegen Ärger hattest, aber ich hätte sonst nicht gewusst, wie ich an so viel Geld herankommen sollte, ohne richtig illegale Dinge zu tun. Aber zumindest musst du jetzt nicht mehr traurig sein. Ich liebe dich wirklich, weißt du das?«

  Fotos? Presse? Hatte … hatte Carla all die Fotos von mir an die Presse verkauft? Nun, wenn ich so darüber nachdachte, war sie immer da gewesen. Selbst an dem Tag, als ich beim Minigolfplatz in der Windmühle stecken geblieben war, hatte sie auf dem Empfang gekellnert. Sie musste Eve und mir damals gefolgt sein. Nur wie sie an die Fotos von Williams Party rangekommen ist, war mir ein Rätsel. Andererseits hatte es aber an Leuten, die ihr die Aufnahmen zugespielt haben konnten, nicht gemangelt.

  Meine Zunge holperte und wollte sich bewegen, doch ich driftete wieder ab. Müde. Ich war so müde …

  Silver

  Ich war kurz davor, bei voller Fahrt aus dem Auto zu springen.

  »Du hast gesagt, wir wären zusammen! Du hast gesagt, du liebst mich! Und ich Trottel hab dir geglaubt!«, brüllte William.

  Er fuhr so schnell, dass ich tatsächlich ein klein wenig Angst hatte. Doch zumindest holten wir so auf. Es fühlte sich nicht mehr an, als befände sich der Punkt auf dem GPS am anderen Ende der Welt.

  »Ich habe nie was von Liebe gesagt«, fauchte Alex. »Wir hatten ein paar witzige Stunden miteinander. Das war’s.«

  »Ach ja? Glaubst du, ich bin so blöd, nicht zu wissen, dass du mich zu Anfang nur als Trostpflaster für Jeff benutzt hast? Weil er dich nicht mal mit der halben Arschbacke angesehen hat? Aber ich weiß, dass du mit der Zeit Gefühle für mich entwickelt hast, Alex! Du kannst dich vielleicht selbst anlügen, aber Fakt ist und bleibt, dass du ein betrügerisches, ängstliches Würstchen bist!«, blaffte William.

  Ich hätte nie gedacht, ihn jemals so zerfressen von Eifersucht zu sehen. Doch als er den Namen Jeff aussprach, verzerrte sich sein hübsches Gesicht zu einer hässlichen Grimasse.

  »Ich hab gehört, ihr seid jetzt zusammen. Weiß er eigentlich, was du mir angetan hast?«

  »Ja! Und wir sind trotzdem glücklich. Total glücklich. Wir lieben uns und streiten nie«, brüllte Alex zurück.

  »Schön für dich!«

  »Ja, schön für mich!«

  »Ja!«

  »Ja!«

  »Jungs!«, fuhr ich sie streng an.

  »Was ist?«, brüllten mich beide an.

  »Habt ihr schon vergessen, dass wir hier auf einer Mission sind? Also fahr nach links, William«, brüllte nun auch ich.

  Er fluchte und trat ruckartig auf die Bremse, Gummigeruch breitete sich im Auto aus, doch schon im nächsten Augenblick schleuderte der Wagen nach links und wir schossen weiter.

  »Gut so?«, murrte er.

  »Ja.«

  »Verdammte Scheiße!«, fuhr ihn Alex an. »Es tut mir leid, okay?«

  »Nein, nichts ist okay«, krächzte William, und jeder Trottel konnte hören, wie sein Herz noch ein bisschen mehr brach.

  »Rechts!«, fuhr ich dazwischen, und William fuhr fluchend um die nächste Ecke.

  Erneut sah ich auf mein GPS, und langsam ahnte ich, wohin Prescot wollte. Er fuhr direkt auf einen Hafen zu. Aber was wollte er dort? Das Meer tat sich direkt vor uns auf, und schon bald türmten sich links und rechts von uns bunte Schiffscontainer.

  Der Himmel zog sich immer mehr mit Wolken zu. Eisiger Wind wirbelte das Meer auf, und kurz darauf klatschten die ersten Regentropfen gegen die Windschutzscheibe. William brummte und schaltete Scheinwerfer und Scheibenwischer an, während Alex und er sich weiter anzickten. Ich blendete sie aus und starrte konzentriert nach draußen. Keine Menschenseele war zu sehen, nur ein paar Frachtschiffe, die vor Anker lagen und im aufgewirbelten Wind auf- und abschaukelten.

  »William?«, erkundigte ich mich.

  »Ja?«

  »Legen Schiffe auch bei Sturmwarnung ab?«

  »Soweit ich weiß, nicht, nein.«

  »Okay, dann fahr bitte langsamer und schalte die Scheinwerfer wieder aus. Ich nehme an, wir suchen nach einem Auto oder einem Lastwagen. Entweder in der Nähe eines Schiffs oder eines Trockendocks.« Ich deutete auf die großen Hütten etwas abseits der Straße.

  »Alles klar.«

  William hörte auf mich, schaltete die Lichter aus und fuhr quasi im Schneckentempo weiter. Angestrengt zuckte mein Blick durch das diesige Grau vor uns, bis ich etwas sah. Das Aufleuchten von Scheinwerfern, die ein ganzes Stück vor uns aufblitzten, ehe sie in der Nähe eines Lagers abbogen.

  »Halt an. Von hier aus gehe ich zu Fuß«, verkündete ich und schnallte mich ab.

  Die Köpfe der beiden Jungs schnellten zu mir herum. »Was? Nein! Da draußen stürmt es gleich los. Du holst dir den Tod«, warnte mich William.

  »Keine Sorge, so schnell kriegt man mich nicht klein«, behauptete ich beim Aussteigen.

  Der rote Punkt auf dem Handy leitete mich genau in die Richtung der Lagerhalle, und ich merkte, wie mein Puls in die Höhe schnellte. Dort war er. Prescot war dort, und zwar mit ziemlicher Sicherheit nicht freiwillig.

  Ich hörte Türen zuknallen, gefolgt von Fluchen. Alex stand neben mir. William saß noch unentschlossen im Wagen.

  »Alex, ruf die Polizei«, wies ich ihn leise an.

  »Sicher?«

  »Ja.«

  Er nickte, wählte und seufzte auf. »Sorry, Silver. Wir sind hier am Arsch der Welt und dazu der Sturm … Wir haben kein Netz.«

  Ich knirschte mit den Zähnen, während die Kälte an meinem Rock riss. Die dünnen Converse gruben sich schmatzend in die Erde. Schlamm und Wasser flossen hinein.

  »Auch gut. William soll es weiter versuchen oder Hilfe bei den Hafenmitarbeitern holen. Ich gehe zu Prescot.«

  »Sicher?«, wiederholte Alex seine Frage schlicht.

  »Ja.«

  Ich ging los und hörte noch, wie Alex William etwas über den Wind hinweg zurief. Doch ich ging bereits querfeldein. Überall lagen Container gestapelt, als hätte ein gigantisches Kind wie mit Bauklötzen damit gespielt und sie danach einfach an Ort und Stelle liegen gelassen. Viele rosteten bereits vor sich hin, und der Geruch nach Salz und Kupfer füllte die beißend kalte Luft. Das Handy in meiner Hand war jetzt schon klatschnass, und der Regen wurde immer stärker. Ich hörte Zähneklappern hinter mir. Alex stampfte mir mit angepisster Miene nach. Trotzdem beschwerte er sich nicht. Zusammen starrten wir auf den roten Fleck, der näher kam und näher … bis wir vor einer weißen Lagerhalle stehen blieben. Das große Tor war abgesperrt, das Sicherheitsschloss nicht zu knacken.

  »Und jetzt?«, fragte Alex bibbernd.

  Ich legte den Kopf in den Nacken und entdeckte ein offenes Fenster knapp unter dem spitzen Dachstuhl.

  »Kannst du eine Räuberleiter machen?«, erkundigte ich mich und steckte mir das Handy in den Ausschnitt, um die Hände frei zu haben.

  »Ja, aber dann bist du allein da oben«, warf Alex besorgt ein.

  Ich lächelte ihn verkrampft an. »Ich schaffe das schon. Und wenn du was Schlimmes hörst, dann lauf und hol Hilfe. Je schneller, desto besser.«

  »Das gefällt mir gar nicht« brummte er, ging jedoch in die Hocke und hielt mir seine verschränkten Hände hin.

  Ich fröstelte und schlüpfte aus den triefenden Converse. Die Sohle war zu rutschig, um damit Halt zu finden. Schon jetzt hatte ich kaum mehr Gefühl in den Zehen, doch das Adrenalin ließ mich weitermachen. Auch der Rock musste dran glauben, das Ding war einfach zu unpraktisch. Ein Glück, dass ich wegen des Wetters Strumpfhosen druntergezogen hatte.

  Alex drückte mich nach oben und ächzte. Das Fenster schwebte über mir.

  »Ich muss auf deine Schultern«, zischte ich.

  Alex nickte und spannte seine Muskeln an, während ich mich auf seine Schultern stellte. Es war etwas wacklig, doch Alex hielt mich tapfer, und diesmal war mein Stand hoch genug, dass ich mich mit den Fingerspitzen an der rostigen Öffnung festhalten konnte. Allein beim Tasten spürte ich jedoch bereits, wie scharfkantig das Metall war. Das würde gleich verdammt wehtun.

  Tief atmete ich durch, wappnete mich gegen den Schmerz, spannte die Bauchmuskeln an und krallte mich mit meinem gesamten Gewicht fest. Ein scharfer, unglaublich ekelhafter Schmerz schoss mir durch die Hände, als das rostige Metall durch mein Fleisch schnitt und mir die Haut zerfetzte. Ich fühlte Hitze. Blut rann mir den Arm hinab. Ich zog mich zitternd hoch, und die Kanten schnitten so tief, dass ich beinahe dankbar war, dass der Großteil meiner Haut vor Kälte bereits taub war. Ich stöhnte und schwang die Beine nach oben. Mein Fuß fand ins Innere, scharfe Kanten schnitten mir den Knöchel auf, ehe ich Halt fand und den Fußrist in einen Balken verhaken konnte. Ich stemmte mich vollständig darüber und blieb keuchend ein paar Sekunden liegen. Scheiße, war mir schwindlig. Ich spuckte aus. Wind und Regen zerrten an mir.

  Ich hörte Alex besorgt nach mir rufen. Ich zeigte ihm nur einen Daumen hoch, dann wandte ich den Kopf. Und unter mir sah ich ihn schließlich.

  Prescot.

  Und neben ihm Carla.

  Prescot

  »Prescot! Aufwachen! Du musst was trinken«, flüsterte mir eine Stimme ins Ohr. Silver.

  Ich lächelte und spürte, wie mir etwas gegen die Lippen gedrückt wurde. Die Öffnung einer Flasche. Ich schaffte es, den Mund zu öffnen, musste jedoch husten, als mir der Schwall Wasser in die falsche Röhre schoss.

  »Oh, Verzeihung!«

  Ich spürte ein hektisches Klopfen an meinem Rücken, während ich hustete und hustete, bis ich es schaffte, meine Augen wieder zu öffnen. Zuerst sah ich gar nichts. Aber ich roch es. Irgendwie … fischig und alt, wie nach altem Beton, Rost und Salz. Was zum Teufel?

  »Wo bin ich?«, murmelte ich und sah mich verwirrt um.

  Ich saß auf einem klebrigen Stuhl, eine Decke war um mich gelegt worden, und vor mir stand im Scheinwerferlicht eines Trucks Carla und lächelte mich besorgt an. Doch irgendetwas stimmte nicht. Etwas an ihren Augen. Nicht wie bei Drogen oder Alkohol, aber der Blick wirkte verschoben. Nicht ganz richtig, als würde mich aus ihren Augen noch ein weiterer Blick anstarren. Ich fröstelte.

  »Carla, was machen wir hier? Wo sind wir?«, krächzte ich wieder, während mein Hirn ganz langsam Informationen auszuspucken begann. So quälend. Tröpfchen für Tröpfchen.

  »Keine Sorge«, flüsterte sie. »Wir warten hier nur, bis der Sturm nachlässt. Ich habe mir mit einem gefälschten Pass eine Schiffsüberfahrt gebucht. Du wirst allerdings leider im Kofferraum mitkommen müssen, jeder kennt dein Gesicht.« Sie sah ehrlich aus, als würde es ihr leidtun. Schockiert starrte ich sie an, und sie beeilte sich hinzuzufügen: »Keine Sorge, es wird uns auch niemand folgen. Das Auto ist auf einen falschen Namen gemietet. Bald sind wir in Grönland, in Sicherheit, und haben unsere Ruhe vor der Presse und deiner Familie. Niemand wird dich mehr belästigen, das verspreche ich dir.«

  »Grönland«, murmelte ich langsam und schüttelte den Kopf. »Grönland, Fotos … Carla, was geht hier vor sich? Hast du …« Ich stockte und musterte das Mädchen, das mich so süß und unschuldig anlächelte, als könnte es kein Wässerchen trüben. »Carla, warum hast du mich hierher gebracht?«

  »Um dich zu retten.«

  »Retten? Vor wem?«

  »Vor deiner Familie, vor deinem Leben, das du gar nicht willst … vor allem eben«, sagte sie und sah beinahe gekränkt aus.

  »Aber warum hast du mich betäubt? Hast du das schon mal gemacht?«, fragte ich langsam und sah mich um.

  Wir waren in einem Gebäude, das wie eine Lagerhalle aussah, und wenn sie von einer Schiffsüberfahrt sprach, mussten wir uns wohl in einem Hafen befinden. Der einzige Hafen, den ich in Nova Scotia kannte, befand sich in Glace Bay, das war mehrere Hundert Kilometer von Halifax entfernt.

  Carla sah weg. Ihre Unterlippe zitterte, trotzdem klang ihre Stimme fest, nicht verrückt. Sie sollte doch verrückt klingen, weil sie es war … oder?

  »Ich habe das getan, weil du sonst niemals freiwillig gegangen wärst, solange sie noch da ist.«

  »Sie?«, echote ich, obwohl ich eine Ahnung hatte, wen sie meinte.

  Carla sah mich an, und wieder hatte sie diesen entrückten Blick. »Miss Silver!« Sie spuckte den Namen förmlich aus. »Sie hält dich zurück. Sie macht dich genauso unglücklich wie dein Onkel, nur auf andere Weise. Aber glaub mir, ich habe lange versucht, die Sache anders zu regeln und sie loszuwerden, ohne zu solch harten Maßnahmen greifen zu müssen.«

  »Sie loszuwerden …«, echote ich abermals und blinzelte. »Du hast was gemacht? Carla … bist du der Grund für all die Unfälle, die mir in letzter Zeit passiert sind?«

  Carla wurde rot. Sie wurde tatsächlich rot, während sie verschämt die Hände vors Gesicht schlug. »Es tut mir so leid!«, krächzte sie. »Ich wollte doch nur sie loswerden, nicht dich! Aber du warst die ganze Zeit bei ihr. Ich konnte euch nicht trennen, und dann hat es jedes Mal dich statt sie getroffen. Es war wie verhext.«

  »Das mit den Fotos, das bist auch alles du gewesen, oder?«, fragte ich. »Und das mit dem Champagner? Beim Scotia Doodle?«

  Sie wurde erst blass, dann rot. »Es war nicht dein Champagner. Es war Silvers! Ich wollte doch nur, dass man sie aus dem Palast wirft. Im Champagner waren nur ein klein wenig K.-o.-Tropfen. Sie hätte sich bloß blamiert, aber du warst bereits betrunken und bist daraufhin umgekippt. Ich habe meine Mutter gebeten, nichts zu sagen, als sie die K.-o.-Tropfen in deinem Blutkreislauf fand. Du hast ja schließlich keinen Schaden davongetragen.«

  Ich presste die Lippen zusammen. »Und das mit dem Pferderennen? Warst du das ebenfalls?«

  Ihre Augen weiteten sich. Sie starrte auf meinen gebrochenen Arm, und wieder sah ich, wie sie vor Scham rot wurde.

  Ich fluchte. »Willst du mich verdammt noch mal umbringen?«

  »Umbringen? Was? Nein!« Carla sah ehrlich erschüttert aus, während sie hektisch den Kopf schüttelte. »Ich habe aus Versehen den falschen Sattel manipuliert. Ich hatte kurz vorher gehört, wie abfällig William St. Edwards über dich gesprochen hat. Ich habe doch gesehen, wie er und Silver miteinander geflirtet haben. Sie haben dich verletzt, vielleicht hätte dich Silver auch noch mit diesem Schnösel betrogen! Ich wollte ihm eine Lektion erteilen, nur ein kleine, aber … die Sättel sahen alle gleich aus. Es tut mir so leid! Ich wollte doch nur helfen. Aber jetzt mache ich alles wieder gut, versprochen. Ich liebe dich! Ich weiß, du liebst mich nicht, noch nicht. Aber das wirst du. Ich werde alles für dich tun, alles! Das habe ich immer getan!«

  Sie strahlte mich an, und ich bemerkte, wie mir das Herz schwer wurde. Wie hatte ich das nur übersehen können? Wie hatte ich so dumm und ignorant sein können, nicht zu merken, was in dem Mädchen vor sich ging, das ich jeden Tag sah?

 

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